Beteiligte Unternehmen
Im Oktober 2024 hat der US-amerikanische Uran- und Kritische-Mineralien-Produzent Energy Fuels Resources Inc. das australische Unternehmen Base Resources und damit auch Toliara Project zu 100 Prozent übernommen. Das gewonnene Monazit-Konzentrat soll in der von Energy Fuels betriebenen Mühle White Mesa in den USA verarbeitet werden.
Am 5.12.2024 haben Energy Fuels und die Regierung von Madagaskar ein Memorandum of Unterstanding über den Fortgang des Projekts geschlossen. Darin wurde vereinbart, dass das Unternehmen „eine Lizenzgebühr von fünf Prozent (5 %) auf Bergbauprodukte zahlt (und keine weiteren Gebühren) und nach der Projektzertifizierung 80 Millionen US-Dollar für die Finanzierung von Entwicklungs-, Gemeinschafts- und Sozialprojekten bereitstellt“. In einer früheren Mitteilung hatte Geschäftsführer Mark S. Chalmers gesagt, Toliara könne zum „Kronjuwel“ der Wirtschaft Madagaskars werden. Ob beides zusammenpasst, ist Interpretationssache.
Bergbau in Madagaskar
Das Projekt Base Toliara beinhaltet die Produktion von Schwermineralsanden (HMS: Ilmenit, Rutil und Zirkon) und Monazit-Konzentrat. Wahrscheinlich wird es schwerwiegende Auswirkungen auf die Menschenrechte haben, da der Zugang der lokalen Bevölkerung zu Wasser, Land und Waldressourcen gefährdet wird. Bedrohlich ist darüber hinaus jede Form der Verschmutzung ihrer natürlichen Umwelt.
Gefahr: Radioaktivität
Die mit der Radioaktivität verbundenen Risiken, die von den Ilmenit-, Zirkon- und Rutil-Abbaugebieten in der Region Ranobe ausgehen, geben Anlass zu besonderer Besorgnis. Einer wissenschaftlichen Studie aus dem Jahr 2014 zufolge sind die Uran- und Thoriumemissionen so hoch, dass „ernsthafte Strahlenschutzmaßnahmen” ergriffen werden müssen, um die Arbeiter, die in direkten Kontakt mit den Erzen haben, und die Bevölkerung vor dem Risiko von „Krebs oder angeborenen Erkrankungen” zu schützen. Diese Radioaktivität wird sich auch auf die endemischen Arten und die natürliche Umwelt auswirken.
Eine vom Bergbauunternehmen Base Resources, dem damaligen Eigentümer des Projekts, veröffentlichte Vor-Machbarkeitsstudie bestätigte, dass die Sande in Ranobe Uran und Thorium enthalten. Aufgrund der Radioaktivität können die Produkte nicht in die Vereinigten Staaten und nach Japan exportiert werden.
Dies wurde durch die ebenfalls von Base Resources im Dezember 2023 veröffentlichte Vor-Machbarkeitsstudie zum Monazitabbau weiter bestätigt, die die Radioaktivitätsrisiken für Arbeitnehmer und die Bevölkerung hervorhebt, die „angemessen gehandhabt“ werden müssten.
Was sind Seltene Erden?
Unter dem Begriff Seltene Erden werden 17 Metalle zusammengefasst, die in der Natur häufig zusammen vorkommen. Sie sind entgegen des Namens keine Erden und auch nicht selten, allerdings nur aufwendig zu gewinnen und somit knapp und teuer. Der Abbau schädigt oft die Natur, bei der Aufbereitung können beispielsweise radioaktive Isotope und giftige Abwässer anfallen.
Laut Statista belaufen sich die weltweiten Vorkommen auf mindestens 110 Millionen Tonnen, davon 44 Millionen in China, 22 Millionen in Brasilien, jeweils 21 Millionen in Vietnam und Russland und sieben Millionen in Indien. Aufbereitet wird der Großteil der Seltenen Erden in China.
Halbleiter, Smartphones, Elektroautos – Seltene Erden finden vielfache Verwendung: Europium wird für Fernsehbildschirme gebraucht, Cerium zum Polieren von Glas, Lanthan für Katalysatoren in Benzinmotoren. Mit Neodym und Dysprosium werden Magneten für Off-Shore-Windräder hergestellt. Seltene Erden finden sich auch in Drohnen, Festplatten, Teleskoplinsen, Raketen oder Militär-Jets.
Madagaskars Landbevölkerung
80 Prozent der Bevölkerung Madagaskars leben in ländlichen Gebieten und sind von Subsistenzwirtschaft sowie dem Export von Vanille, Kaffee und Kakao abhängig. Jede Beeinträchtigung der Böden und der Landwirtschaft wirkt sich auf den Zugang zu Nahrungsmitteln aus, insbesondere für Frauen. Dies wird durch die Klimakrise verschärft, die zu intensiven Dürren, Wirbelstürmen und Überschwemmungen führt. Hinzu kommen Bergbauprojekte, die die Böden und die knappen Wasserressourcen weiter degradieren und verschmutzen.