Seit es das Gesetz gibt, kämpft auch die Zivilgesellschaft in Niger ums Überleben. Den NGOs fehlt Geld, um sich weiterzubilden, zu recherchieren, zu dokumentieren, Computer zu kaufen, auch Anti-Spy-Technik. Ohne das können sie weder Missstände publik machen noch auf nationaler sowie EU-Ebene Lobbyarbeit für eine menschengerechte Migrationspolitik machen. Ihnen fehlt aber auch Geld, um Aktivist:innen an entlegene Einsatzorte zu bringen ‒ Niger ist eines der größten Länder Afrikas. Der Staat unterstützt sie nicht ‒ „Er hat kein Interesse an einer starken Zivilgesellschaft“, sagt Moctar Dan Yayé. „Mehr noch: Er unterdrückt sie massiv.“
Und so wagen es heute nur noch wenige Menschen in Niger, sich für Migrant:innen und Flüchtlinge zu engagieren. Ein neues Cyber-Criminality-Gesetz ermöglicht es dem Staatsapparat, Gespräche per Telefon oder WhatsApp abzuhören. „Wir haben heute Sorge, offen zu sprechen ‒ sie könnten uns deswegen ja verhaften“, sagt Moctar Dan Yayé. Die Regierung setzt auch sein Projekt Alarme Phone Sahara unter Druck: Ein Freiwilliger wurde neun Monate ohne Prozess inhaftiert, weil er sich dafür einsetzte, dass ein Migrant aus dem Gefängnis entlassen wird. Eine weitere Freiwillige saß drei Monate lang in Haft, weil eine Nachbarin sie diffamiert hatte. In beiden Fällen gab es kein Gerichtsverfahren.