Lionel Messi trägt ein letztes Mal das Trikot Argentiniens, das Land will seinem Helden einen großen Abschied bescheren. Der Gefeierte selbst hegt wohl Zweifel.
Lionel Messi ließ sich nicht lumpen. Edle Riesen-Steaks brutzelten auf dem Grill, am Lagerfeuer schwelgte der Superstar mit seinen Kumpels in Erinnerungen. Mit einem traditionellen Asado, wie es schon sein Idol Diego Maradona liebte, stimmten sich Argentiniens Spieler auf den „letzten Tanz“ ihres „Fußballgottes mit der Nummer 10“ ein.
In der Nacht auf Mittwoch (01.00 Uhr MESZ) ist es soweit, der letzte Vorhang fällt – mit seinem 208. Länderspiel endet die Ära Messi in der Albiceleste endgültig. 85.000 Fans werden im ausverkauften Estadio Monumental in Buenos Aires dabei sein, der Rest der Welt schaut live im TV zu, wenn Messi nach über 20 Jahren gegen den Benin Abschied nimmt. Während die Zeit in der Nationalmannschaft für seinen großen Rivalen Cristiano Ronaldo in einem Drama zu enden scheint, geht Messi als König.
„Das wird für alle ein unvergesslicher Tag. Jeder möchte bei diesem Spiel dabei sein, und jetzt geht es einfach darum, es zu genießen“, sagte Nationaltrainer Lionel Scaloni. 79 Tage nach dem verlorenen WM-Finale gegen Spanien (0:1 n.V.) streift Messi, dessen Vertrag bei Inter Miami noch bis 2028 läuft, ein letztes Mal das himmelblaue Trikot über. Und natürlich kennt ganz Argentinien gerade kein anderes Thema.
Wie ist die Stimmung in Argentinien vor dem Abschiedsspiel von Lionel Messi?
Die TV-Sender zeigen Messis größte Momente, sie erinnern an den WM-Titel 2022, an seine zwei Copa-América-Triumphe, die Zeitungen sind voll mit Lobeshymnen über das Genie am Ball. Clarin schreibt vom „letzten Fußballgott mit der Nummer 10“, La Nacion blickt auf den „letzten Tanz“ als „Tag, der im kollektiven Gedächtnis eines Volkes bleiben wird“.
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Fraglos kann Messi gar nicht genug gefeiert werden. Das gilt für den Fußball an sich ebenso wie für Argentinien, logisch. Doch der „Last Dance“ hat für den Gefeierten selbst offenbar einen faden Beigeschmack. Denn wie die Gazzetta dello Sport berichtet, war Messi gar nicht sonderlich scharf darauf, ein Abschiedsspiel in dieser Form zu bekommen. Stattdessen vermute der 39-Jährige hinter der Idee eher eine gerne genommene Gelegenheit des argentinischen Fußballverbandes AFA, mit seinem Namen noch einmal ordentlich Kasse zu machen, bevor er der Landesauswahl Lebewohl sagt.
Nicht gerade begeistert habe Messi letztlich dann doch zugestimmt. Allerdings hat die aktuelle Länderspielphase auch abgesehen von den Zweifeln des „GOAT“ für Kontroversen in Argentinien gesorgt. Mit Bolivien, Burkina Faso und Benin wurden drei Testspiele gegen vergleichsweise schwache und unattraktive Gegner vereinbart. „Natürlich hätte ich gerne gegen bessere Mannschaften gespielt“, sagte Trainer Scaloni frei heraus.
Warum spielte Burkina Faso mit einer U23 gegen Argentinien?
Nach dem 4:0 gegen Bolivien sorgte das 7:0 gegen Burkina Faso am Samstag für besonders großes Stirnrunzeln, da die Afrikaner mit einer U23-Auswahl gegen den Vize-Weltmeister antraten. Die arrivierten Nationalspieler Burkina Fasos hatten die Partie in Buenos Aires boykottiert, da sie mit dem minimalen Budget, das der argentinische Verband für Anreise und Unterbringung zur Verfügung stellte, nicht einverstanden waren.
Aus diesen Gründen war indes auch kein besserer Testspielgegner als Benin für eine Teilnahme an Messis Abschiedsspiel zu überzeugen. Die Mannschaft des deutschen Trainers Gernot Rohr verzichtet laut Gazzetta auf jegliches Antrittsgeld und gebe sich damit zufrieden, Teil eines historischen Moments der Fußballgeschichte zu sein.
Der argentinische Fußballverband beauftragt aktuell eine kolumbianische Agentur damit, eben solche Testspielgegner zu finden, die keine Bezahlung erwarten und die auch nur minimale Budgets für Anreise und Unterkunft verlangen.
Den skurrilen Begleitumständen zum Trotz ist klar: Mit Messi verabschiedet sich Argentinien von einem Teil seiner eigenen Geschichte, nur zu vergleichen mit dem Karriereende von Maradona. 2005 feierte „La Pulga“ (der Floh) sein Debüt für die Albiceleste, nun geht Messi als Rekordnationalspieler und Rekordtorschütze. In bisher 207 Länderspielen erzielte der 39-Jährige 125 Tore und bereitete 68 Treffer vor. Die Fans erinnern sich an so viele Momente des Glücks mit ihrem Idol.
Wird aus Lionel Messis Abschiedsspiel eine große Show?
„Ich möchte es genießen und ich möchte ihn lächeln sehen“, sagte Torhüter Emiliano Martinez vor dem emotionalen Abend. All die Weltmeister von 2022 werden kommen, es soll Musik-Acts und weitere Shows geben, ein großes Fest werden. Und natürlich wird Messis Familie dabei sein, seine Frau Antonela, seine drei Söhne. Vater Jorge schaut nach seinem Tod aus dem Himmel zu.
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Wie nach dem verlorenen WM-Finale gegen Spanien werden so ganz sicher wieder Tränen fließen. „Ich liebe es, ich habe es geliebt und ich werde es immer lieben, Teil der Nationalmannschaft zu sein“, hatte Messi in seinem emotionalen Brief geschrieben, in dem er sein Karriereende in der Nationalmannschaft bekannt gab: „Danke, Gott, dass du mich zum Argentinier gemacht hast.“
Und so langsam muss sich das Land auf die Zeit nach Messi vorbereiten. „Wir werden die Nummer 10 niemandem geben, bevor Leos Abschiedsspiel stattgefunden hat“, sagte Scaloni: „Danach werden wir sehen. Als Mannschaft werden wir versuchen, die Lücke zu schließen, die Leo hinterlässt“. Messi wird dann als Fan anfeuern. „Jetzt werde ich einer von euch“, kündigte er bereits an.