Es gibt Dinge, die in ihrem jeweiligen Kontext Sinn ergeben und ihren Platz haben. Wer im Geografieunterricht daran erinnert wurde, „den Atlas net ze vergiessen“, blickte auf die bekannte Mercator-Karte. Die wurde im 16. Jahrhundert für Seefahrer aus dem globalen Norden und Westen entwickelt. Die geraden Linien stellten eine Himmelsrichtung dar, um den Kurs auf hoher See zu bestimmen. Kontinente wie Afrika wurden vergleichsweise klein dargestellt.


Wer sind die eigentlichen Minderheiten? Die neue Weltkarte ist ein erster Schritt


Foto: Handout/Equal Earth/AFP


Nun sind wir im Jahr 2026 – und die meisten von uns keine Seefahrer. Die UN-Generalversammlung hat jetzt für die Förderung von „Equal Earth“ und anderer, realitätsgetreuerer Weltkarten gestimmt – nur die politischen „God’s chosen land“-Vertreter stimmten dagegen. Wie der französische Außenminister Jean-Noël Barrot hinwies, kann keine davon eine Eins-zu-eins-Abbildung sein. Doch zumindest stehen die verschiedenen Flächen eher im Verhältnis zueinander. Afrika wird beispielsweise nicht „größer“ dargestellt, sondern realistischer.

Das könnte ein Anreiz sein, unsere Sicht auf den Planeten zu ändern und unsere Privilegien sowie Konzepte wie „Minderheiten“ zu hinterfragen. Je nach geografischem und kulturellem Kontext haben sie schon ihren Sinn. Man kann vom Durchschnittsbürger reden – nur sollte man sich bewusst sein, dass unsere Vorstellung in einem Land wie Luxemburg weit entfernt von der in anderen Gebieten ist.

Wer von Minderheiten spricht, bezieht sich unter anderem – aber nicht nur – auf ethnische. Doch weltweit ist die große Mehrheit nun mal dunkelhäutig. Weiß ist lediglich eine Minderheit – die eigentliche. Auch LGBT+-Personen sind weiter verbreitet, als man annehmen könnte. Und obdachlose Personen oder jene mit weniger materiellen Privilegien haben mehr Gemeinsamkeiten mit dem Durchschnittsbürger als Millionäre. Das sollten wir im Blick behalten. Flächengetreuere Karten sind ein erster Schritt.

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