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Oslo (Norwegen) – Überraschung in Oslo! Der Nobelpreis geht an Navanethem Pillay (85). Die südafrikanische Juristin half bei der Aufklärung des Völkermords in Ruanda 1994 und kämpfte gegen das Apartheids-Regime in Südafrika.

Navanethem „Navi“ Pillay verteidigte als Anwältin in Südafrika zunächst Gegner des Apartheid-Systems. Bis 1994 unterdrückte dort das Regime der weißen Minderheit schwarze Menschen. Zu ihren Mandaten gehörte auch der spätere Präsident Nelson Mandela (†95). Später wurde sie Richterin an internationalen Gerichten. Als besonders herausragend gilt ihre Arbeit am UN-Tribunal für Ruanda. Sie arbeitete an Urteilen mit, die Vergewaltigungen erstmals ausdrücklich als Mittel des Völkermords anerkannten. Als UN-Hochkommissarin für Menschenrechte (2008 bis 2014) kritisierte sie Menschenrechtsverletzungen weltweit.

Ganz unumstritten ist Pillay nicht: Ihr wird seit Jahren vorgeworfen, voreingenommen gegen Israel aufzutreten. In einem ihrer UN-Berichte zum Krieg in Gaza wurden so die Terrorakte der Hamas kaum erwähnt, das israelische Außenministerium nannte den Bericht einen „fake report“.

Vor der Bekanntgabe des Friedensnobelpreises galten zwei Anti-Kreml-Aktivisten als aussichtsreichste Kandidaten: der ukrainische Kinderrechtsaktivist Mykola Kuleba (54) und die russische Oppositionelle Julia Nawalnaja (50). Kuleba, Gründer und Leiter der Hilfsorganisation „Save Ukraine“, setzt sich seit Jahren für die Rückholung ukrainischer Kinder ein, die nach Russland verschleppt wurden.

Nawalnaja prangert regelmäßig die grassierende Korruption des Putin-Regimes an. Sie ist die Witwe des Kremlkritikers Alexej Nawalny (†47), der 2024 unter ungeklärten Umständen in russischer Haft starb.

Der Vorsitzende des Komitees, Jorgen Watne Frydnes (41), gab am Vormittag den Sieg Pillays bekannt

Der Vorsitzende des Komitees, Jorgen Watne Frydnes (41), gab am Vormittag den Sieg Pillays bekannt

Foto: IMAGO/NTB

Hunderttausende Tote in Ruanda nach rund 100 Tagen

Der Völkermord in Ruanda begann im April 1994 und zählt zu den schlimmsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Innerhalb von rund 100 Tagen ermordeten extremistische Hutu-Milizen sowie Angehörige von Armee und Regierung schätzungsweise 800.000 Menschen, vor allem Angehörige der Volksgruppe der Tutsi, aber auch gemäßigte Hutu. Zur Aufarbeitung der Verbrechen richteten die Vereinten Nationen das UN-Tribunal für Ruanda ein.

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Zur Auswahl standen in diesem Jahr 287 Nominierte, darunter 208 Personen und 79 Organisationen. Der Preis ist mit 1,06 Millionen Euro dotiert.