Engagement gegen Kinderehen

Insbesondere im Süden Nigers, wie auch in vielen anderen Ländern, in denen es Kinderehen gibt, ist Armut der Hauptgrund für die frühe Verheiratung junger Mädchen. Oft haben die Familien kaum die Mittel, alle Mitglieder sicher zu versorgen – geschweige denn, die Schulgebühren für ihre Kinder zu zahlen und ihnen durch Bildung eine (auch wirtschaftlich) bessere Zukunft zu ermöglichen. Durch eine Hochzeit erhoffen sie sich ein Leben frei von Hunger und Armut für ihre Töchter und auch für sich. In einigen Ländern zahlt die Familie des Ehemanns der Familie der Braut einen sogenannten Brautpreis – das kann Geld sein, aber auch andere wertvolle Dinge wie Vieh oder Land. Zudem sind auch tief verwurzelte Traditionen ein Grund für Kinderehen. In Niger liegt das Durchschnittsalter von Mädchen zum Zeitpunkt der Eheschließung bei 15 Jahren.

Plan International arbeitet seit über 20 Jahren in dem westafrikanischen Land, im Jahr 2021 erreichten wir mit unserer Arbeit das Umfeld von mehr als 25.000 Patenkindern und deren Familien – besonders in armen Regionen des Landes. Unser Arbeitsansatz, die kindorientierte Gemeindeentwicklung, beruht auf den Grundrechten von Kindern: das Recht auf Leben, Entwicklung, Mitwirkung und Schutz. Kindorientierte Gemeindeentwicklung bedeutet mit Kindern und für Kinder zu arbeiten. Mädchen und Jungen, Jugendliche, ihre Familien und Gemeinden sind an der Planung und Durchführung von Programmen und Projekten beteiligt, um ihre eigene Entwicklung voranzubringen.

In unserer Projektarbeit in Niger spielt neben der gesundheitlichen Unterstützung – beispielsweise gegen Mangelernährung, durch Impfkampagnen oder durch die Vermittlung von gesundheitsrelevanten Grundkenntnissen – und dem Ermöglichen einer qualitativen Bildung und beruflichen Ausbildung auch das Engagement gegen Kinderehen eine zentrale Rolle. Dazu gehört, dass wir über die Risiken dieser Tradition aufklären und uns dabei gezielt an Gemeindevorstände und religiöse Würdeträger:innen wenden. Auf Regierungsebene setzen wir uns dafür ein, dass das gesetzliche Mindestalter beim Heiraten entsprechend international getroffener Vereinbarungen landesweit erhöht wird und dass weitere Gesetze zum Schutz von Kindern vor Gewalt erlassen werden.

*Atous Name wurde zum Schutz ihrer Identität geändert. Ihre Geschichte wurde mit Material aus dem Plan-Büro in Niger erstellt.