An den Toren der Sahara hat Marokko eine seiner größten natürlichen Ressourcen, die Sonnenstrahlung, in ein strategisches Element seiner Energiewende verwandelt.
Der Komplex Noor Ouarzazate, der seit 2016 in Etappen eingeweiht wurde, kombiniert thermische und photovoltaische Solarenergie und erreicht eine installierte Leistung von 580 MW.
Seine auffälligste Struktur ist ein 250 Meter hoher Turm, umgeben von Tausenden von Spiegeln. Hinter diesem futuristischen Bild verbirgt sich jedoch eine Technologie, die entwickelt wurde, um eine der großen Grenzen der Solarenergie zu überwinden: das Fehlen von Strahlung während der Nacht.
Noor Ouarzazate: das Solar-Großprojekt Marokkos, das die Hitze der Sahara in Elektrizität umwandelt. Foto: ACWA Power.
Tausende von Spiegeln konzentrieren die Wärme und ermöglichen die Verlängerung der Stromerzeugung nach Sonnenuntergang
Der Komplex besteht nicht aus einem einzigen Kraftwerk, sondern aus einem Ensemble von Anlagen, die in verschiedenen Phasen entwickelt wurden. Noor I und Noor II verwenden solarthermische Technologie, während Noor III den ikonischen Konzentrationsturm einführte und Noor IV mit Photovoltaik-Technologie arbeitet.
Insbesondere Noor III nahm Ende 2018 den kommerziellen Betrieb auf und verfügt über eine Leistung von 150 MW. Seine Heliostaten verfolgen die Sonnenbahn und konzentrieren die Strahlung auf einen Empfänger, der sich oben auf dem Turm befindet.
Anschließend wird die Wärme in geschmolzenen Salzen gespeichert, die es ermöglichen, thermische Energie über mehrere Stunden zu speichern. Auf diese Weise kann das System weiterhin Dampf und Strom nach Einbruch der Dunkelheit erzeugen, wenn herkömmliche Photovoltaik-Module bereits aufgehört haben zu produzieren.
Die Speicherung stellt somit einen der wichtigsten technologischen Vorteile des Projekts dar. Sie ermöglicht es, einen Teil der Solarerzeugung an die Zeiten anzupassen, in denen die Stromnachfrage steigt.
Marokko nutzt seine reichliche Sonneneinstrahlung
Der Bau von Noor war auch eine Antwort auf einen energetischen Bedarf. Marokko verfügt über bedeutende solare und windige Ressourcen, ist jedoch historisch auf Importe angewiesen, um einen Großteil seines Energiebedarfs zu decken.
Daher ermöglicht die Entwicklung erneuerbarer Energien, die Abhängigkeit von den internationalen Preisen für fossile Brennstoffe zu verringern. Darüber hinaus trägt die Ausweitung dieser Technologien zur Diversifizierung der elektrischen Matrix bei und reduziert schrittweise die mit der Erzeugung verbundenen Emissionen.
Derzeit nehmen erneuerbare Energien einen wachsenden Platz innerhalb der installierten elektrischen Kapazität des Landes ein. In diesem Szenario fungiert der Ouarzazate-Komplex als groß angelegtes Demonstrationsprojekt für die Möglichkeiten der Solarenergie in Nordafrika.
Noor Ouarzazate: das Solar-Großprojekt Marokkos, das die Hitze der Sahara in Elektrizität umwandelt. Foto: Ouarzazate.
Ein monumentales Werk, das auch ökologische und technologische Herausforderungen offenbart
Noor erforderte eine Investition von über 3 Milliarden Dollar und eine erheblich komplexere Infrastruktur als die eines konventionellen Photovoltaikkraftwerks.
Darüber hinaus erfordert der Betrieb der thermosolaren Kraftwerke spezialisierte Speicher- und Wartungssysteme. Noor III erlitt 2024 ein Leck in einem seiner geschmolzenen Salzspeicher, das zu einer längeren Unterbrechung führte, jedoch später den Betrieb wieder aufnahm.
Die ökologischen Vorteile der Nutzung der Sonnenenergie der Sahara
Der Hauptbeitrag des Komplexes zur Umwelt ist die Erzeugung von erneuerbarem Strom, ohne direkt von der Verbrennung von Kohle, Öl oder Gas abhängig zu sein. So trägt er zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen des Energiesystems bei.
Darüber hinaus ermöglicht die thermische Speicherung eine bessere Nutzung der verfügbaren Solarenergie und verringert die Notwendigkeit, auf fossile Quellen zurückzugreifen, wenn die Solarproduktion sinkt.
Schließlich zeigt Noor, dass die Energiewende erneuerbare Energien und Speicherung kombinieren kann, um eine kontinuierliche Nachfrage zu decken. In einer Region, die von außergewöhnlicher Sonneneinstrahlung geprägt ist, verwandelt das Projekt die Wüstenhitze in Elektrizität und macht die Landschaft der Sahara zu einem Teil einer langfristigen Energiestrategie.