Prinz Ludwig, am Wochenende findet wieder der Löwenmarsch statt. Die 100 Kilometer von Schloss Kaltenberg ins Ostallgäu haben Sie schon sechs Mal geschafft – in diesem Jahr wollen Sie bei dem Spendenlauf nur eine Teilstrecke mitgehen. Wie kommt’s?

LUDWIG PRINZ VON BAYERN: Letztes Jahr bin ich mitgelaufen, dabei aber regelrecht ins Ziel gehinkt. Ich musste quasi jedes Bein mit den Händen hochziehen, um noch einen Schritt vor den anderen tun zu können. Das war nicht wirklich verantwortungsvoll von mir, so unvorbereitet teilzunehmen. Deshalb trete ich heuer auf der Strecke etwas kürzer und kümmere mich mehr um die Organisation. Als Vorsitzender des Vereins Löwenmarsch e.V. braucht es auch immer einen Ansprechpartner.

Die Entscheidung, nur einen Teil der Strecke zu absolvieren, ist Ihnen bestimmt nicht leicht gefallen.

PRINZ LUDWIG: Es fällt einem schon schwer, vor allem, weil man es seit so vielen Jahren gewohnt ist. Und auch, weil man von allen anderen Mitläufern diesen absoluten Einsatz abverlangt – da will man selber natürlich auch an seine Grenzen gehen. Dieses Mal laufe ich zur ersten Station in St. Ottilien oder bis zur zweiten. Auch in der Nacht will ich ein gutes Stück mitgehen. Die Strecke zwischen Wessobrunn und dem Märchenwald gefällt mir besonders. Eventuell laufe ich auch bis zur Wies.

Insgesamt wären das fast 50 Kilometer. Wenn Sie sich zusätzlich um die Organisation kümmern, hört sich das nicht wirklich weniger anstrengend an als der Marsch an sich …

PRINZ LUDWIG: Schlaf werde ich keinen kriegen. Die 100 Kilometer sind aber schon noch mal eine ganz andere Belastung. Das ist um einiges anstrengender.

Zu den Aufgaben im Hintergrund zählt auch die Verpflegung: Werden Sie im Vorfeld einen Teil der rund 1000 Proviantbrote für die Teilnehmer schmieren?

PRINZ LUDWIG: Das habe ich in der Vergangenheit schon gemacht und werde es auch in diesem Jahr wieder tun. Ich schmiere gerne Brote (lacht).

… und am Ende des Marsches auch im Löwenhof die Medaillen verteilen?

PRINZ LUDWIG: Da werde ich mich mit meiner Frau und meiner Mutter abwechseln. Ich kann leider nicht versprechen, dass ich jedem, der das Ziel erreicht, seine Medaille persönlich umhängen kann. Aber wir werden sehen, dass jeder seine Medaille bekommt.

Im vergangenen Jahr war Ihr kleiner Sohn Prinz Rupprecht zum ersten Mal mit von der Partie. Sie haben ihn auf der ersten Etappe auf Ihren Schultern getragen. Wird der Zweijährige heuer auch wieder am Start sein?

PRINZ LUDWIG: Ja, er wird sicher zu Beginn dabei sein. Mal schauen, wie viele Meter er dann selber mitläuft. Insgesamt machen ja ganz viele meiner Familienangehörigen beim Löwenmarsch mit, ob Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen. Die meisten helfen an den Verpflegungsstationen aus. Und mein Cousin Marcello von Bayern läuft die vollen 100 Kilometer. Für den Support meiner Familie bin ich sehr dankbar.

Sind neben Ihrer Familie eigentlich noch andere bekannte Gesichter an der Strecke?

PRINZ LUDWIG: Wir haben in den vergangenen Jahren ganz bewusst nicht um Prominente geworben. Der Löwenmarsch ist keine elitäre Angelegenheit. Es geht um die insgesamt 800 Menschen, die aus unterschiedlichen Motiven an dem Lauf teilnehmen und eine beachtliche Leistung abliefern.

Mittlerweile gibt es den Löwenmarsch auch in Berlin. Sind weitere Ableger geplant?

PRINZ LUDWIG: Es wird gerade darüber nachgedacht, den Marsch in der Pfalz zu realisieren. Auch für Belgien und die USA gibt es Überlegungen. Wenn wir in zwei Jahren, beim zehnten bayerischen Löwenmarsch, noch mehr Ableger hätten, wäre das schön. Ich finde es einfach eine sympathische Idee, mit den 100 Kilometern gemeinsame Solidarität zu leben – wenn es auch eine drastische Form davon ist. Der Marsch bringt ja jeden Teilnehmer an seine Grenzen. Für viele geht nicht mehr. Das ist schon ein besonderes Zeichen.

Die Spenden fließen alle in das von Ihnen ins Leben gerufene IT-Projekt „Learning Lions“, das jungen Menschen in Kenia eine Ausbildung ermöglicht. Warum ist es wichtig, gerade jetzt gemeinsame Solidarität zu leben?

PRINZ LUDWIG: Wir erleben eine Zeit der Polykrisen. Ob das der Klimawandel ist, der nicht enden wollende Konflikt in der Ukraine oder Probleme in unserem politischen System – die Menschen bewegt aktuell unheimlich viel. Jeder ist dadurch sehr mit sich selbst beschäftigt. An andere Regionen, in denen es zum Teil am absolut Grundlegenden fehlt, denkt man kaum noch. Das gilt auch für das Gebiet um Turkana in Kenia, wo unser IT-Campus steht. Dabei gehört Solidarität einfach zu einer modernen Gesellschaft dazu.

Zur Person

Ludwig Prinz von Bayern ist ein Ururenkel von König Ludwig III. und Initiator des Löwenmarschs. Rupprecht, der Sohn Ludwigs und seiner Ehefrau Sophie-Alexandra, kam 2024 zur Welt.