Mehr Kakao aus der Elfenbeinküste und wachsende ICE-Bestände drücken die Futures. Ab Oktober steigt zugleich der Fairtrade-Mindestpreis.

Der Kakaomarkt steht unter dem Eindruck der beginnenden Haupternte in Westafrika, was am Terminmarkt zuletzt für Abkühlung sorgte. Am Donnerstag fielen die Kakaofutures um 3,1 Prozent auf 6.078 US-Dollar pro Tonne.

Auslöser war die formale Eröffnung der Saison 2026/27 in der Elfenbeinküste sowie ein Anstieg der bestätigten Angebotsdaten aus der Region. In der Folge kam es zu einer Liquidation spekulativer Long-Positionen durch Händler, die zuvor auf weiter steigende Preise gesetzt hatten.

Deutliches Plus bei Verschiffungen in der Elfenbeinküste

Medienberichten zufolge verzeichnet die Elfenbeinküste, der weltweit wichtigste Kakaoproduzent, einen signifikanten Anstieg der Exportmengen. Bis zum 30. August transportierten die Landwirte des Landes insgesamt 2,14 Millionen Tonnen Kakao zu den Häfen. Dies entspricht einer Steigerung von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Diese Entwicklung belastet die Notierungen, da das Angebot am Weltmarkt schneller wächst als von vielen Marktteilnehmern erwartet.

Parallel zu den laufenden Exporten verfolgt die Regierung der Elfenbeinküste ehrgeizige Pläne zur Modernisierung des Sektors. Bis zur Saison 2026/27 soll die nationale Verarbeitungskapazität von derzeit 650.000 Tonnen auf 1,3 Millionen Tonnen verdoppelt werden. Ziel ist es, einen größeren Teil der Wertschöpfung im eigenen Land zu halten, was langfristig die Dynamik des globalen Rohstoffhandels verändern könnte.

Lagerbestände erreichen Zwei-Jahres-Hoch

Die Entspannung auf der Angebotsseite spiegelt sich auch in den Lagerbeständen wider. Die Vorräte an der Börse ICE stiegen am Dienstag auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 3.411.776 Säcken.

Diese Zunahme der physischen Verfügbarkeit wirkt als zusätzlicher Dämpfer für den Kursverlauf des WisdomTree Cocoa 2x Daily Leveraged EUR, der die Preisbewegungen des Rohstoffs gehebelt abbildet. Am Freitag beendete das Papier den Handel mit einem Schlusskurs von 20,73 Euro.

Dies stellt eine Tagesveränderung von minus 2,0 Prozent gegenüber dem Vortag dar. Damit setzt sich die volatile Phase fort, nachdem die Futures am Dienstag kurzzeitig über die Marke von 6.200 US-Dollar gesprungen waren und damit den höchsten Stand seit Anfang Juli erreicht hatten. Vom 52-Wochen-Hoch bei 54,41 Euro bleibt das Zertifikat damit weit entfernt, der aktuelle Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt minus 62 Prozent.

Neue Preisuntergrenzen ab Oktober

Trotz des aktuellen Verkaufsdrucks blicken Anleger auf den kommenden Monat, in dem strukturelle Änderungen wirksam werden. Fairtrade International hat eine deutliche Anhebung des Mindestpreises für konventionellen Kakao angekündigt. Ab dem 1. Oktober steigt dieser Preis um 45 Prozent auf 3.500 US-Dollar pro Tonne. Dieser neue Preisanker soll die Existenzgrundlage der Bauern in den Anbauregionen sichern.

Für den Markt bedeutet diese Anpassung eine potenzielle neue Untergrenze. Sollte das steigende Angebot aus der neuen Ernte die Preise in den kommenden Monaten weiter drücken, könnte dieser erhöhte Mindestpreis als stabilisierender Faktor fungieren. Marktteilnehmer bewerten derzeit die Balance zwischen den kurzfristig steigenden Lagerbeständen und diesen langfristigen regulatorischen Preisstützen neu.

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