Der Uhrenproduzent aus St. Veit/Glan will von der wachsenden Mittelschicht in Westafrika profitieren. Ein exquisiter Store in Ghanas Hauptstadt Accra hat schon geöffnet. Weitere sollen foigen. Auch in Mali und Burkina Faso.
Die Luftlinie zwischen St. Veit/Glan und Accra dürfte zirka 4800 Kilometer betragen. So weit reicht die Expansion der Uhrenmarke Jacques Lemans, die nun in einem Einkaufszentrum der Hauptstadt von Ghana ihren ersten eigenen Shop in Westafrika eröffnet hat. „Accra ist das wirtschaftliche Zentrum der Region. Wir beobachten eine wachsende Mittelschicht und damit eine kaufkräftige Konsumentengruppe“, sagt Geschäftsführer Andreas Riedl. „Da wollen wir als Marke natürlich frühzeitig sichtbar sein. Damit die Ghanaer schon von unseren Uhren träumen, bevor sie sie sich leisten können.“
Riedls Einschätzungen beruhen auf strategischer Marktforschung, die das Unternehmen betreibt, um die schwache Konjunktur und damit die Kaufzurückhaltung in Europa mit anderen, neuen Märkten auszugleichen. Das obwohl eine Jacques Lemans-Uhr bzw. generell jede Armbanduhr ein Luxusgut ist: Niemand braucht sie zum Leben. Die Uhrzeit steht am Handy. Recherchiert werden auch die Vorlieben in Sachen Design, Größe und Material in den verschiedenen Absatzgebieten; ebenso die Anlässe, wann eine Uhr geschenkt wird.
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Jacques Lemans-Geschäft in Accra vor der Eröffnung © Jacques LemansZehn Geschäfte in Ghana bis 2027
In Südafrika, Nigeria und der Elfenbeinküste ist Jacques Lemans bereits erfolgreich tätig. Riedl geht davon aus, bis Ende nächsten Jahres zehn Geschäfte in Ghana zu betreiben. Und damit nicht genug. „Von dort aus wollen wir nach Burkina Faso und Mali expandieren.“ Zeit für Afrika also für die international klingende, aber regional ansässige Marke, die Riedls Vater Alfred gegründet bzw. erfunden hat: Von der Produktidee und der Entwicklung bis zum Prototyp und zum Marketing findet alles am Standort St. Veit statt.
Taggenbrunn stärkt Markenidentität
Heuer wird Jacques Lemans weltweit voraussichtlich eine Million Uhren verkaufen. Wie hoch der Umsatz ist, wird nicht bekannt gegeben. Wohl aber, dass er sich heuer abermals um 15 Prozent erhöhen werde – Jacques Lemans wächst gegen den Trend. „Und unser Weingut auf Taggenbrunn, die Taggenbrunner Festspiele, das Uhrenmuseum und unsere prominenten Markenbotschafter haben die Markenidentität gestärkt“, sagt der 26-jährige Geschäftsführer.
© Jacques LemansAndreas Riedl (26) ist seit eineinhalb Jahren Geschäftsführer von Jacques Lemans. Privat spielt er gerne Tennis und Golf und fährt Ski
Aktuell ist Jacques Lemans mit seinen 800 verschiedenen Uhrenmodellen und seinem Schmuck in 127 Ländern vertreten. Vieles läuft über Vertriebspartner. In Österreich sind die Uhren so gut wie in jedem Juweliergeschäft gelistet. 50 Prozent des Umsatzes wird in Europa gemacht, 20 Prozent in Asien, 20 Prozent in Nord- und Südamerika, knapp zehn Prozent in Afrika. Oder anders: 20 Prozent der Uhren werden in Österreich und Deutschland abgesetzt, 80 Prozent gehen in den Export.
Vertriebstochter in Indien gegründet
Der Wachstumskurs beschränkt sich nicht auf Afrika. „Wir haben heuer in Indien eine eigene Firma gegründet, um diesen in sich sehr diversen Markt direkt betreuen zu können“, sagt Riedl. Indien ist generell einer der am stärksten wachsenden Märkte weltweit. Armbanduhren gelten dort als Statussymbol und Wertanlage und haben auch eine kulturelle Bedeutung: Sie sind als Geschenk Bestandteil von Hochzeiten und religiösen Festen und werden auch gerne zum Berufseinstieg verschenkt.