Es sollte für beide Seiten eine Win-Win-Situation werden. Doch jetzt scheint es erstmal nur Verlierer zu geben: Das Wasserstoff-Projekt des Konsortiums Hyphen Hydrogen Energy soll Medienberichten zu den Akten gelegt sein. Namibia ist mit 24 % an dem Joint Venture zwischen der deutschen Enertrag SE und der südafrikanischen Nicholas Holdings Africa Limited beteiligt.

Der Essener Energiekonzern RWE hatte 2022 seine Absicht bekundet, ab 2027 jährlich bis zu 350.000 t des Wasserstoffderivats Ammoniak abzukaufen. Das Magazin Focus berichtet nun aber, dass sich die Nachfrage nach Wasserstoff und dessen Derivaten wie Ammoniak in Europa langsamer entwickelt als erwartet. Daher werde RWE nach eigener Aussage derzeit keine weiteren Projekte in Namibia verfolgen.

Enertrag widerspricht den Zeitungsberichten. „Das Projekt ist weiter am Laufen, derzeit befinden wir uns im ESIA-Prozess (Environmental and Social Impact Assessment)“, so ein Unternehmenssprecher gegenüber top agrar online. Ebenso sei die Aussage im Focus falsch, dass RWE 10 Mrd. US-Dollar in das Projekt investiert habe. „RWE war nie Teil des Projekts, sondern nur als potentieller Abnehmer im Gespräch“, stellt der Sprecher klar. „Das Projekt wurde bis heute rein privatwirtschaftlich finanziert, es gab auch keinerlei Förderung.“

Kalt erwischt zeigt sich Namibia. Das Land mit reichlich Wind an der südatlantischen Küste und 300 Tagen Sonnenschein wollte zu einem weltweiten Zentrum für die Wasserstoffproduktion aufsteigen. Der ursprünglich geplante Wasserstoffpark sollte 350.000 t grünes Ammoniak pro Jahr erzeugen. Es war sogar von einer langfristigen Jahresproduktion von 2 Mio. t die Rede.

Doch die Wasserstoffpläne hinken in Deutschland und den anderen EU-Ländern hinter her. Gemäß der Nationalen Wasserstoffstrategie will Deutschland in fünf Jahren in Elektrolyseanlagen jährlich zehn Gigawatt Wasserstoff produzieren können. Die derzeitige Produktion beträgt jedoch nur einen Bruchteil des Bedarfs. China, Südkorea und Japan sind dagegen bei der Umsetzung Spitzenreiter.

Laut Focus ist der Trend bei uns sogar gegenläufig. So seien zuletzt große Wasserstoff-Projekte weggebrochen, die gesamte Branche befindet sich in der Krise. Das Problem: Ohne verfügbaren Wasserstoff investiert die Wirtschaft nicht in die Wasserstoffnutzung. Und ohne Kunden investiert die Energiebranche nicht. Keiner will den Anfang machen – eben weil es sich nicht rechnet.

In Namibia soll die Enttäuschung nun groß sein. Die Absage wirke sich auf das Vertrauen potenzieller Investoren und die weitere Entwicklung des Wasserstoffsektors aus, heißt es.