27.08.2026

Zwölf Milliarden Dollar bestehen jeden Realitätstest
Der Bergbau- und Kupferexperte Sam Hosack stellt eine Zahl ins Zentrum seiner Analyse: Seit 2021 haben Barrick Gold, First Quantum Minerals, KoBold Metals, Vedanta und weitere Akteure insgesamt zwölf Milliarden US-Dollar in Sambias Bergbau investiert oder fest zugesagt. Wie Hosack in seiner ausführlichen Analyse „Twelve Billion Dollars Doesn’t Lie“ darlegt, ist das für den erfahrenen Rohstoffmanager die härteste Währung im Standortvergleich.
Denn hier spekulieren keine kleinen Explorer auf den nächsten Sensationsfund. Es sind milliardenschwere Produzenten, internationale Banken und staatlich unterstützte Investoren. Ihre Projekte laufen über Jahrzehnte. Bevor solche Summen freigegeben werden, prüfen ganze Teams die Steuern, Gesetze, Infrastruktur und politische Stabilität eines Landes. Am Ende dieser Prüfungen stand offenbar ein klares Ja zu Sambia.
Karte von Sambia mit Standort des Mumbezhi-Kupferprojekts nahe Solwezi. Quelle: Prospect Resources
Drei Milliardenprojekte senden dieselbe Botschaft
Barrick Gold plant zwei Milliarden US-Dollar für den Ausbau der Lumwana-Mine. Der sogenannte Super Pit soll ab dem ersten Quartal 2028 jährlich 240.000 Tonnen Kupfer produzieren. Die geplante Lebensdauer beträgt 36 Jahre. Ein globaler Bergbaukonzern bindet sich nicht für fast vier Jahrzehnte an einen Standort, dessen Regeln er grundsätzlich misstraut.
KoBold Metals setzt ebenfalls auf Sambia. Das von Bill Gates, Jeff Bezos und BHP unterstützte Unternehmen startete im Mai 2026 die Entwicklung des Mingomba-Projekts. Die zugesagte Investition beträgt 2,3 Milliarden US-Dollar. Damit treffen Technologiekapital aus dem Silicon Valley, Bergbauerfahrung und die Suche nach kritischen Rohstoffen an einem Ort zusammen, den viele Anleger noch immer mit alten Problemen verbinden.
Kapitalinvestitionen in Sambias Kupferbergbau durch Bergbaukonzerne, Technologieunternehmen und staatliche Investoren. KI-übersetzt.
Selbst die Banken gehen mit
First Quantum Minerals verfügt über mehr operative Erfahrung in Sambia als fast jeder andere internationale Produzent. Im Februar 2026 sicherte sich der Konzern neue Darlehen und Kreditlinien über 2,2 Milliarden US-Dollar. Hinzu kamen Anleihen über 1,5 Milliarden US-Dollar mit einer Laufzeit bis 2036. RBC, BMO und Goldman Sachs begleiteten die Finanzierungen.
Bereits im August 2025 hatte Royal Gold eine Milliarde US-Dollar für einen Gold-Liefervertrag mit der Kansanshi-Mine bereitgestellt. Laut Hosack war es die größte Edelmetall-Streaming-Transaktion in Sambias Geschichte. Das Entscheidende daran: Internationale Geldgeber finanzieren nicht nur einzelne Bohrungen. Sie vertrauen auf jahrelange Produktion und verlässliche Lieferungen aus dem Land.
Sambias Steuerwende löste den Investitionsstau
Der Kapitalzufluss kam nicht aus dem Nichts. Hosack verweist vor allem auf eine Reform, die seit Januar 2022 gilt: Bergbauunternehmen dürfen Förderabgaben wieder steuerlich absetzen. Unter der vorherigen Regierung war das nicht möglich. Dadurch stieg die effektive Belastung laut Hosack auf ein Niveau, das große Investitionen wirtschaftlich kaum noch rechtfertigte.
First Quantum hatte den Ausbau der Kansanshi-Mine deshalb rund zehn Jahre verschoben. Nach der Reform kam das Projekt wieder in Bewegung und erreichte im Dezember 2025 die kommerzielle Produktion. Sambia änderte damit nicht nur einzelne Steuersätze. Das Land beseitigte einen Mechanismus, der Milliardeninvestitionen über Jahre blockiert hatte.
