improvisiertes Lazarett, in dem das Gesundheutspersonal schwere  Schutzkleidung trägt.

(Bild: Marco Verch, CC-BY 2.0, ccnull.de)

Über 500.000 Menschenleben in Gefahr: ONE beziffert die Folgen der deutschen Kürzungen bei vier zentralen Gesundheitsorganisationen. Keine Trendwende in 2027.

Im Mai brach im Osten der Demokratischen Republik Kongo die Ebola- aus und verbreitete sich rasant. Mittlerweile zählen die Behörden vor Ort bereits 3.007 Todesfälle. Das Virus hatte vermutlich wochenlang unentdeckt zirkuliert, bevor Behörden den Ausbruch offiziell meldeten.

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Die verzögerte Erkennung des Ausbruchs steht in direktem Zusammenhang mit weltweiten Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit. Diese haben die Krankheitsüberwachung in vielen Ländern massiv geschwächt.

Im Kongo kämpfen Gesundheitshelfer unter extremen Bedingungen: Der 29-jährige Paluku Audrey, der in einem lokalen Behandlungszentrum arbeitet, berichtete Al Jazeera, seit Mai kein Gehalt mehr erhalten zu haben.

Historischer Einbruch der Entwicklungsgelder

Der Ebola-Ausbruch ist nur ein Symptom einer größeren Krise. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Oecd) meldete im April, dass die weltweite öffentliche Entwicklungshilfe (Oda) im Jahr 2025 um 23,1 Prozent eingebrochen ist – der stärkste Rückgang in der Geschichte.

Für 2026 prognostiziert die OECD einen weiteren Rückgang um 6,9 Prozent. Besonders dramatisch: Die Gesundheitsfinanzierung könnte bis zu 63 Prozent unter dem Höchststand von 2022 liegen. Am stärksten betroffen sind die ärmsten Länder und Subsahara-Afrika.

Deutschland trägt zu diesem Trend bei. Das Kernbudget des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Bmz) sank von 12,4 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf geplante 9,9 Milliarden Euro für 2026. Das entspricht einem Rückgang von rund 20 Prozent.

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Keine Trendwende in Sicht

2026 sollen unter anderem die bilaterale Zusammenarbeit, Krisenbewältigung sowie die Beiträge an UN-Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria gekürzt werden.

Und der Trend ist ungebrochen: Die Haushaltsverhandlungen für 2027 laufen, und die aktuellen Planungen sehen vor den Etat des Bmz um weitere 586,6 Mio. Euro auf 9,47 Mrd. Euro zu verringern.

Kahlschlag trifft Partnerländer

Die tatsächlichen Auswirkungen sind noch gravierender als die Haushaltszahlen vermuten lassen. Denn laut Kompass 2026 der Welthungerhilfe verblieb rund ein Drittel der deutschen Oda-Mittel zuletzt im Inland – etwa für die Versorgung von Flüchtlingen in Deutschland.

Besonders stark brachen humanitäre Hilfe und die eigentliche Programmfinanzierung ein. Im Jahr 2024 lagen die Oda-Zahlungen hierzulande höher als die bilateralen Zahlungen nach Afrika und Asien zusammengenommen.

Die Kürzungen treffen die Entwicklungsländer also überproportional hart. Die Welthungerhilfe warnt, dass diese Verschiebung die Wirksamkeit der verbleibenden Mittel massiv beeinträchtigt.

Ebola, Polio, Malaria, Masern: Krankheiten, die durch die Kürzungen wieder erstarken

Die Organisation ONE hat die Auswirkungen der deutschen Kürzungen bei vier zentralen multilateralen Organisationen beziffert: Die Kürzungen bei Gfatm (Globaler Fonds), Gpei (Globale Initiative zur Ausrottung der Poliomyelitis), IDA (Internationale Entwicklungsorganisation der Weltbank) und UNFPA (Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen) summieren sich für 2025 und 2026 auf 542 Millionen Euro.

