Grabkammer in Ägypten zeigt nach 4.400 Jahren noch ihre Originalfarben

(Symbolbild) In der Nekropole von Saqqara haben Archäologen eine Grabkammer aus der späten fünften Dynastie des Alten Reichs freigelegt. Die Mastaba entstand vor rund 4.400 Jahren unter Pharao Djedkare Isesi und diente einem hohen Richter sowie dessen Vater als letzte Ruhestätte. Ihre erhabenen Reliefs zeigen Erntearbeiten und Opferprozessionen und tragen vielfach noch die originale Bemalung. Der Fundplatz war seit dem 19. Jahrhundert bekannt, aber nie wissenschaftlich untersucht worden.

(Foto: © Forschung und Wissen)

In der ägyptischen Nekropole von Saqqara hat eine spanisch-ägyptische Grabungsmission eine rund 4.400 Jahre alte Grabkammer freigelegt, deren Reliefs vielfach noch ihre originale Bemalung tragen. Die Doppelanlage aus der späten fünften Dynastie gehörte einem hohen Richter namens Yunmin und dessen Vater Iti. Das ägyptische Antikenministerium wertet den Fund als wichtigen Beitrag zum Verständnis von Architektur, Kunst und Verwaltung am Ende des Alten Reichs. Bemerkenswert ist auch die Fundgeschichte, denn der Ort war seit dem 19. Jahrhundert bekannt und wurde trotzdem nie erforscht.

Saqqara liegt südwestlich von Kairo und diente der altägyptischen Hauptstadt Memphis über Jahrtausende als Begräbnisstätte. Berühmt ist der Ort vor allem für die Stufenpyramide des Djoser, doch rings um die Pyramiden erstrecken sich ausgedehnte Gräberfelder mit tausenden Mastabas, rechteckigen Flachgräbern aus Stein oder Lehmziegeln, in denen Beamte, Priester und Würdenträger bestattet wurden. Die nun untersuchte Anlage stammt aus der Regierungszeit des Pharao Djedkare Isesi, eines Herrschers der fünften Dynastie, die etwa von 2494 bis 2345 vor Christus dauerte. In dieser Epoche des Alten Reichs erreichte die Verwaltung des Landes eine beachtliche Komplexität, und der Aufstieg fähiger Beamter in höchste Ämter war möglich, wie der neue Fund eindrucksvoll belegt.

Entdeckt wurde die Grabkammer während der Grabungskampagne 2026 auf dem sogenannten Mariette-Friedhof nördlich von Saqqara. Das Gelände trägt den Namen des französischen Archäologen Auguste Mariette, der hier bereits im 19. Jahrhundert Ausgrabungen durchführte. Seither galt der Bereich als bekannt, wurde aber nie nach modernen wissenschaftlichen Standards untersucht und dokumentiert. Genau das holt die gemeinsame Mission der Autonomen Universität Barcelona unter Leitung des Ägyptologen Josep Cervelló und des Obersten Rats für Altertümer nun nach. Ihr erklärtes Ziel ist es, die Topographie der Nekropole zu rekonstruieren und das Gräberfeld als lebendigen Ort zu verstehen, an dem Menschen Opfergaben brachten und über Generationen an Grabbauten arbeiteten.

Eine Grabkammer für Vater und Sohn

Die freigelegte Mastaba ist mittelgroß und besitzt zwei Kultkapellen, die sich zur Ostwand öffnen. Die nördliche Hauptkapelle gehörte Yunmin, der als Richter, Gerichtsvorsteher und Chef der Schreiber für Eingaben und Beschwerden diente und damit zu den ranghohen Justizbeamten seiner Zeit zählte. Die zweite Kapelle war seinem Vater Iti gewidmet, einem deutlich niedriger gestellten Provinzbeamten. Nach Einschätzung der Archäologen spiegelt die Doppelanlage den sozialen Aufstieg der Familie, denn der Sohn eines Provinzbeamten brachte es bis in die Zentralverwaltung und wollte sein jenseitiges Schicksal dennoch mit dem Vater teilen. Die Fassade der Hauptkapelle trägt Totentexte und eine Opferformel, die exakt auf Person und Ämter des Grabherrn zugeschnitten sind, dazu eine offizielle Darstellung Yunmins in würdevoller Pose.

Reliefs mit Farben aus der Zeit der Pharaonen

Als außergewöhnlich gilt der Erhaltungszustand der Dekoration. Die Wände der Kapellen sind mit erhabenen Reliefs von hoher handwerklicher Qualität geschmückt, die Erntearbeiten auf den Feldern sowie Prozessionen mit Opfergaben zeigen und vielfach noch ihre ursprünglichen Farben bewahrt haben, wie das Fachportal Archaeology in seiner Zusammenfassung der Ministeriumsmeldung dokumentiert. Zur Dekoration gehören auch Darstellungen von Eseln und weiteren Tieren des bäuerlichen Alltags. Dass Pigmente aus dem Alten Reich die Jahrtausende überstehen, verdanken sie dem trockenen Wüstenklima und der schützenden Verfüllung der Kammern, die Licht und Feuchtigkeit über 4.400 Jahre weitgehend fernhielt.

Bekannt seit dem 19. Jahrhundert und nie erforscht

Der Generalsekretär des Obersten Antikenrats, Hisham El-Leithy, betonte bei der Bekanntgabe am 7. September, der Fund liefere neue archäologische Daten zur Nekropole von Saqqara in der späten fünften Dynastie und erhelle Baustil, Kunst und Verwaltungsämter dieser Periode. Zugleich verdeutlicht der Fall, wie viel Substanz selbst in vermeintlich abgegrabenen Arealen steckt, wenn moderne Methoden zum Einsatz kommen. Ähnliche Überraschungen liefern historische Stätten weltweit, etwa als eine 1.800 Jahre alte Marmorstatue eines Heilgottes an einem lange bekannten Grabungsort zum Vorschein kam. Die Mission hat die Freilegung und wissenschaftliche Dokumentation beider Kapellen inzwischen abgeschlossen.

Was der Fund über das Alte Reich verrät

Über die Einzelanlage hinaus gewährt die Mastaba Einblick in Gesellschaft und Alltag am Ende des Alten Reichs. Die Ämterlaufbahn Yunmins dokumentiert ein Justizwesen mit spezialisierten Schreibern für Eingaben der Bevölkerung, die Reliefs zeigen die landwirtschaftliche Grundlage des Staates, und die Doppelbestattung erzählt von Familienbindung über Standesgrenzen hinweg. Bei der Kartierung des Umfelds stießen die Forscher zudem auf Spuren von zwei weiteren, bislang unbekannten Mastabas, die in kommenden Kampagnen untersucht werden sollen. Wie gut antike Handwerkskunst die Zeit überdauern kann, zeigte jüngst auch eine nach 2.500 Jahren wie neu glänzende etruskische Bronze. In Saqqara dürfte die systematische Neuvermessung des Mariette-Friedhofs noch für weitere Entdeckungen sorgen.