Am Ende ist es Togo mit seinen rund neun Millionen Einwohnern, das sich die Veränderung der Weltkarte auf die Fahnen schreiben kann. Das kleine westafrikanische Land brachte das Thema im Februar auf die Tagesordnung des Gipfels der Afrikanischen Union in Addis Abeba. Und hat damit am Freitag etwas geschafft, was in der internationalen Diplomatie selten gelingt: fast alle hinter sich zu bringen.

164 Staaten stimmten in der UN-Generalversammlung für die von Togo im Namen der afrikanischen Staaten eingebrachte Resolution „Correct the Map“. Es geht um die Weltkarte aus dem Erdkundeunterricht, von der nur die wenigsten wissen, wie verzerrt sie ist. Auf der seit dem 16. Jahrhundert verbreiteten Mercator-Karte erscheint Afrika ungefähr so groß wie Grönland. Tatsächlich ist der Kontinent rund 14-mal größer. Europa, Russland oder Kanada wirken dagegen erheblich größer, als sie es im Verhältnis zu anderen Weltregionen sind.

Besonders Togos Außenminister Robert Dussey ließ das Thema kaum los. „Ständig“ habe er davon gesprochen, berichtet ein westlicher Beobachter in Lomé, der im Rahmen eines Projekts mit Dussey zusammengearbeitet hat. Dessen Mitarbeiter feiern die jüngste Abstimmung bei den Vereinten Nationen zugunsten von flächendeckenden Projektionen wie der im Jahr 2018 von Kartografen entwickelten Equal-Earth-Karte nun als großen außenpolitischen Erfolg.

Sechs Länder enthielten sich, darunter die Ukraine. Sie unterstützt zwar die maßstabsgetreuere Darstellung Afrikas, kritisiert aber, dass die von Russland annektierte Krim auf einer Karte des Equal-Earth-Projekts farblich vom übrigen ukrainischen Staatsgebiet abgesetzt wird. Kiew fürchtet, solche Darstellungen könnten Russlands Gebietsansprüche indirekt legitimieren.

Nur die USA stimmten dagegen. Washington bestritt die klar ersichtliche Verzerrung der Mercator-Karte nicht, störte sich aber an der politischen Aufladung der Initiative. Statt sich mit „echten Problemen“ von Frieden, Wohlstand und internationalen Beziehungen zu beschäftigen, befasse sich die Uno mit Kartenprojektionen aus dem 16. Jahrhundert, kritisierte die US-Vertreterin Yaryna Ferencevych.

Tatsächlich hatten die Initiatoren die anhaltende Verwendung der Karte als Folge historischer Machtverhältnisse dargestellt. Das ist teils richtig – zur Wahrheit gehört aber auch, dass sie vom flämischen Kartografen Gerardus Mercator für die Seefahrt entwickelt wurde. Sie ermöglicht es Navigatoren ganz pragmatisch, einen konstanten Kurs als gerade Linie einzuzeichnen.

Je näher ein Land an den Polen liegt, desto stärker wird seine Fläche vergrößert dargestellt. Afrika trifft es besonders deutlich. Der Kontinent umfasst gut 30 Millionen Quadratkilometer. Die USA, China, Indien und ein großer Teil Europas würden gemeinsam hineinpassen – und es wäre noch immer Platz. Die Equal-Earth-Projektion bildet die Flächenverhältnisse korrekt ab und versucht zugleich, die vertrauten Formen der Kontinente möglichst weitgehend zu erhalten.

Im Februar hatten sich bereits die 54 Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union hinter die Initiative gestellt. Dort hält man den Schritt für überfällig. „Eine faire Welt beginnt mit einer fairen Karte“, sagte Dussey vor der Abstimmung. Karten seien niemals neutral. Sie beeinflussten, wie Menschen den Platz von Ländern und Kontinenten in der Welt wahrnähmen.

Das bleibt letztlich dann doch jedem selbst überlassen. Denn rechtlich bindend ist die UN-Resolution natürlich nicht.