Wenn wir uns aufeinander einlassen, passiert Magie. Dies ist Susan Omondis Leitspruch – und ihre Lebenserfahrung. Seit fast 30 Jahren lebt sie in Deutschland. „Ich wollte mal etwas anderes sehen. Es gibt mehr als das, was ich kenne“, blickt sie zurück. In Konstanz hat sie studiert und in dieser Zeit auch ihren Mann kennengelernt. Dann verschlug es die Betriebswirtschaftlerin mit ihrer Familie nach Singen. „So weit wollte ich von Konstanz nicht weg“, sagt sie und lacht.
Stadt hat gute Infrastruktur
Singen habe in Konstanz zwar keinen allzu guten Ruf. Aber sie habe sich bewusst für die Stadt unter dem Hohentwiel entschieden. Sie wandert gerne durch die Gegend. Von der Nordstadt über den Hohentwiel. An Singen gefällt ihr neben der Natur auch, dass Menschen sich grüßen – auch wenn sie sich gar nicht kennen. Und auch die Infrastruktur findet sie gut: Bahnanschluss, Fahrradwege oder Autobahn.
Zur Serie
56 Prozent der Singener haben Migrationshintergrund und viele unterschiedliche Lebenswege. Der SÜDKURIER möchte einige vorstellen. In der Serie „Mit 80¦Menschen um die Welt“ sollen Menschen zu Wort kommen, die aus dem Ausland nach Singen gekommen sind. Wie macht man mit bei „Mit 80¦Menschen um die Welt“: Sie leben in Singen und kommen aus einem Land, das in der Serie „Mit 80¦Menschen um die Welt“ noch nicht vorgestellt wurde? Oder kennen Sie jemanden, auf den das zutrifft? Wenn Sie oder Ihre Bekannte/Ihr Bekannter sich vom SÜDKURIER interviewen lassen möchten, dann wenden Sie sich gerne an die Singener Lokalredaktion der Tageszeitung, Telefon 07731/83056642, oder direkt per E-Mail an: singen.redaktion@suedkurier.de (zel)
Ihre Heimat Kenia ist kein homogenes Land. Die fast 58 Millionen Einwohner unterteilen sich in 47 halbautonome Gebietskörperschaften, sogenannte Counties. Die Fläche des Landes ist etwa anderthalbmal so groß wie Deutschland. Kenia grenzt im Südosten an den Indischen Ozean. Nachbarländer sind Somalia, Äthiopien, Südsudan, Tansania und Uganda.
Feiertag fürs Fastenbrechen
Zwei Besonderheiten gibt es in Kenia zu den Feiertagen. Wenn die Moslems ihr Fastenbrechen feiern, wie in diesem Jahr gerade am Wochenende, gibt es einen Feiertag fürs ganze Land – obwohl die Mehrheit christlich sei. Und eine weitere Besonderheit: Wenn ein Feiertag in Kenia auf Sonntag fällt, dann wird er auf Montag verschoben. „Denn der Sinn von einem Feiertag ist ja, dass Menschen freihaben“, so Omondi.
Das Fremdsein sieht sie als Chance
Susan Omondi mag Menschen und ihre Geschichten – und wie sich Verschiedenheit erkennen, schätzen und nutzen lässt. Schönes und weniger Schönes. So viel, dass sie es aufgeschrieben und zwischen zwei Buchdeckel gepackt hat: „Ich, Du, Wir & Vielfalt“ heißt ihr Werk, das über 300 Seiten dick vor drei Jahren erschienen ist und auf Amazon 43 Bewertungen bekommen hat – davon geben 95 Prozent der Leser mit fünf Sternen die Bestnote. Mit ihrem Thema Fremdheit – und der Frage, wie Begegnung gelingt – passt sie in die Serie „Mit 80 Menschen um die Welt“, so wie eine Kenianerin ins multikulturelle Singen passt.

