Inkulturation „bedeutet nicht einfach, Elemente der lokalen Kultur in die Liturgie einzuführen, sie erfolgt fast durch Osmose“. Das hat beim laufenden Kurs für Neubischöfe im Vatikan Bischof García Macias betont. Er ist Untersekretär des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung.
Einen Vortrag zum Thema „Diener der Gemeinschaft in der Kirche: Tribalismus, Kastenwesen, Rassismus und exklusiver Regionalismus in der heutigen Kirche“ hat Erzbischof Fortunatus …
Der Spanier sprach im Rahmen einer Fortbildung am 4. September über die liturgische Inkulturation: die Frage, wie Elemente der lokalen Kulturen in die Liturgie einfließen können, sei „kein theoretisches Problem, sondern eine tägliche pastorale Aufgabe“, so der Untersekretär des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung.
Evangelium ist „keine Kultur“
„wenn das gefeierte Geheimnis wirklich auf eine Kultur trifft“
Inkulturation „bedeutet nicht einfach, Elemente der lokalen Kultur in die Liturgie einzuführen“, stellte García Macias klar. Es reiche nicht aus, „ein traditionelles Lied hinzuzufügen, einen Tanz einzuführen, ein lokales Musikinstrument zu verwenden oder einen Text zu übersetzen“. Inkulturation erfolge vielmehr „fast ‚durch Osmose‘“, so der Bischof – „wenn das gefeierte Geheimnis wirklich auf eine Kultur trifft“. Dabei nehme das Evangelium das auf, was in einer Kultur „authentisch menschlich, wahr, gut und schön“ sei, reinige und verwandele sie aber zugleich auch: denn „keine Kultur ist das Evangelium“.
Das gelte für afrikanische, asiatische, lateinamerikanische oder ozeanische Kulturen, „aber auch für die europäische Kultur“, betonte der Vatikanvertreter und erinnerte daran, dass „jede Kultur evangelisiert werden muss. Jede Kultur enthält Samen des Wortes, aber jede Kultur trägt auch die Wunden der Sünde in sich. Deshalb nimmt das Evangelium auf und reinigt, übernimmt und verwandelt, bestätigt und korrigiert, erhebt und fordert, wenn nötig, einen Bruch.“
Bischof ist kein „Liturgiepolizist“
Der Prälat verwies auch auf Risiken im Zusammenhang mit Prozessen der Inkulturation. Inkulturation brauche „Reflexion, Gebet, Erfahrung, Bewertung und Reifung im Glauben“, sie dürfe „nicht improvisiert“ oder allein auf Grundlage der Begeisterung eines Priesters oder einer einzigen gelungenen Feier beschlossen werden. Auch seien unnötige Neuerungen zu vermeiden, die keinen echten Nutzen für die Kirche hätten.
Der Bischof dürfe nicht als „Liturgiepolizist“ aufzutreten, sondern brauche den Mut, „sowohl das zu fördern, was wirklich nützlich ist, als auch das zu bremsen, was noch nicht ausgereift ist“, fuhr er fort. Denn: „Nicht jede Vorsicht ist Angst, und nicht jede Neuerung ist Mut“. Inkulturation könne zu einer der schönsten Formen der Evangelisierung werden, „wenn sie einem Volk ermöglicht zu erkennen, dass Christus ihm nicht fremd ist“, formulierte Bischof García Macias. „Das Evangelium zerstört nicht das, was wahrhaft menschlich ist, sondern führt es zur Vollendung.“
Der diesjährige Fortbildungskurs
In diesem Jahr nehmen 147 neu ernannte Bischöfe aus allen fünf Kontinenten an dem Kurs (2.-10. September) teil, der noch bis kommenden Donnerstag geht. Die Weiterbildung unter dem Titel „Diener der Gemeinschaft in der Kirche“ wurde von den Dikasterien für Evangelisierung und für die Bischöfe organisiert, vorgesehen sind Lehreinheiten in verschiedenen Vatikaneinrichtungen, damit die Neubischöfe kuriale Einheiten und deren Arbeitsweise kennenlernen.
(fides/vatican news – pr)