Eine Eckfahne des FC Barcelona im Estadi Olímpic

Stand: 23.07.2025 • 10:45 Uhr

Die Demokratische Republik Kongo ist eines der ärmsten Länder der Welt. Trotzdem wird die Regierung nun zig Millionen an die AS Monaco, die AC Mailand und den FC Barcelona zahlen. Die Sponsoringgeschäfte sind Teil eines Konflikts.


Chaled Nahar

„DR Kongo – das Herz Afrikas“ wird in der kommenden Saison in der Ligue 1 und in der Champions League auf einem Trikotärmel der AS Monaco stehen. Der französische Klub verspricht in einer Mitteilung, Talente in dem zentralafrikanischen Land zu fördern. Zudem sollte die DR Kongo von der „internationalen Medienpräsenz der AS Monaco“ profitieren, indem das Image des Landes gefördert werde.

Bei der AC Mailand wird das Tourismusministerium der DR Kongo ein sogenannter „Premiumpartner“. Der Klub verkündete, dass er Anreize für Investitionen und Geschäftsmöglichkeiten anstoßen wolle. Milans Präsident Paolo Scaronin sagte der Mitteilung zufolge, sein Klub wolle „zu den Entwicklungsplänen der Demokratischen Republik Kongo im wirtschaftlichen und sozialen Bereich beitragen“. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge wird nun auch der FC Barcelona als ein weiterer prominenter Klub ein Sponsoring mit der DR Kongo eingehen.

Millionen Menschen leben in Armut, Millionen Euro gehen an Fußballklubs

Der Kontrast zu den Millionengeschäften im Profifußball: Die DR Kongo ist eines der ärmsten Länder der Welt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bezeichnet das Land als „wirtschaftlich völlig ruiniert“. Bei der Gesundheitsversorgung sind die Menschen auf Unterstützung von Hilfsorganisationen oder Kirchen angewiesen. Die Wasser- und Stromversorgung ist mangelhaft. Von den 110 Millionen Menschen im Land leben rund 70 Prozent in absoluter Armut, sie müssen mit weniger als 2,15 US-Dollar pro Tag auskommen. Obwohl das Land reich an Rohstoffen ist, kommt davon kaum etwas bei der breiten Bevölkerung an.

Bittere Armut prägt die DR Kongo – hier sammeln Kinder 2024 Müll.

Gleichzeitig wird die Regierung der DR Kongo nun Millionenbeträge in Fußballsponsoring stecken. Reuters berichtet unter Berufung auf Vertragsinhalte von mindestens zehn Millionen Euro pro Saison, die vier Jahre lang an den FC Barcelona gehen sollen. Die AS Monaco erhält 1,6 Millionen Euro pro Saison, sagte Sportminister Didier Budimbu der Nachrichtenagentur zufolge. Die Höhe der Zahlungen an die AC Mailand sind nicht bekannt.

Konflikt mit Ruanda spiegelt sich im Sport wider

Die Sponsorenverträge wirken im Kampf um Aufmerksamkeit wie eine Reaktion auf die Sponsoringgeschäfte des Nachbarlandes Ruanda. Bayern München, Paris Saint-Germain und der FC Arsenal werben für Tourismus in Ruanda. Die Fußballsponsorings spiegeln den Konflikt beider Länder wider. Der Profifußball bietet beiden Staaten eine Plattform, wahrgenommen zu werden.

Seit mehr als zehn Jahren kämpft die Rebellengruppe „M23“ im Osten der DR Kongo gegen die Zentralregierung. Ruandas Regierung wird von den Vereinten Nationen vorgeworfen, die Rebellen finanziell und militärisch zu unterstützen. Ruandas Präsident Paul Kagame baue demnach gemeinsam mit den Rebellen wertvolle Rohstoffe wie Gold und Coltan im Osten der DR Kongo ab. Coltan wird beispielsweise bei der Herstellung von Mobiltelefonen und Laptops benötigt. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte die Rebellengruppe auf, die eroberten Gebiete zu verlassen.

Zuletzt hatten die DR Kongo und die Rebellen einen Waffenstillstand vereinbart, der im August in Kraft treten soll. Zuvor unterzeichneten Kongo und Ruanda ein von den USA vermitteltes Friedensabkommen. 

In einem gemeinsamen Entschließungsantrag hatte das Europäische Parlament deshalb gefordert, Ruanda die Straßenradsport-WM zu entziehen, die im September dort stattfinden soll. Der Weltverband hält an Ruanda als Ausrichter fest.

Ruandas Präsident Paul Kagame

Außenministerin der DR Kongo kritisiert Klubs für Geschäfte mit Ruanda

Außenministerin Thérèse Kayikwamba Wagner aus dem DR Kongo sprach im Mai mit Blick auf die Verträge der Klubs mit Ruanda von „blutbefleckten“ Geschäften. „Die Klubs sollten sagen, wie sie dazu stehen, dass sie in einer Partnerschaft mit einem Land sind, das andere Länder angreift und eben dazu führt, dass hunderttausende von Kindern und auch Frauen und Männer um ihr Leben bangen müssen“, sagte sie im Gespräch mit der Sportschau.

Thérèse Kayikwamba Wagner, Außenministerin der DR Kongo

Im Februar 2025 kündigte Jan-Christian Dreesen, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, an, die Partnerschaft überprüfen zu wollen. Auf eine Nachfrage der Sportschau, was aus den Prüfungen geworden ist, antwortete der FC Bayern nicht.

Schriftzug „Visit Rwanda“ im Stadion des FC Bayern