Das in Lagos gegründete Mobilitätsunternehmen Moove ist zum Unicorn aufgestiegen: Nach einer Finanzierungsrunde über 250 Millionen US-Dollar wird das Startup nun mit 2,1 Milliarden Dollar bewertet. Es ist das elfte „Einhorn“ aus Afrika.
Von Martin Sturmer | 7. September 2026
Oberndorf bei Salzburg (afr) – Als Ladi Delano und Jide Odunsi Moove 2020 in Lagos gründeten, wollten sie zunächst ein alltägliches Problem lösen: Viele Fahrer*innen für Ride-Hailing-Plattformen hatten kaum Zugang zu Krediten für den Kauf eines eigenen Fahrzeugs. Beim Ride-Hailing werden Fahrten über Plattformen wie Uber vermittelt, die Fahrer*innen und Fahrgäste über Apps zusammenbringen.
Moove entwickelte dafür ein Finanzierungsmodell, das unter anderem die tatsächlichen Einnahmen und die Produktivität der Fahrer*innen berücksichtigt. Das Unternehmen startete nach eigenen Angaben mit 76 Fahrzeugen in Lagos.
„Wir sind in Lagos mit einer einfachen Erkenntnis gestartet: Die Nachfrage nach Mobilität ist groß, aber das Angebot kann nicht wachsen, wenn Kapital, Technologie und Betrieb nicht zusammenspielen“, sagt Mitgründer und Co-CEO Ladi Delano anlässlich der jüngsten Finanzierungsrunde. (Quelle: Mubadala)
Sechs Jahre später ist aus dieser Idee ein Unternehmen mit Milliardenbewertung geworden.
250 Millionen US-Dollar frisches Kapital
Anfang August 2026 gab Moove eine weitere große Finanzierungsrunde über 250 Millionen US-Dollar bekannt. Die sogenannte Series-C-Runde richtet sich typischerweise an bereits etablierte Startups, die weiteres Wachstum finanzieren wollen. Die Unternehmensbewertung liegt nun bei 2,1 Milliarden US-Dollar. Damit überschreitet Moove deutlich die Milliardenschwelle, ab der nicht börsennotierte Startups als „Unicorns“ bezeichnet werden.
Angeführt wurde die Finanzierungsrunde vom Staatsfonds Mubadala aus Abu Dhabi. Woven Capital, der Wachstumsfonds von Toyota, und Ion Pacific fungierten als Co-Lead-Investoren. Auch BlueCrest Capital Management und Sona Capital beteiligten sich. Zu den bisherigen Geldgebern von Moove zählen unter anderem Uber, BlackRock und die japanische Finanzgruppe MUFG.
Moove ist damit das elfte von der Nachrichtenagentur afrika.info erfasste Startup, das in einem afrikanischen Land gegründet wurde und eine Milliardenbewertung erreicht hat. Sechs davon wurden in Nigeria gegründet: Jumia, Interswitch, OPay, Flutterwave, Andela und nun eben Moove.
Unicorns in Afrika
afrika.info, Stand: 7. September 2026
Der Aufstieg ist auch deshalb bemerkenswert, weil Moove bei seiner Finanzierungsrunde 2024 noch mit rund 750 Millionen US-Dollar bewertet worden war.
Moove ist inzwischen kein ausschließlich nigerianisches Unternehmen mehr. Der Firmensitz befindet sich heute in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen in 29 Städten in 13 Ländern tätig, betreibt rund 42.000 Fahrzeuge und beschäftigt weltweit mehr als 2.000 Mitarbeiter*innen. Der annualisierte wiederkehrende Umsatz (Annual Recurring Revenue, ARR) soll laut Eigenangaben bei 420 Millionen US-Dollar liegen.
Autonomes Fahren als neues Geschäftsfeld
Das Geschäftsmodell hat sich in den letzten Jahren allerdings deutlich verändert. Die Finanzierung von Fahrzeugen für Ride-Hailing-Fahrer*innen bleibt zwar, doch Moove richtet seinen Blick zunehmend auf eine Technologie, bei der Fahrer*innen überhaupt nicht mehr vorgesehen sind: autonome Fahrzeuge.
Das Unternehmen will einen Teil des neuen Kapitals dafür einsetzen, selbstfahrende Fahrzeugflotten zu finanzieren und zu betreiben. Dazu baut Moove sogenannte „Nests“ – weitgehend automatisierte Betriebszentren, in denen autonome Fahrzeuge geladen, gewartet und für ihren Einsatz vorbereitet werden.
Delano sieht darin einen neuen Infrastrukturmarkt. „Jede große technologische Revolution wird zu einem Wettlauf um Infrastruktur“, erklärte er anlässlich der Finanzierungsrunde. Für autonomes Fahren brauche es neben der Fahrzeugtechnologie unter anderem Flotten, Ladeinfrastruktur, Wartung, Datensysteme und einen Betrieb rund um die Uhr.
Partnerschaft mit Waymo
Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Zusammenarbeit mit Waymo, dem auf autonomes Fahren spezialisierten Unternehmen des Google-Mutterkonzerns Alphabet. Im Rahmen seiner Partnerschaft mit Waymo ist Moove bereits in Phoenix und Miami tätig; ein weiterer Einsatz in London ist angekündigt.
Die neue Finanzierungsrunde soll diesen Bereich erheblich ausbauen. Nach Angaben von Mitgründer Ladi Delano soll das Team um rund 350 Mitarbeiter*innen wachsen.
Damit verschiebt sich die Identität von Moove. Das Unternehmen entstand als Fintech, das Menschen den Zugang zu Fahrzeugen erleichtern wollte. Nun möchte es zu einem wichtigen Dienstleister einer Mobilitätsbranche werden, in der autonome Flotten eine immer größere Rolle spielen könnten.
Für Delano ist das kein Bruch mit der ursprünglichen Idee. „Das ist keine Abkehr von unserer Mission, sondern ihr umfassendster Ausdruck“, sagte er zur neuen Strategie.
Nigeria bleibt wichtiger Startup-Markt
Mooves Milliardenbewertung fällt in eine Phase, in der sich die Finanzierung von Startups in afrikanischen Ländern nach dem deutlichen Rückgang der Jahre 2023 und 2024 wieder stabilisiert hat. Nach den von afrika.info ausgewerteten Daten wurden 2025 insgesamt 3,83 Milliarden US-Dollar in afrikanische Startups investiert – der dritthöchste Jahreswert seit Beginn der Erfassung im Jahr 2015. Seit 2019 entfielen mehr als 80 Prozent der Investitionen auf die “Big Four” – Nigeria, Kenia, Südafrika und Ägypten.
2026 ergibt sich bislang ein gemischteres Bild. Laut der auf afrikanische Startup-Finanzierungen spezialisierten Datenplattform “Africa: The Big Deal” nahmen Startups in afrikanischen Ländern im ersten Halbjahr rund 1,36 Milliarden US-Dollar auf – sechs Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2025. Auffällig war die Konzentration auf wenige große Finanzierungsrunden. Fintech sowie Logistik und Transport vereinten 76 Prozent des eingesammelten Kapitals auf sich.
afrika.info beobachtet seit dem Jahr 2015 die Entwicklung der Startup-Ökosysteme in afrikanischen Ländern. Unser Innovation Scouting erfasst Investitionstrends, wichtige Märkte und Sektoren sowie die Entwicklung der Unicorns. (Ende)
Titelbild: Straßenverkehr in Lagos, Nigeria, mit Wegweisern nach Victoria Island und Ikoyi (Foto: Tolu Owoeye, Shutterstock.com)