Die Zahl der Migranten, die seit Anfang 2026 auf der zentralen Mittelmeerroute ums Leben gekommen oder vermisst sind, ist auf mindestens 812 gestiegen. Dies wurde berichtet von „Agenzia Nova“ Ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM) äußerte sich angesichts des jüngsten Schiffsunglücks vor der Küste von Tobruk in Ostlibyen. Die Zahl aktualisiert die bisherigen Schätzungen (773 am 15. April) und berücksichtigt die acht Todesopfer und 31 Vermissten des jüngsten Unglücks. Laut IOM-Daten bleibt die zentrale Mittelmeerroute mit Abstand die tödlichste: Bis zum 15. April 2026 gab es 773 Opfer, verglichen mit 307 im gleichen Zeitraum im Jahr 2025. Berücksichtigt man das jüngste Schiffsunglück, steigt die Gesamtzahl auf 812, was einem Anstieg von über 164 Prozent im Jahresvergleich entspricht. Allerdings basiert der Vergleich auf Daten, die je nach Zeitraum variieren (15. April 2025 gegenüber 20. April 2026, ein Abstand von fünf Tagen).

Die neue Opferzahl steht im Zusammenhang mit dem Schiffsunglück, das sich vor wenigen Tagen vor der Küste von Tobruk in Ostlibyen ereignete. Laut IOM sind mindestens acht Menschen ums Leben gekommen und 31 werden vermisst. Vier Überlebende konnten nach mehr als fünf Tagen auf See gerettet werden. Die Nachrichtenagentur „Agenzia Nova“ hatte zunächst, basierend auf Informationen des Libyschen Roten Halbmonds, von sechs Toten und vier Überlebenden berichtet. Zudem war eine Leiche an einem Strand nahe Tobruk gefunden worden, die vermutlich zu demselben Schiffsunglück gehört. Laut dem jüngsten IOM-Update wurden zwischen dem 12. und 18. April 181 Migranten aufgegriffen und nach Libyen zurückgebracht, im Vergleich zu 708 in der Vorwoche. Seit Jahresbeginn wurden insgesamt 4.407 Personen zurückgebracht. Es handelt sich dabei überwiegend um Männer (3.984), gefolgt von Frauen (311) und Minderjährigen (81). Für 31 Personen liegen keine aufgeschlüsselten Daten vor. Der Vergleich mit dem Jahr 2025 verdeutlicht auch eine strukturelle Kontinuität der Operationen: Im vergangenen Jahr wurden über 27 Migranten auf derselben Route abgefangen und nach Libyen zurückgeschickt. Die IOM bekräftigt, dass sie Libyen nicht als sicheren Hafen für gerettete Migranten betrachtet.

Trotz eines deutlichen Rückgangs der Ankünfte in Italien um 40 Prozent im Jahr 2026 hat sich die Zahl der im zentralen Mittelmeer getöteten oder vermissten Migranten im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2025 mehr als verdoppelt. Ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM) erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Agenzia Nova diesen Widerspruch. „Wir werden oft gefragt, warum es trotz des Rückgangs der Ankünfte einen so dramatischen Anstieg der Opferzahlen gegeben hat“, erklärte der Sprecher. „Wir sehen drei Hauptgründe.“ Erstens das außergewöhnlich schlechte Wetter, das das zentrale Mittelmeer im Jahr 2026 heimgesucht hat. Insbesondere Zyklon Harry, einer der heftigsten Stürme der letzten Jahre in der Region, hat die Überfahrt deutlich gefährlicher gemacht. Der zweite Faktor ist die zunehmende Brutalität der Schleuser. „Früher schickten Schleuser auch bei schlechtem Wetter Boote hinaus, aber in deutlich geringerem Umfang als heute“, erklärte der Sprecher. „Heute scheint eine zusätzliche Grausamkeit hinzuzukommen: Überladene Boote mitten im Sturm zu Wasser zu lassen, ist an sich schon kriminell, aber im Fall Tunesiens während des Zyklons Harry war es noch viel verwerflicher.“ Der dritte Faktor ist das Fehlen eines adäquaten europäischen Such- und Rettungssystems (SAR). Die Organisation prangert dies seit Langem an, doch bei schlechtem Wetter wird der Mangel lebensbedrohlich. „Bei einem Sturm und Schiffbruch bleibt kaum Zeit“, fügte der Sprecher hinzu. „Ohne Rettungsschiffe auf See, die sofort eingreifen können, ist es extrem schwierig, unverletzt davonzukommen. Das Fehlen eines europäischen SAR-Systems, um Gerettete in einen sicheren Hafen zu bringen, macht jeden Vorfall umso tragischer.“

Laut dem täglichen Statistik-Dashboard des Innenministeriums, aktualisiert heute, am 20. April, um 8:00 Uhr, sanken die Ankünfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 12.933 auf 7.403 – ein Rückgang um 42,76 Prozent. Beobachtungen vor Ort deuten zudem auf einen Anstieg der Nutzung von weniger robusten und weniger widerstandsfähigen Schlauchbooten hin, die von Libyen aus starten. Im Jahr 2025 waren robustere Fiberglas- oder Holzboote mit zwei Motoren noch üblich. Diese Entwicklung macht die Überfahrten noch anfälliger für widrige Seebedingungen und verringert die Wahrscheinlichkeit, schlechtes Wetter zu überstehen.

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