Erdgas aus Algerien könnte nach Ansicht von Außenminister Johann Wadephul langfristig dabei helfen, die Gasspeicher in Deutschland zu füllen. „Diversifizierung ist absolut das Gebot der Stunde“, sagte der Politiker am Rande seines Besuchs in dem Maghrebstaat vor Journalisten in der Hauptstadt Algier. Algerien sei ein verlässlicher Partner, der schon heute sehr viel Gas nach Italien und Spanien liefere.
Das nordafrikanische Land gehört nach den Worten Wadephuls zu den wichtigsten Gas-Exporteuren für die EU. Dank des großen Potenzials für die Produktion von grünem Wasserstoff werde seine Bedeutung nochmals zunehmen. Erst im Juli hatten Deutschland und Algerien vereinbart, die Partnerschaft für die Energieversorgung deutlich zu vertiefen.
„Widerstandsfähige Lieferketten“
„Sowohl bei der Sicherung kritischer Rohstoffe als auch bei Fragen der Energiesicherheit brauchen wir zuverlässige Partner und widerstandsfähige Lieferketten, gerade in unserer unmittelbaren Nachbarschaft.“ Im Zentrum seiner Gespräche werde stehen, „dass wir versuchen, langfristige Verträge für Deutschland auszuhandeln“, sagte Wadephul. Wenn das möglich sei, „dann haben wir hier eine weitere verlässliche Quelle, die auch natürlich für unsere Gasspeicher wichtig ist“.
Gasspeicher in Bayern (Archivbild)Bild: Frank Hoermann/SVEN SIMON/picture alliance
Die in Deutschland staatlich vorgegebene Befüllung der Gasspeicher auf 70 Prozent bis Anfang November ist nach Einschätzung aus der Energiebranche kaum mehr zu schaffen. Die Gasspeicher sind derzeit nur etwa zu 50 Prozent gefüllt. Im vergangenen Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 67 Prozent.
„Lage ist angespannter“
Das Bundeswirtschaftsministerium hatte kürzlich erklärt, nach aktuellem Erkenntnisstand sei eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten. Die Lage sei aber angespannter als in den vergangenen beiden Wintern.
Zum Abschluss seines zweitägigen Besuchs in Tunesien und Algerien will Wadephul den algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune zu einem Gespräch treffen. Bereits in Tunesien war der Bundesaußenminister auf höchster politischer Ebene empfangen worden: von Präsident Kais Saied. Das gilt als besondere Auszeichnung für einen Außenminister.
jj/pgr (dpa, afp, rtr)