Bei den anhaltenden Protesten in Marokko ist die Zahl der Toten auf drei gestiegen. Das teilte
Regierungschef Aziz Akhannouch in seiner ersten Stellungnahme seit dem Beginn
der Proteste vor fünf Tagen mit. Alle drei Demonstranten seien von der Gendarmerie „in Notwehr“ getötet worden, als sie versucht hätten, eine Polizeistation im
Süden des Landes zu stürmen, sagte Innenministeriumssprecher Rachid
El Khalfi. Zuvor war die Rede von zwei Toten gewesen.

Die Regierung in Marokko kündigte Reformen an. Die
Regierung sei bereit, den Forderungen der Demonstranten nach besserer
Gesundheitsversorgung und Bildung entgegenzukommen, sagte Akhannouch. „Nur ein Dialog ist der richtige Weg, um die
verschiedenen Probleme unseres Landes anzugehen“, sagte er. Er drückte sein Bedauern über die Todesfälle aus und lobte
die Sicherheitskräfte für ihre Bemühungen, die öffentliche Ordnung
aufrechtzuerhalten.

Seit Samstag gehen die Menschen in Marokko auf die Straße, um gegen die Regierung zu protestieren. Die Demonstrierenden beklagen Korruption und Milliardenausgaben für die Vorbereitung der Fußballweltmeisterschaft 2030, während
viele Schulen und Krankenhäuser in schlechtem Zustand seien. 

Angriffe auf Polizisten

Aufgerufen zu den Protesten hatte eine
Gruppe namens GenZ 212 auf der Internetplattform
Discord. Es sind die größten Demonstrationen in Marokko
seit Jahren. Seit Beginn der Proteste wurden fast 300 Menschen verletzt, darunter auch einige Polizisten. 

© Lea Dohle

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Am Dienstag waren nach Angaben des Innenministeriums Proteste in den Orten Oujda und
Inzegane eskaliert. Demnach sollen Demonstranten Polizisten mit Messern,
Molotowcocktails und Steinen attackiert haben. Mehr als 140 Polizeifahrzeuge und 20 Autos wurden den Angaben nach in Brand gesetzt.

In der Stadt Salé nahe der marokkanischen Hauptstadt Rabat hatten nach Angaben eines Reporters der Nachrichtenagentur AFP am
Mittwoch vermummte Demonstrierende zwei
Polizeiautos und eine Bankfiliale in Brand gesetzt. Auch aus der ländlichen Gemeinde
Sidi Bibi meldeten örtliche Medien Brände. Vereinzelt gab es dabei auch Rufe nach einem
Rücktritt von Regierungschef Akhannouch.