Im nordöstlichen Nigeria prägt das Klima seit jeher das Leben der Menschen. Die Regenzeit bringt Hoffnung auf gute Ernten und zugleich das Risiko von Überschwemmungen. Im Bundesstaat Yobe, nahe der Grenze zum Niger, ist dieses Spannungsverhältnis besonders deutlich spürbar. Der Yobe-Fluss, Lebensader für viele Bauerngemeinden, tritt während starker Regenfälle regelmäßig über seine Ufer. Was früher als seltene Naturereignisse galten, hat sich in den vergangenen Jahren zu wiederkehrenden Krisen entwickelt.
Halima kennt diese Dynamik seit ihrer Kindheit. Die 20-Jährige lebt mit ihren Eltern und acht Geschwistern in einer kleinen Bauerngemeinde unweit des Flusses. Überschwemmungen sind für sie keine abstrakte Bedrohung, sondern Teil ihrer Biografie. „Unsere Gemeinde leidet jedes Mal sehr, wenn es zu Überschwemmungen kommt“, sagt sie. Wenn das Wasser kommt, nimmt es nicht nur Ernten und Vorräte mit sich. Häuser werden beschädigt oder unbewohnbar, Wege unpassierbar, Gesundheitsstationen überflutet. Krankheiten können nicht behandelt werden, weil die Straßen fehlen, auf denen man sie erreichen könnte. Besonders hart trifft es Familien, die ohnehin am Rand ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten leben. Viele beginnen nach jeder Regenzeit erneut von vorn.