Trotz des Punktgewinns gegen die Engländer schob Ghana nach dem torlosen Remis zunächst Frust. Denn Trainer Carlos Queiroz sah einen klaren Elfmeter – doch der VAR blieb stumm. Zu Recht?

Ghana hätte in dieser Szene gerne einen Strafstoß gehabt.
IMAGO/Goal Sports Images
Ghana kann nach dem torlosen Remis gegen England in Boston eigentlich zufrieden sein, ist dem Team von Carlos Queiroz mit vier Punkten vor dem letzten Gruppenspiel gegen Kroatien (Samstag, 23 Uhr, LIVE! bei kicker) das Sechzehntelfinale doch kaum noch zu nehmen. Dennoch schimpfte Queiroz nach dem Spiel über eine Szene aus der 79. Minute. Denn da wollte der Portugiese ein elfmeterwürdiges Foul gesehen haben. Was war passiert? Der eingewechselte Prince Kwabena Adu sprintete nach einem Pass von Abdul Fatawu mit dem Ball auf das englische Tor zu. Im Strafraum wurde er aber entscheidend vom heranspringenden Ezri Konsa gestört, der ihn an der Hüfte trifft und den Ball in der Szene nicht berührt.
Zum Unmut von Queiroz bat der Videoassistent Schiedsrichter Hector Said Martinez aus Honduras nicht, sich die Szene am Spielfeldrand noch mal genauer anzuschauen. „Ich bin mir nicht sicher, ob der VAR bei der Weltmeisterschaft noch funktioniert“, sagte er nach dem Spiel auf der Pressekonferenz. Daran habe er einige Zweifel. Der VAR habe sich „einen Kaffee geholt, was ja normal ist. Aber das war ein klarer Elfmeter und eine Rote Karte“, beschwerte sich Queiroz. Zu Recht?
Grundsätzlich passte es zur großzügigen Linie von Martinez, bei Konsas kompromisslosem Einsatz keinen Elfmeter zu geben, weil es kein klares Foul war und ein Pfiff der großzügigen Gesamtlinie widersprochen hätte. Zudem lässt Queiroz bei seiner Bewertung außer Acht, dass beim Ballgewinn Ghanas Fatawu gegen Eberechi Eze gleichermaßen robust zu Werke ging, seinen Gegenspieler an der Hüfte traf und es bei einer kleinlicheren Linie des Referees dann Freistoß für England in der Hälfte von Ghana hätte geben können.
Willenborg: „‚Soft facts‘ retten den Abwehrspieler“
kicker-Experte Frank Willenborg schätzt die Szene als „heikel“ ein. „Für mich ist das ein Strafstoß, den Konsa verursacht, indem er in den Spieler Adu reinspringt, nicht den Ball spielt und den Schützen dabei hindert, den Ball ordentlich aufs Tor zu bringen. Jetzt kann man sagen: Warum greift der Videoschiedsrichter da nicht ein? Letztendlich fehlt der klare Tritt, der klare Treffer, der klare Stempel. Ich würde sagen, ’soft facts‘ retten den Abwehrspieler.“ Was noch hinzukomme, und „auch da sprechen wir von ’soft facts‘: Der Stürmer versucht, im Liegen noch aufs Tor zu schießen, was ihm auch gelingt. Und so wirkt diese ganze Szene nicht hundertprozentig eindeutig.“
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Letztlich war der Frust aufseiten von Ghana nicht von Dauer, schließlich öffnet der Punktgewinn aller Voraussicht nach die Tür zur nächsten Runde, sodass unter dem Strich der Stolz überwog. Am Ende gab es sogar noch einen Scherz des 73-jährigen Coaches zu notieren: „Man muss einen hohen Preis zahlen, um Punkte zu bekommen. Wahrscheinlich, weil wir in den Vereinigten Staaten sind, wo alles teuer ist.“