Ausgerechnet Chile bewegt sich in die andere Richtung
Auch die Berechnung der Förderabgaben wurde neu geordnet. Früher konnte bereits eine minimale Bewegung des Kupferpreises über einen Schwellenwert den höheren Steuersatz auf den gesamten Umsatz auslösen. Heute greift ein abgestuftes System. Höhere Abgaben werden schrittweise fällig. Für Unternehmen werden Kosten und Renditen dadurch wesentlich berechenbarer.
Hosack stellt dieser Entwicklung Chile gegenüber. Das Land gilt traditionell als bevorzugter Kupferstandort, führte 2023 jedoch eine neue Bergbauabgabe ein, die bis zu 46,5 Prozent der operativen Marge erreichen könne. Während Chile seine Belastung erhöht habe, senke Sambia seine effektiven Kosten. Genau diese gegenläufige Bewegung habe der Markt noch nicht vollständig erfasst.
Neue Regeln sollen politische Eingriffe begrenzen
Seit Juni 2025 entscheidet zudem eine unabhängige Regulierungsbehörde über Bergbaulizenzen und die Übertragung von Förderrechten. Diese Macht lag zuvor beim Bergbauminister. Für Hosack ist die Trennung entscheidend: Investoren sollen weniger davon abhängig sein, wer gerade ein politisches Amt besetzt oder Zugang zu Entscheidungsträgern besitzt.
Auch Umweltverfahren wurden beschleunigt. Seit Januar 2026 gilt für vollständige Umweltverträglichkeitsprüfungen eine Bearbeitungsfrist von 30 Kalendertagen. Zuvor waren 60 Arbeitstage vorgesehen. Schnellere Verfahren garantieren keine Genehmigung. Sie schaffen jedoch etwas, das für Milliardenprojekte fast ebenso wichtig ist: einen verlässlicheren Zeitplan.
Sambias Reformen bei Bergbausteuern, Regulierung und Genehmigungsverfahren. KI-übersetzt.
Mehr Energie für Sambias nächste Kupferprojekte
Hosack zeichnet dennoch kein makelloses Bild. Sambias Stromnetz basierte zu mehr als 85 Prozent auf Wasserkraft. Die Dürre infolge von El Niño führte 2024 zu erheblichen Stromabschaltungen. Für Minen und Verarbeitungsanlagen ist das keine Randnotiz. Ohne stabile Energieversorgung wird selbst das beste Kupfervorkommen zum kostspieligen Problem.
Neue Regeln erlauben Bergbauunternehmen inzwischen, bilaterale Stromverträge über das nationale Netz abzuwickeln. Mehr als 385 Megawatt an Solarprojekten befanden sich laut Hosack in fortgeschrittener Entwicklung oder bereits in der Inbetriebnahme. Trotzdem müssten neue Projekte eigene Solaranlagen oder langfristige Stromverträge von Beginn an als zentrale Investitionsposten einplanen.
Auch der Transport bleibt ein Nadelöhr
Der Lobito-Korridor soll Sambias Kupfergürtel mit dem Tiefseehafen Lobito an Angolas Atlantikküste verbinden. Der angolanische Abschnitt ist bereits in Betrieb. Im Dezember 2025 transportierte er eine Rekordmenge von 37.000 Tonnen. Der sambische Bahnanschluss soll allerdings erst 2030 kommerziell nutzbar sein.
Bis dahin bleibt der Straßentransport unverzichtbar. Entlastung soll ab 2028 der 371 Kilometer lange Mutanda-Kaoma-Korridor bringen. Die neue Verbindung könnte die Entfernung zum namibischen Hafen Walvis Bay um 400 Kilometer reduzieren. Der Infrastrukturausbau ist damit real. Seine volle Wirkung kommt jedoch später als die ersten Milliardeninvestitionen.
