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Uns auf Google folgenPeter Loewenstein mit den Stolpersteinen seiner Eltern Irmgard und Bernhard.Kam extra aus England zur Verlegung: Peter Loewenstein mit seiner Frau Stella. Das Foto zeigt ihn mit den Stolpersteinen seiner Eltern Irmgard und Bernhard. © Clara Pinto

Rund 300 Menschen kamen zur Verlegung von sechs Stolpersteinen für zwei jüdische Familien aus Weimar. Im Gemeindevorstand hatte es zuvor eine Gegenstimme gegeben.

Ahnatal – Es ist voll an diesem Montagabend an der Ecke 6 in Weimar. Rund 300 Menschen haben sich versammelt, darunter viele Kinder und Jugendliche. Sie stehen neben Kommunalpolitikern, Vertretern der Kirche, Gästen aus England und Südafrika und einem Streifenwagen der Polizei. Warum sie sich an diesem Abend versammelt haben, wird schnell klar werden: In Ahnatal werden die ersten Stolpersteine verlegt, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen.

Zwei Steine sind für Familie Loewenstein bestimmt, vier für Familie Alexander. „Hier mitten in unserem Dorf war ihr Zuhause. Hier gehörten sie dazu“, spricht Klaus Brocke während der Verlegung leise ins Mikrofon. Er ist nicht nur der Organisator der Veranstaltung, sondern auch der Mann, der die Familiengeschichten der jüdischen Familien in Ahnatal recherchiert hat.

Stolpersteinverlegung Ahnatal, Familien Alexander und Loewenstein, organisiert von Klaus Brocke Vier Steine für Familie Alexander liegen jetzt an der Wilhelmsthaler Straße 2. © Clara Pinto

Bernhard Loewenstein wurde 1908 geboren, seine Frau Irmgard 1911. 1933 flohen beide in die Niederlande, 1936 weiter nach Südafrika. Dort wurde 1947 ihr Sohn Peter geboren, der heute in Nottingham lebt, und mit seiner Familie extra für diesen Tag nach Ahnatal gekommen war. Vier weitere Stolpersteine ehren Hugo und Viola Alexander und ihre Kinder Herta und Helmuth. Auch Familie Alexander floh 1933 in die Niederlande. Dort holte sie die nationalsozialistische Verfolgung ein. Hertha überlebte als einzige der Familie Alexander die NS-Verfolgung und konnte nach dem Krieg ein neues Leben in den USA beginnen.

Während Brocke spricht, verlegt Frank-Matthias Mann, an den beiden Häusern der Familien, Ecke 6 und Wilhelmsthaler Straße 2, die messingüberzogenen Steine – einen nach dem anderen. Und immer wieder geht es an diesem Abend auch um die Gegenwart. Es ist der Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, und in fast allen Grußworten fällt der Blick auf das starke Abschneiden der AfD. Dass die Stolpersteine ausgerechnet einen Tag nach der Wahl verlegt werden, wirkt auf viele Anwesende wie ein ironischer Zufall.

Brocke wird dabei deutlich: Auch in Ahnatal gebe es unterschiedliche Auffassungen über die Erinnerungskultur. Im Gemeindevorstand habe es eine Gegenstimme zur Stolpersteinverlegung gegeben. Gerade deshalb müsse Erinnerung mehr sein als ein Blick zurück. (Clara Pinto)