Im Rahmen der Health Security Partnership to Strengthen Disease Surveillance in Africa (HSPA) arbeitet das Robert Koch-Institut (RKI) mit Partnerländern und -institutionen zusammen, um Epidemic-Intelligence-Systeme zu stärken und die frühzeitige Erkennung von sowie Reaktion auf Gefahren für die öffentliche Gesundheit zu verbessern. Im Rahmen des Projekts leitet ZIG1 den Arbeitsbereich Epidemic Intelligence und arbeitet dabei mit Marokko, Tunesien, Südafrika und Namibia zusammen.

Während der ersten Phase von HSPA bildeten länderspezifische Kapazitäts- und Bedarfsanalysen die Grundlage für gemeinsam entwickelte Roadmaps. In Phase II liegt der Schwerpunkt nun darauf, diese Prioritäten in die Praxis umzusetzen. Zwei kürzlich durchgeführte Public Health Intelligence (PHI) Foundations Trainings in Tunesien und Marokko stellten einen wichtigen Schritt bei der Umsetzung der in den jeweiligen Roadmaps identifizierten Maßnahmen zur Stärkung der Kapazitäten im Bereich Epidemic Intelligence dar.

Weiterentwicklung der Public Health Intelligence in Tunesien

Vom 18. bis 22. Mai führten RKI ZIG1 und das tunesische Observatoire National des Maladies Nouvelles et Émergentes (ONMNE) mit Unterstützung des WHO-Regionalbüros für den östlichen Mittelmeerraum (WHO EMRO) sowie des WHO Hub for Pandemic and Epidemic Intelligence ein PHI Foundations Training in Tunis durch.

Foto 1: Teilnehmende arbeiten während des Public Health Intelligence Foundations Trainings in Tunis in Kleingruppen zusammen

Foto 1: Teilnehmende arbeiten während des Public Health Intelligence Foundations Trainings in Tunis in Kleingruppen zusammen

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Eine wichtige Grundlage für das PHI Foundations Training war das innerhalb des PHI Capacity Building and Innovation (PHI-CBI) Projekts veröffentlichte Public Health Intelligence Competency Framework and Curriculum. Diese Publikation wurde gemeinsam vom WHO Hub for Pandemic and Epidemic Intelligence, dem RKI und weiteren globalen Partnern entwickelt. Als kompetenzbasierte Fortbildung orientiert sich das Training direkt an diesem Rahmenwerk. Zur Vorbereitung wurden die Inhalte gemeinsam mit den Partnern an das Public-Health-System Tunesiens, prioritäre Gefahren für die öffentliche Gesundheit, institutionelle Zuständigkeiten, rechtliche Rahmenbedingungen und Governance-Strukturen angepasst. Das Training brachte Fachkräfte aus verschiedenen Institutionen und Disziplinen zusammen, um Ansätze für eine integrierte Surveillance und Reaktion aus einer gefahrenübergreifenden und One-Health-Perspektive zu erörtern.

Foto2: Teilnehmende diskutieren die Ergebnisse einer Gruppenübung während des Public Health Intelligence Foundations Trainings in Tunis.

Foto2: Teilnehmende diskutieren die Ergebnisse einer Gruppenübung während des Public Health Intelligence Foundations Trainings in Tunis. 

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Über das PHI-Grund­curriculum hinaus bot das Programm Gelegenheit, weitere Schwerpunkte zu diskutieren, die für die Epidemic Intelligence in Tunesien von besonderer Bedeutung sind. Am letzten Tag nahmen die Teilnehmenden an einem Workshop zu Epidemic Intelligence from Open Sources (EIOS) teil. Dieser umfasste einen Austausch praktischer Erfahrungen des libanesischen Gesundheitsministeriums (MoPH) und des RKI und wurde vom EIOS Core Team des WHO Hub for Pandemic and Epidemic Intelligence unterstützt. Eine weitere Sitzung unter Beteiligung von WHO EMRO befasste sich mit der Integration ereignisbasierter und indikatorbasierter Surveillance und bot Gelegenheit zu diskutieren, wie diese sich ergänzenden Ansätze im nationalen System zusammengeführt werden können.

