Das im Rahmen des Interreg Next-Programms Italien-Tunesien geförderte Projekt Climed ist Teil der breiteren europäischen Debatte über territoriale Zusammenarbeit. Es nahm an der Veranstaltung „Synergien und Komplementaritäten verbinden Europa“ teil, die gestern und heute in Grado stattfand. Die Initiative bot Institutionen, Experten und Interessengruppen die Möglichkeit, die Stärkung von Synergien zwischen europäischen Programmen zu erörtern, insbesondere im Hinblick auf Klimaanpassungsstrategien und den Schutz von Ökosystemen. In diesem Kontext erweist sich Climed als beispielhaftes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen den beiden Mittelmeerküsten und trägt zur Debatte über eine effektivere und besser koordinierte europäische Umweltpolitik bei. Das Projekt zielt darauf ab, Küsten widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen und sie entsprechend vorzubereiten. Dazu greift es in den Meeres- und Küstenschutzgebieten von Plemmirio (Italien) und Kerkennah (Tunesien) ein. Der Ansatz ist einfach: Natur und Bevölkerung schützen. Meeresgebiete werden so zu natürlichen Lösungen gegen Küstenerosion, während das Projekt die lokale Bevölkerung bei der Entwicklung nachhaltiger Wirtschaftstätigkeiten und neuer lokaler Chancen unterstützt.

Im Rahmen der thematischen Sitzung zur grünen und blauen Infrastruktur für die Biodiversität trug das Projekt zu den Herausforderungen bei, denen sich Küsten- und Inselgebiete gegenübersehen, die zunehmend den Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt sind. Der Referent war Sabrina ZappalàDer Leiter des technischen und Planungsbüros des Meeresschutzgebiets Plemmirio erläuterte die wichtigsten Maßnahmen von Climed. Dazu gehören die Überwachung der Auswirkungen des Klimawandels auf marine Lebensräume, die Stärkung der Zusammenarbeit im Mittelmeerraum und die Förderung des Austauschs wissenschaftlicher Daten, Fachkenntnisse und bewährter Verfahren zwischen den beteiligten Partnern.

In diesem Kontext tritt die strukturelle Dimension der gemeinsamen Herausforderungen Europas und Tunesiens, die durch das geschlossene und sensible Ökosystem Mittelmeer verbunden sind, deutlich hervor. Marine Dynamiken – von Strömungen über wandernde Arten bis hin zur Ausbreitung von Schadstoffen – überschreiten politische Grenzen und machen das Management von Küsten und Meeresschutzgebieten untrennbar miteinander verbunden. Die Erwärmung des Mittelmeers, die über dem globalen Durchschnitt liegt, verstärkt Phänomene wie den Anstieg des Meeresspiegels, extreme Sturmfluten und Küstenerosion mit deutlichen Auswirkungen in sensiblen Gebieten wie dem Golf von Gabès im Südosten Tunesiens oder dem Po-Delta in Italien. Hinzu kommen die Versauerung der Ozeane und marine Hitzewellen, die das ökologische Gleichgewicht gefährden.

Gleichzeitig stellt die Ausbreitung invasiver Arten – begünstigt durch den Schiffsverkehr und den Ausbau des Suezkanals – eine wachsende Bedrohung dar: Ein Beispiel hierfür ist die Blaukrabbe (Callinectes sapidus), die die traditionelle Fischerei und die Biodiversität an den tunesischen und europäischen Küsten gefährdet. Darüber hinaus leidet das Mittelmeer aufgrund seiner halboffenen Lage und der langsamen Wassererneuerung unter anhaltender Verschmutzung mit erheblichen Plastikablagerungen und Risiken durch chemische und landwirtschaftliche Verschmutzungen. Im Bereich der Meeresschutzgebiete bestehen weiterhin kritische Probleme bei deren Management. Oftmals mangelt es an ausreichenden Ressourcen und einer echten ökologischen Vernetzung, während Überfischung, illegale Fischerei und der zunehmende menschliche Druck durch Tourismus und Urbanisierung die Widerstandsfähigkeit der Küstenökosysteme weiterhin bedrohen.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Entwicklung adaptiver Managementstrategien für die marine Biodiversität, die als unerlässlich für die Bewältigung von Phänomenen wie dem Anstieg des Meeresspiegels, der Küstenerosion und dem Verlust von Lebensräumen gelten. Climed versteht sich daher nicht nur als Plattform für Forschung und Austausch, sondern auch als operatives Labor zur Entwicklung von Modellen, die sich im Einklang mit den Zielen der Europäischen Union (EU) für Klimaresilienz und ökologische Nachhaltigkeit auf andere Mittelmeerräume übertragen lassen. Die Veranstaltung in Grado wird heute mit weiteren Sitzungen zur Zukunft der territorialen Zusammenarbeit in Europa fortgesetzt und bekräftigt die zentrale Rolle der Interreg-Programme bei der Förderung von Integration und gemeinsamer Entwicklung. In diesem Zusammenhang bekräftigt Climed sein Engagement für eine besser koordinierte Umweltpolitik und ein resilienteres Mittelmeer, das gemeinsam die Herausforderungen des Klimawandels bewältigen kann.

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