Lobito-Korridor verbindet Angola mit Rohstoffregionen der DR Kongo und Sambias. Quelle: European Commission / Global Gateway
Die Karte zeigt den Lobito-Korridor, eine wichtige Transportverbindung im südlichen Afrika. Sie führt vom Hafen Lobito in Angola über zentrale Bergbau- und Industrieregionen der Demokratischen Republik Kongo bis nach Sambia. Eingezeichnet sind bestehende Bahnstrecken und Straßen sowie geplante oder zu modernisierende Verbindungen. Außerdem zeigt die Karte wichtige Grenzübergänge, Logistikstandorte und Städte entlang der Route. Ziel des Korridors ist es, vor allem Rohstoffe aus dem sogenannten Copperbelt schneller und effizienter zum Atlantikhafen Lobito und von dort auf internationale Märkte zu transportieren.
Die Wahl bringt politische Kontinuität
Hosacks Erwartung einer zweiten Amtszeit von Präsident Hakainde Hichilema ist inzwischen eingetreten. Reuters zufolge gewann Hichilema die Wahl vom 13. August 2026 mit rund 60 Prozent der Stimmen. Sein wichtigster Herausforderer Brian Mundubile kam auf etwa 38 Prozent.
Damit kann Hichilema seine Wirtschafts- und Bergbaupolitik bis 2031 fortsetzen. Zu seinen wichtigsten Zielen gehört, Sambias jährliche Kupferproduktion bis zum Ende seiner zweiten Amtszeit auf drei Millionen Tonnen zu steigern. Für Investoren schafft das zunächst mehr Planungssicherheit und stärkt die Aussicht, dass die begonnenen Reformen weitergeführt werden.
Weitere Risiken bleiben bestehen
Auch wirtschaftlich ist Sambia noch nicht über den Berg. Verzögerte Mehrwertsteuererstattungen binden Kapital in den Unternehmen. Bergbaukonzerne exportieren Kupfer zwar zum Nullsteuersatz, müssen auf die Rückzahlung ihrer Vorsteuerguthaben aber teilweise lange warten. Diese Belastung taucht in den offiziellen Steuersätzen kaum auf, kann neue Projekte jedoch spürbar verteuern.
Die Staatsverschuldung lag weiterhin bei rund 85 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zwar waren 94 Prozent der Auslandsschulden umstrukturiert. Doch Sambia blieb ein Schuldner mit B-Rating und entsprechendem Risiko. Die politische Kontinuität nach der Wahl schafft Klarheit. Sie beseitigt jedoch weder finanzielle Schwächen noch operative Herausforderungen.
Unter der Erde liegt Sambias stärkstes Argument
Was sich weder durch Wahlen noch durch Steuerreformen verändert, ist die Geologie. Der zentralafrikanische Kupfergürtel beherbergt einige der größten und hochgradigsten Vorkommen der Welt. Rund 65 Prozent aller neuen globalen Kupferentdeckungen des Jahres 2023 entfielen laut Hosack auf diese Region. Sambia selbst verfüge über etwa 21 Millionen Tonnen wirtschaftlich gewinnbarer Kupferreserven.
Hosack kennt dieses Potenzial nicht nur aus Statistiken. Er arbeitet seit rund 20 Jahren im afrikanischen Rohstoffsektor und leitet heute Prospect Resources. Dessen Mumbezhi-Projekt im Nordwesten Sambias umfasst mehr als 200 Millionen Tonnen Gestein. Es liegt nur rund 25 Kilometer von großen Minen- und Verarbeitungsanlagen entfernt. Geologie und bestehende Infrastruktur treffen hier unmittelbar aufeinander.
Sambia wird zum neuen Kupfer-Favoriten
Sam Hosack hat ein offensichtliches Interesse an einer positiven Bewertung Sambias. Sein Unternehmen, Prospect Resources, entwickelt dort selbst ein Kupferprojekt. Diesen Interessenkonflikt legt er offen. Entscheidend ist deshalb, dass seine Einschätzung nicht auf politischen Versprechen beruht, sondern auf überprüfbaren Entscheidungen: Milliardeninvestitionen, langfristige Kredite, neue Minen und reformierte Regeln.
Sambia bleibt ein Standort mit Stromproblemen, Transportengpässen und finanziellen Risiken. Doch das alte Bild eines kaum berechenbaren Bergbaulandes passt immer schlechter zu den Fakten. Zwölf Milliarden US-Dollar haben diese Risiken nicht beseitigt. Sie zeigen jedoch, dass einige der erfahrensten Akteure der Branche sie längst anders bewerten als der breite Markt.