Ein Verband kann einen Spieler ausbooten. Eine Regierung auch. In Gabun hat es die Regierung getan – und Pierre-Emerick Aubameyang zieht daraus die Konsequenz, die er schon einmal gezogen und dann wieder zurückgenommen hat.

Drei Niederlagen und ein Verantwortlicher

Der Ausgangspunkt liegt im vergangenen Dezember. Beim Afrika Cup in Marokko schied Gabun nach drei Gruppenspielen mit drei Niederlagen aus, die letzte gegen die Elfenbeinküste. Ein Turnier, das der Kapitän nach eigener Darstellung verletzt zu Ende spielte.

Was danach passierte, ist der eigentliche Vorgang. Die gabunische Regierung entließ den Trainerstab, setzte die Nationalmannschaft bis auf Weiteres aus und stellte Aubameyang sowie den 38-jährigen Bruno Ecuele Manga kalt. Zwei Spieler, die zusammengenommen den größten Teil der jüngeren Verbandsgeschichte auf dem Platz erlebt haben. Im Land sorgte das für erhebliche Empörung.

Der Satz, der die Sache zusammenfasst

Bestätigt hat Aubameyang den Rückzug in der Sendung „Talent d’Afrique“ beim Sender Canal+. „Sie haben mich gedemütigt und in den Schmutz gezogen“, sagte der 37-Jährige – trotz seines Einsatzes mit Verletzung. Und weiter: „Ich höre lieber hier auf.“

Bemerkenswert ist der Nachsatz. Die Probleme der Mannschaft reichten weit tiefer als seine bescheidene Person, sagte er. Das ist die seltene Variante des Rücktritts, bei der jemand nicht behauptet, unersetzlich zu sein, sondern das Gegenteil – und damit deutlich unangenehmer trifft.

Der zweite Abschied in vier Jahren

Wer den Vorgang für endgültig hält, sollte in die Akten schauen. Im Mai 2022 teilte Aubameyang dem Verband schon einmal schriftlich mit, künftig nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Ein Jahr später lief er wieder auf. Die Nachrichtenagentur dpa formuliert entsprechend vorsichtig von einem vorläufigen Rückzug, während andere Medien schlicht von Rücktritt sprechen.

Die Zahlen, um die es geht: 80 Länderspiele, 40 Tore. Rekordtorschütze der Panther, mit Abstand. Nachfolger Sébastien Migné muss die kommende Afrika-Cup-Qualifikation gegen Marokko, Niger und Lesotho ohne ihn planen – eine Gruppe, in der ein Stürmer mit 40 Länderspieltoren keine Nebensache gewesen wäre.

Und der Klub? Neuanfang mit 37

Sportlich hat Aubameyang parallel den vielleicht letzten Anlauf seiner Karriere in Europa gestartet: von Olympique Marseille zu Deportivo La Coruña, einem Klub, der nach langen Jahren in der Versenkung gerade erst in die Primera División zurückgekehrt ist. Auch das erklärt einiges. Wer mit 37 noch etwas beweisen will, hat wenig Interesse an Interkontinentalflügen für eine Auswahl, die ihn suspendiert hat.

Wer den Sündenbock sucht, findet ihn immer

Es gibt einen Grund, warum dieser Fall über Gabun hinaus interessant ist: Eine Regierung, die nach einem sportlichen Misserfolg per Beschluss Spieler aus dem Verkehr zieht, verwechselt Fußball mit Innenpolitik. Aubameyang hat darauf die einzige Antwort gegeben, die einem Spieler in solchen Verhältnissen bleibt.

Ob es dabei bleibt, weiß niemand, er selbst vermutlich eingeschlossen. Vier Jahre sind eine lange Zeit, und Türen, die zweimal zugeschlagen wurden, sind selten verriegelt. Wer aus Wut aufhört, kündigt selten für immer.