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Die deutschen Gasspeicher sind deutlich niedriger gefüllt als im Vorjahr. Nun rückt ein nordafrikanischer Lieferant stärker in den Fokus der Bundesregierung.

München – Deutschland sucht im Kampf gegen niedrige Gasspeicherstände nach zusätzlichen Lieferoptionen. Bundesaußenminister Johann Wadephul sieht dabei auch Algerien als möglichen Partner. Bei einem Besuch in Algier sagte der CDU-Politiker, algerische Gaslieferungen könnten „definitiv“ dabei helfen, die deutschen Speicher zu füllen.

Die Speicher sind derzeit nur etwa zur Hälfte gefüllt. Außenminister Johann Wadephul sieht Algerien als möglichen Partner, um zusätzliche Gaslieferungen für Europa zu sichernDie Speicher sind derzeit nur etwa zur Hälfte gefüllt. Außenminister Johann Wadephul sieht Algerien als möglichen Partner, um zusätzliche Gaslieferungen für Europa zu sichern © Michael Brandt/dpa

Für Deutschland kommt die Aussage zu einem heiklen Zeitpunkt. Die Gasspeicher sind derzeit nur etwa zur Hälfte gefüllt. Die staatlich vorgegebene Befüllung auf 70 Prozent bis Anfang November gilt in der Energiebranche inzwischen als schwer erreichbar. Im vergangenen Jahr lagen die Speicher zum gleichen Zeitpunkt noch bei 67 Prozent.

Wadephul setzt auf Gaslieferungen aus Algerien

Wadephul bezeichnete Algerien als „verlässlichen Partner“. Das Land liefere bereits Gas nach Italien und Spanien und könne auch für Deutschland eine größere Rolle spielen. „Sowohl bei der Sicherung kritischer Rohstoffe als auch bei Fragen der Energiesicherheit brauchen wir zuverlässige Partner und widerstandsfähige Lieferketten, gerade in unserer unmittelbaren Nachbarschaft“, sagte der Außenminister.

Deutschland verfügt zwar über keine direkte Pipeline nach Algerien. Zusätzliche Mengen können aber über das europäische Gasnetz und bestehende Verbindungen nach Italien und Spanien indirekt auch anderen europäischen Märkten zugutekommen. Entscheidend wäre deshalb nicht nur eine bilaterale Vereinbarung, sondern die Frage, ob tatsächlich zusätzliche Mengen in das europäische System eingespeist werden können.

Gasspeicher sind nur etwa halb gefüllt

Die niedrigen Speicherstände sorgen seit Wochen für Nervosität. Nach Einschätzung aus der Energiebranche ist die politisch vorgegebene Marke von 70 Prozent Anfang November kaum noch zu schaffen. Dafür müsste Deutschland in den kommenden Wochen deutlich schneller Gas einspeichern als zuletzt.

Das Bundeswirtschaftsministerium verweist dennoch auf eine stabile Versorgungslage. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Versorgungssicherheit in Deutschland gefährdet sei, heißt es aus dem Ministerium. Zuletzt hatten sich die Einspeicherungen nach Angaben des Ministeriums wieder beschleunigt, unter anderem weil sich die Bedingungen auf dem internationalen LNG-Markt verbessert hatten.

Algerien ist wichtiger Gaslieferant Europas

Algerien gehört bereits zu den wichtigsten Gaslieferanten Europas. Nach Angaben der EU-Kommission exportierte das nordafrikanische Land 2025 insgesamt rund 35 Milliarden Kubikmeter Gas per Pipeline und als Flüssigerdgas in die EU. Die Kommission bezeichnet Algerien als bedeutenden und verlässlichen Lieferanten.

Für Europa ist Algerien vor allem wegen seiner geografischen Nähe und der bestehenden Infrastruktur wichtig. Gas aus Algerien fließt bereits über Pipelines in Richtung Südeuropa. Zudem kann das Land Flüssigerdgas exportieren. Für Deutschland könnte Algerien deshalb Teil einer breiteren Strategie werden, die Abhängigkeit von einzelnen Lieferwegen zu verringern und die Versorgung über mehrere Quellen abzusichern.

Bundesnetzagentur nimmt Lage ernst

Die Bundesnetzagentur warnt trotz der derzeit stabilen Versorgungslage vor den vergleichsweise niedrigen Vorräten. Die Speicherstände liegen deutlich unter den Werten der vergangenen Jahre. Die Behörde nimmt die Entwicklung nach eigener Darstellung „sehr ernst“.

Für die Versorgungssicherheit kommt es allerdings nicht allein auf die Speicher an. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Pipelineimporten, LNG-Lieferungen, europäischer Infrastruktur und Gasverbrauch. Ein milder Winter würde die Lage deutlich entspannen. Ein kalter Winter oder neue Störungen auf den internationalen Energiemärkten könnten die Situation dagegen verschärfen.

Speicherstand bleibt Risiko für Verbraucher und Industrie

Für private Haushalte bedeutet der niedrige Speicherstand nicht automatisch eine unmittelbare Gefahr. Die Versorgung gilt nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums derzeit als gesichert. Dennoch können niedrige Vorräte die Preise im Winter anfälliger machen, wenn gleichzeitig die Nachfrage steigt und zusätzliche Lieferungen nur zu höheren Kosten verfügbar sind.

Für die Industrie ist die Lage besonders relevant. Viele Unternehmen sind auf verlässliche Gaspreise angewiesen. Wenn Deutschland zusätzliche Mengen kurzfristig am Markt beschaffen muss, kann das die Kosten erhöhen. Gerade energieintensive Branchen würden steigende Preise schnell spüren. (Quellen: Reuters, Bundeswirtschaftsministerium, Bundesnetzagentur, EU-Kommission) (mare)