Einsteigen, Motor starten und losfahren? In einigen Orten in Südafrika sollten Reisende vorher besser noch einen kurzen Check machen. Denn unter manchen Autos kann sich ein unerwarteter Gast verstecken: ein Afrikanischer Pinguin, offiziell Brillenpinguin.
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Die ungewöhnlichen Begegnungen sorgen in sozialen Netzwerken regelmäßig für Staunen. Doch hinter den niedlichen Bildern steckt ein ernstes Thema: Der Afrikanische Pinguin gilt als stark gefährdet, und doch leben die Tiere teilweise mitten in touristisch genutzten Küstenregionen – und nicht selten kreuzen sie die Wege von Besucherinnen und Besuchern.
Wer dort mit dem Mietwagen unterwegs ist, sollte deshalb wissen, wo besondere Vorsicht geboten ist – und was er oder sie im Ernstfall tun sollte.
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Wo verstecken sich Pinguine unter Autos?
Der bekannteste Ort für Begegnungen mit Afrikanischen Pinguinen ist Boulders Beach bei Simon’s Town südlich von Kapstadt. Die Kolonie gehört zum Table Mountain National Park und zählt zu den wenigen landbasierten Kolonien dieser bedrohten Pinguinart weltweit. Die südafrikanische Nationalparkverwaltung SANParks bezeichnet Boulders als eine der wichtigsten Besucherattraktionen des Parks und weist darauf hin, dass die Tiere dort in einem geschützten Lebensraum leben.
Boulders Beach besteht aus mehreren Stränden, einem Bereich zur Pinguinbeobachtung und Holzstegen, die Besucherinnen und Besuchern einen Blick auf die Tiere ermöglichen, ohne sie zu stören. SANParks bittet darum, im Beobachtungsbereich auf den Stegen zu bleiben und den Pinguinen nicht zu nahe zu kommen.
Trotz des Schutzgebiets leben die Afrikanischen Pinguine hier nicht abgeschieden von Menschen. Die Tiere bewegen sich zwischen Straßen, Wegen, Häusern – und Parkplätzen. Besonders an warmen Tagen suchen sie schattige und geschützte Orte – und dazu können auch die Bereiche unter parkenden Autos gehören. Schilder an den Parkplätzen weisen auf diesen Umstand hin:

Wichtig für Reisende: Nicht der gesamte Table Mountain National Park ist ein Pinguingebiet. Die Kolonie befindet sich an der Küste der Kap-Halbinsel bei Simon’s Town – der berühmte Tafelberg selbst und die Wanderwege rund um den Berg liegen nicht im Lebensraum der Pinguine.
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Für den Besuch von Boulders Beach fällt für internationale Besucherinnen und Besucher eine Naturschutzgebühr von 515 südafrikanischen Rand (rund 27 Euro) an.
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Eine weitere bedeutende Brutkolonie befindet sich rund 90 Minuten östlich von Kapstadt im Stony Point Nature Reserve bei Betty’s Bay in der Overberg-Region. Auch dort leben Afrikanische Pinguine in Küstennähe und teilen ihren Lebensraum teilweise mit Menschen.
Der Eintritt für Erwachsene beträgt 45 südafrikanische Rand (rund 2,40 Euro).

Weitere Kolonien gibt es entlang der südafrikanischen Westküste, vor allem auf Inseln und geschützten Küstenabschnitten. Diese Gebiete sind jedoch meist weniger touristisch erschlossen – Begegnungen mit Fahrzeugen sind dort deutlich seltener.
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Warum suchen Pinguine Schutz unter Fahrzeugen?
Der ungewöhnliche Schlafplatz hat einen einfachen Grund: Fahrzeuge bieten den Tieren Schutz vor Sonne und Hitze. Unter einem Auto ist es schattiger und oft kühler als in der direkten Umgebung. Zudem befinden sich die Parkplätze in der Nähe ihres natürlichen Lebensraums, sodass die Tiere diese Bereiche problemlos erreichen können.
Auf Social Media hat sich für diese besonderen Begegnungen rund um Boulders Beach sogar der Hashtag #penguinunderyourcar etabliert. Reisende teilen darunter Fotos und Videos von Pinguinen, die unter Fahrzeugen Schutz suchen. Die Bilder wirken zunächst kurios – sie zeigen aber auch, wie eng der Lebensraum der bedrohten Tiere mit dem Alltag der Menschen verbunden ist.
Was tun, wenn ein Pinguin unter dem Auto sitzt?
Wer einen Pinguin unter seinem Fahrzeug entdeckt, sollte nicht einfach losfahren. Reisende sollten Abstand halten und das Tier nicht anfassen oder unter dem Auto wegziehen! Stress und Lärm sind für die Tiere sehr gefährlich – und auch für dich kann es unschön werden.
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SANParks warnt generell davor, die Pinguine zu berühren oder zu füttern. Die Vögel würden zwar niedlich und kuschelig aussehen, sie haben aber messerscharfe Schnäbel und wenn sie sich bedroht fühlen, zögern sie nicht, in Finger oder Nase zu zwicken.
Stattdessen sollten Besucherinnen und Besucher Mitarbeitende vor Ort informieren. Geeignete Ansprechpartner sind:
SANCCOB (Southern African Foundation for the Conservation of Coastal Birds): Die Organisation rehabilitiert verletzte, kranke oder verölte Seevögel, darunter Afrikanische Pinguine. Sie hat eine Notfallnummer: +27 21 557 6155 (24/7 erreichbar). Die Expertinnen und Experten geben dir genaue Anweisungen oder schicken ein Rettungsteam. Mitarbeitende der Boulders Penguin Colony: Das Besucherzentrum der Kolonie ist die erste Anlaufstelle für Besuchende, wenn ein Tier Hilfe benötigt. Penguin Rangers des Table Mountain National Parks: Die Rangerinnen und Ranger kümmern sich um Meldungen rund um die Pinguinkolonie. Warum sind Afrikanische Pinguine bedroht?
Die Warnung vor Autos ist nur eine von vielen Herausforderungen für die Art. Der Afrikanische Pinguin gilt seit dem Jahr 2010 als stark gefährdet.
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Während bei der ersten umfassenden Zählung im Jahr 1956 noch rund 150.000 Brutpaare erfasst wurden, waren es 2009 weltweit nur noch etwa 26.000 Brutpaare – ein Rückgang von mehr als 80 Prozent innerhalb weniger Jahrzehnte. Auch die Kolonie bei Boulders Beach im Table Mountain National Park ist von dieser Entwicklung betroffen.

Nachdem sie seit ihrer Gründung im Jahr 1983 durch zugewanderte Tiere stark gewachsen war und 2005 rund 3900 brütende Pinguine zählte, ging der Bestand in den folgenden Jahren zurück. SANParks führt als Ursachen unter anderem Lebensraumverlust, Meeresverschmutzung, die Auswirkungen des Klimawandels auf Fischbestände, Überfischung sowie störende menschliche Aktivitäten auf. Auch ein nicht verantwortungsvoller Umgang mit den Tieren durch Touristinnen und Touristen kann die Kolonien zusätzlich belasten.
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