Die Folgen für den Globalen Süden sind teils gravierend.

Beim Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria plante Deutschland für die vergangene Finanzierungsperiode 1,3 Milliarden Euro. Für die kommende Wiederauffüllung bis 2029 sind noch bis zu eine Milliarde Euro vorgesehen, wovon 950 Millionen Euro direkt an den Fonds fließen würden. Das entspricht einer Kürzung von 27 Prozent.

Die 542-Millionen-Euro-Frage: Was die Kürzungen für die globale Gesundheit bedeuten

Laut Daten aus der achten Wiederauffüllungsrunde des Gfatm bedeutet die geplante Kürzung, dass über neun Millionen Infektionen nicht verhindert und mehr als 500.000 Menschenleben nicht gerettet werden können.

Bei der Gpei soll der deutsche Beitrag von 37 Millionen Euro (2024) auf 19,2 Millionen Euro (2026) sinken – eine Kürzung um 48 Prozent. Dadurch werden fast 2,8 Millionen Kinder ungeimpft bleiben und so etwa 18.500 Menschen nicht mehr vor Kinderlähmung geschützt.

Strategische Neuausrichtung oder gefährlicher Kahlschlag?

Berlin verteidigt die Kürzungen als Teil einer strategischen Neuausrichtung. Im Februar 2026 veröffentlichte das BMZ den Reformplan „Zukunft zusammen global gestalten„. Das Dokument zeigt, wie die Bundesregierung auf schrumpfende Budgets reagiert, indem sie deutsche Interessen priorisiert.

Das Center for Global Development empfiehlt dagegen, Kürzungen nicht pauschal, sondern entsprechen der Wirkung der Programme vorzunehmen. Die Studie identifiziert 31 vernachlässigte BMZ-Partnerländer und plädiert dafür, besonders arme Länder und die Beiträge zu den internationalen Programmen zu schützen.

Langfristige Schäden für Gesundheitssysteme

Eine Fachpublikation im Journal of Public Health vom Juli 2026 beschreibt die typischen Folgen von Hilfskürzungen in fragilen und ressourcenarmen Ländern: weniger Ernährungshilfe, Impfungen, Mutter-Kind-Versorgung, Infektionskontrolle und psychische Versorgung.

Vor allem Entwicklungsländern mit Konflikt- oder Klimastress drohen die ohnehin prekär organisierten Basis-Gesundheitsdienste zu zerfallen.

Eine Studie im Fachjournal The Lancet projiziert, dass Hilfskürzungen des Westens zusammengenommen bis 2030 zu zusätzlichen 9,4 Millionen Todesfällen führen könnten, darunter 2,5 Mio. Kinder unter fünf Jahren. Die Zahl ist umstritten, signalisiert aber das Ausmaß dessen, was auf dem Spiel steht.

Südafrika zeigt Alternativen zur Kürzungspolitik

Länder, die über einen gewissen Spielraum verfügen, entwickeln Alternativen: So gab der südafrikanische Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi kürzlich bekannt, dass Pretoria umgerechnet knapp 47 Mio. US-Dollar bereitstellt, um die Lücken zu schließen, die durch ausbleibende US-Finanzhilfen entstanden ist.

Zusätzliche 16,5 Mio. US-Dollar werden in den nächsten zwei Jahren für Forscher bereitgestellt, die ihre US-Fördermittel verloren haben. Weitere Zuwendungen sind geplant.

Fazit

Der Ebola-Ausbruch in der DR Kongo zeigt, dass Kürzungen bei der Entwicklungshilfe keine abstrakten Haushaltszahlen sind. Sie bedeuten mehr Gefahren und weniger Chancen für Menschen in den ärmsten Ländern der Welt.

Aber die Kürzungen bedeuten eben auch weniger Überwachung von Krankheiten und weniger Schutz vor Pandemien. Die Covid-Pandemie hat gezeigt, dass es im ureigensten deutschen Interesse liegt, zumindest die globale Gesundheit nicht zu vernachlässigen.