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Der Hohentwiel ist ein beliebtes Ziel für die Spaziergänge von Susan Omondi.
Foto: Florian Dehm
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Der Hohentwiel ist ein beliebtes Ziel für die Spaziergänge von Susan Omondi.
Foto: Florian Dehm
„Wenn wir nicht darüber reden, dass Fremdsein auch eine Chance ist, uns selbst und Neues kennenzulernen, dann können wir nicht voneinander lernen“, sagt sie. Sie hat Ablehnung am eigenen Leib erlebt. Mit dem Nachnamen Omondi sei es schwierig, eine Wohnung zu finden.
Wohnungssuche gestaltet sich schwierig
Ein Vermieter habe ihr einmal direkt gesagt: Nein, an Ausländer vermiete er nicht. „Das hat mich zwar vor den Kopf gestoßen – aber ich schätze auch diese Ehrlichkeit“, blickt sie zurück. Ob es in den vergangenen 30 Jahren leichter oder schwerer geworden sei, eine Wohnung zu bekommen, wenn jemand Omondi mit Nachnamen heißt, dazu will sie keine pauschale Antwort geben. Menschen seien verschieden. Die Persönlichkeit überwiege immer den kulturellen Hintergrund, so ihre Überzeugung. Und es kommt auf den einzelnen Menschen an. Was sich aber auf jeden Fall in den vergangenen drei Jahrzehnten geändert habe: Heute könne offen gesprochen werden.
Deutsche Gründlichkeit und kenianische Improvisation
Überhaupt möchte sie, dass die Gesellschaft offen bleibe, wenn man Menschen begegne. Schließlich kann jeder von uns, ob neu hier oder einheimisch, einen Beitrag leisten. „Ich habe auch schon oft Menschen in Schubladen gesteckt“, räumt sie ein. So habe sie erlebt, dass so mancher Deutsche offener ist, als sie vermutet hatte – und sie sich manchem Deutschen näher fühlte als so manchem Kenianer: „Denn am Ende zählen die Werte, die uns verbinden.“ An Deutschland gefällt es ihr, dass Dinge solide gemacht werden. Das heißt, Straßen und Häuser werden gleich so gebaut, dass auch die Nachwelt sie noch nutzen kann. Auch die Zuverlässigkeit gefalle ihr: Wenn wir uns verabreden, sind wir pünktlich. An Kenia gefällt ihr dagegen die Fähigkeit, zu improvisieren. Wenn in Deutschland eine Anleitung nicht funktioniert und jemand aufgeben will, werde in Kenia eben ein anderer Lösungsweg gesucht.

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Am Kilimandscharo verläuft die Grenze zwischen Kenia und Tansania.
Foto: Kenia Tourist Board
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Am Kilimandscharo verläuft die Grenze zwischen Kenia und Tansania.
Foto: Kenia Tourist Board
Und was sind die Unterschiede unter den Afrikanern? Auch hier sei die Persönlichkeit wichtiger als das Land, aus dem jemand stamme. Ihre Geschwister sind auf der ganzen Welt verteilt: Kenia, New York, Finnland, Tansania und Katar. Omondis Schwester aus Tansania berichtet, dass dort über die Kenianer gesagt werde, sie seien gebildeter und selbstbewusster als andere Afrikaner.
Schwarztee als Mitbringsel aus der Heimat
Ob das stimmt, weiß Omondi nicht. Aber bald werde ihre Mutter 80 Jahre alt – da will Omondi das nächste Mal nach Kenia fliegen. Und wenn sie zurückkommt, darf eines nicht fehlen: Eine Packung Schwarztee, direkt aus Kenia. Wichtig: lose, nicht in Beuteln verpackt.
Ihr Buch: Susan Omondi erzählt in „Ich, Du, Wir & Vielfalt“ 47 magische Wege, wie Einheimische und Nichteinheimische einander begegnen.
Uli Zeller
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