„Es geht weiter bergauf mit unserer Schule“ hieß es am 16. September, als ein Gebäude mit vier neuen Klassenräumen der Rebero Primary School in Kinihira, in den grünen Hügeln im Norden Ruandas eingeweiht wurde. Mit dabei und umringt von einer großen Kinderschar: Charlotte Fitze, 18 Jahre alte Neukirchen-Vluynerin, die 2025 ihr Abitur am Julius-Stursberg-Gymnasium (JSG) absolvierte und seit der fünften Klasse Mitglied der Ruanda-AG ihrer Schule war.

Gemeinsam mit Bienvenu Musabyimana, dem Superintentenden des Kirchenkreises Kigali als Schulträger und offiziellen Vertretern aus Schulministerium und Distriktverwaltung durfte sie das Band durchschneiden, um die Räume ihrem Verwendungszweck zuzuführen: Unterricht für etwa 160 Kinder in vier weiteren Grundschulklassen der nun gar nicht mehr so kleinen Dorfgrundschule.

Seit 1985 pflegt der Kirchenkreis Moers eine Partnerschaft mit der Kigali Presbytery, jenem Kirchenkreis der Presbyterianischen Kirche in Ruanda, zu dem das Dorf Kinihira gehört. Erst im Juni war eine vierköpfige Delegation aus Kigali zu Gast am Niederrhein, um 40 Jahre Partnerschaft zu feiern und gemeinsam Projekte weiter zu verfolgen. Eines davon eben ist der Bau einer Grundschule in Kinihira, das Christian Berges, Vorsitzender des Ruanda-Ausschusses im Kirchenkreis und Lehrer am Julius-Stursberg-Gymnasium 2016 der Schülerschaft des JSG nahebrachte.

Im Sommer 2018 eröffnete die „EPR Rebero Primary School“ mit drei Klassenräumen. Seither wächst die Schule, und noch immer gibt es die Ruanda-AG am JSG. Anfang dieses Jahres standen bereits drei Gebäude mit neun Klassenräumen für über 500 Jungen und Mädchen in drei Vorschul- und sechs Grundschulklassen. Ein beachtlicher Erfolg für die AG, die alle diese Bauten finanzierte, teilweise unterstützt von Spenden der Rotarier, des Schulchores oder Kollekten aus Abitur- und Konfirmationsgottesdiensten. Im Schnitt konnten die Schülerinnen und Schüler somit jährlich knapp 10.000 Euro nach Kinihra schicken.

Dass nun weitere vier Klassenräume eröffnet werden konnten, ist einem Sonderfonds der evangelischen Kirche im Rheinland zu verdanken, um dessen Unterstützung Christian Berges sich im Namen des Kirchenkreises und des Schulprojektes erfolgreich bemühte.

„Die Räume sind dringend notwendig, denn noch immer wächst die Schule und die Klassen sind mit teilweise mehr als 70 Kindern hoffnungslos überfüllt“, erläutert der Lehrer und Partnerschaftsvorsitzende. Zudem haben sich die Baukosten in Ruanda im Zuge der allgemeinen Inflation seit Corona und Ukrainekrieg mehr als verdoppelt. Dies machte es der Schüler-AG zunehmend schwerer, die Kosten für weitere Klassenräume zu stemmen – das neue Gebäude kostete knapp 100.000 Euro.

Nach der Zuteilung der Gelder im April ging es, „wie so oft in Ruanda“, so Berges, viel schneller als in Deutschland: „Baubeginn war im Juni und schon zu Beginn des Schuljahres in Ruanda vor einer Woche bieten die fertigen Räume nun Platz für viele weitere Kinder und damit die so dringend notwendige Chance auf Bildung als einen Weg aus der bitteren Armut in dieser ländlichen Gemeinde.“ Die AG am Stursberg-Gymnasium könne sich nun darauf konzentrieren, Kinder aus sehr armen Familien zu unterstützen, die sich weder das Schulessen noch Materialien wie Bücher, Hefte und Schuluniformen leisten können.

Für Charlotte Fitze und ihren Vater Daniel war es ein ganz besonderes Erlebnis die Schule in Kinihira auf ihrer privaten Reise zu besuchen, nachdem sie das Projekt über mehrere Jahre auch als Familie unterstützt hatten und ein während der Corona-Zeit geplanter Besuch seitens JSG und Kirchenkreis pandemiebedingt abgesagt werden musste. Schon lange hatte Charlotte davon geträumt, ihr Herzensprojekt zu besuchen und fühlte sich nun besonders geehrt, die neuen Räume mit eröffnen zu dürfen, gewissermaßen als inoffizielle Repräsentanten der Ruanda-AG am JSG.

Bei dem Besuch übergaben die beiden Gäste auch acht Fußbälle als Geschenk des Heimat- und Verkehrsvereins Neukirchen, in welchem Daniel Fitze Mitglied ist und zwei Laptops vom JSG. Empfangen wurden sie mit traditionellen Tänzen der Schülerinnen und Schüler, die sie zum Mittanzen gleich an die Hand nahmen.

„Die Freude in den Augen der Kinder ist einfach überwältigend und ansteckend“, sagt Charlotte nach ihrer Rückkehr. „Sie wissen, wie wichtig Schule und Bildung sind“. Die jüngeren Schülerinnen und Schüler am JSG ruft die junge Frau auf: „Macht weiter mit euren Aktionen und der AG, es lohnt sich so sehr!“

Diese Botschaft freut nicht nur Lehrer Berges, sondern auch Hedda Engbers, Schulleiterin des JSG und Wolfram Syben, Superintendent des Kirchenkreises Moers, die die Arbeit der AG seit Jahren mit großer Freude ermöglichen und fördern.