Im Grassi Museum für Völkerkunde in Leipzig sind fünf Benin-Bronzen ausgestellt – rund 500 Jahre alt und von hohem kulturellem Wert. Diese stammen aus einer Sammlung, die britische Soldaten nach einem Massaker in Benin City mitnahmen. Viele dieser Objekte gelangten über Auktionen in Museen weltweit.
Juliane Heinze, die sich mit Rückgaben von Raubkunst beschäftigt, erklärt, dass sich aktuell noch 259 Objekte in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden befinden. Drei wurden bereits vor drei Jahren zurückgegeben – seitdem gab es keine weiteren Rückgaben. Heinze verweist auf das Auswärtige Amt – das führe die Verhandlungen mit Nigeria. „Aus meiner Erfahrung ist das ein sehr langwieriger Prozess. Es braucht sorgfältige Verhandlungen, eine vertrauensvolle Beziehungspflege – und auch die Partnerländer müssen sich mit der Situation auseinandersetzen und sich entsprechend vorbereiten“, sagt Heinze.
Befürchtung: Bronzen verschwinden in privatem Palast
Doch es gibt Hinweise, dass andere Gründe die Rückgabe verzögern. Ein Wendepunkt war 2023, als der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari einige zurückgeführte Bronzen direkt dem Oba von Benin, das traditionelle königliche Oberhaupt der Region übergab, sagt der Afrikawissenschaftler Jürgen Zimmerer von der Universität Hamburg. Das führte zu Kritik, da befürchtet wurde, die Kunstwerke könnten im privaten Palast verschwinden. Laut Zimmerer hat dies die Rückgabebereitschaft von kolonialen Objekten politisch gebremst.
Sachsen weiß nicht, wo Bronzen sind
In Sachsen scheint das Interesse an einer aktiven Zusammenarbeit mit Nigeria gering. Bemerkenswert: Die Kunstsammlungen wissen nicht, wo sich die drei bereits zurückgegebenen Bronzen aktuell befinden. Das Museum of West African Art (MoWAA) in Nigeria teilte auf MDR-Anfrage mit, dass derzeit keine Ausstellungen geplant seien – weder mit Bronzen, die Sachsen zurückgegeben hat, noch mit anderen Bronzen.
Zimmerer spricht von einem unausgereiften Prozess. „Man sieht jetzt das Ergebnis, dass das Museum eröffnet, ohne seinem eigentlichen Zweck gerecht zu werden, nämlich Benin-Bronzen auszustellen.“ Wo werden die Bronzen aus Sachsen künftig landen? Der Oba von Benin kündigte inzwischen ein eigenes Museum an, in dem die Bronzen möglicherweise künftig gezeigt werden.