Die Beteiligung von Partnern aus Tunesien, dem Libanon, der WHO und dem RKI ermöglichte es den Teilnehmenden, unterschiedliche Ansätze zu vergleichen, praktische Herausforderungen zu diskutieren und von Erfahrungen aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Gesundheitswesens zu lernen.

Stärkung der Public Health Intelligence für eine schnelle Reaktion in Marokko

Ein zweites PHI Foundations Training fand vom 20. bis 24. Juli in Rabat statt. Gastgeber war die marokkanische Direction de l’Epidémiologie et de Lutte contre les Maladies (DELM), unterstützt von WHO EMRO.

Wie in Tunesien wurde das Training an den nationalen Kontext angepasst und orientierte sich am gemeinsam entwickelten PHI Competency Framework. Teilnehmende aus verschiedenen Fachdisziplinen des nationalen Rapid-Response-Teams befassten sich mit zentralen Elementen der Public Health Intelligence und erörterten, wie unterschiedliche Informationsquellen und Surveillance-Ansätze zu einer frühzeitigen Erkennung, Bewertung und Reaktion beitragen können.

Foto3: Teilnehmende bearbeiten gemeinsam eine praktische Public-Health-Intelligence-Übung während des PHI Foundations Trainings in Rabat.

Foto3: Teilnehmende bearbeiten gemeinsam eine praktische Public-Health-Intelligence-Übung während des PHI Foundations Trainings in Rabat.

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Auch der regionale und internationale Austausch war erneut ein wichtiger Bestandteil des Programms. Kolleginnen und Kollegen des ONMNE in Tunesien und des libanesischen Gesundheitsministeriums berichteten über Erfahrungen aus ihren jeweiligen Systemen und stellten damit einen direkten Bezug zu laufenden Epidemic-Intelligence-Aktivitäten in anderen Teilen der Region her. Auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und WHO EMRO brachten praxisbezogene Einblicke in den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Public Health Intelligence ein und schufen damit eine Grundlage für die Diskussion über die Chancen und Herausforderungen neuer analytischer Instrumente.

Diese Beiträge spiegelten ein weiteres Ziel wider, das in den Roadmaps aller Partnerländer verankert ist: die Stärkung von Netzwerken zwischen Institutionen sowie die Schaffung von Möglichkeiten für den fachlichen Austausch zwischen Partnerländern und regionalen und internationalen Organisationen.

Zusammenarbeit im Mittelpunkt der Umsetzung

Die beiden Trainings zeigen, wie die während der HSPA-Phase I entwickelten länderspezifischen Roadmaps in Phase II in konkrete Aktivitäten überführt werden. Obwohl beide Programme auf einem gemeinsamen PHI-Grundlagentraining basierten, spiegelten ihre Ausgestaltung und Schwerpunktsetzung die jeweiligen Prioritäten, Strukturen und Erfahrungen der einzelnen Länder wider.

Foto4: Teilnehmende arbeiten während des Public Health Intelligence Foundations Trainings in Rabat gemeinsam an einer Gruppenübung.

Foto4: Teilnehmende arbeiten während des Public Health Intelligence Foundations Trainings in Rabat gemeinsam an einer Gruppenübung.

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RKI

Zugleich verdeutlichten sie den Mehrwert der Zusammenarbeit zwischen nationalen, regionalen und internationalen Institutionen. Die Beteiligung des tunesischen ONMNE, der marokkanischen DELM, des libanesischen MoPH, von WHO EMRO, des WHO Hub for Pandemic and Epidemic Intelligence, des ECDC und des RKI brachte unterschiedliche operative Erfahrungen und Perspektiven in die Programme ein und schuf zugleich bessere Voraussetzungen für einen kontinuierlichen Austausch über die Trainings hinaus.

Durch diesen kooperativen Ansatz unterstützen die HSPA-Aktivitäten im Bereich Epidemic Intelligence nicht nur den Aufbau fachlicher Kapazitäten, sondern auch eine engere Vernetzung der Personen und Institutionen, die in diesem Bereich tätig sind. Diese Partnerschaften leisten einen wichtigen Beitrag dazu, nachhaltige Systeme aufzubauen, die Gesundheitsgefahren frühzeitig erkennen und bewerten und eine wirksame Reaktion ermöglichen.

Die Aktivitäten wurden durch das Weapons Threat Reduction Program von Global Affairs Canada und die Regierung des Vereinigten Königreichs unterstützt.