Genehmigung in Deutschland langwierig
Errichtet werden soll der Demonstrator allerdings nicht in Deutschland oder in Kanada, dem Hauptsitz des Unternehmens, sondern im Osten Afrikas, in Ruanda. Dort, so Ruprecht, seien die Genehmigungsbehörden deutlich offener für neue Technologien. Entsprechend schneller liefen Genehmigungsverfahren, die hier in der Bundesrepublik schon mal Jahre dauern könnten.
Das ist nichts für den sehr ambitionierten Zeitplan von Dual Fluid Energy, wo man mit dem Bau des Demonstrators lieber heute als morgen beginnen würde. Sobald man die 100 Millionen Euro an Bau- und jährlichen Betriebskosten für das Projekt zusammen habe, ginge es los, erklärt Ruprecht: „In zwei Jahren kann der [Versuchsreaktor] in Ruanda in Betrieb gehen, dann anderthalb Jahre, dann Betrieb abgeschlossen. Halbes Jahr Auswertung, insgesamt vier Jahre, dann ist das Experiment abgeschlossen.“
Bis dahin will man dann möglichst auch schon die Investoren für die Serienproduktion an Bord haben, sagt Ruprecht. Man rechne damit, dass die Reaktoren dann in den frühen 30er-Jahren bis Mitte der 30er-Jahre an Kraftwerke verkauft werden könnten.
Technologische Umsetzbarkeit bleibt abzuwarten
Auch Dr. Patrick Sauter findet das Konzept des Dual-Fluid-Reaktors spannend. Der promovierte Energieingenieur hat einen sehr populären YouTube-Kanal um das Thema Energieerzeugung und Energiewende. „Ingenieurskunst“ heißt der Kanal. Gut 20.000 Abonnenten folgen dort gut verständlich und angenehm ideologiefrei gemachten Erklärvideos.
Auch die Dual-Fluid-Technologie nahm Sauter schon unter die Lupe. Jedem zu empfehlen, den das genauer interessiert. Dass ausgebrannte Brennstäbe nachgenutzt werden können, dazu das Sicherheitskonzept der voneinander getrennten Kreisläufe von flüssigem Brennmaterial und Kühlwasser, das überzeuge durchaus – zumindest auf dem Papier, so Sauter. Denn, ob sich das technologisch umsetzen lässt, bleibe erst noch abzuwarten.
Außergewöhnlich robuste Materialien nötig
Nur ein „Stichwort“, so der Youtuber, sei die Materialbelastung: „In den Leitungen der beiden Kreisläufe fließen flüssige Metalle mit bis zu 1.000 Grad Celsius. Das erfordert außergewöhnlich robuste Materialien. Korrosion und Beschädigung an den Kreisläufen sind zumeist das größte Problem bei diesen Konzepten.“ Für den promovierten Energieingenieur sind die Entwicklungskosten der entscheidende Punkt. Große internationale Investoren seien bislang ausgeblieben.
Sollte der Demonstrator in Ruanda jedoch tatsächlich gebaut werden und zeigen, dass Dual-Fluid-Reaktoren auch in der Praxis funktionieren, dann könnte sich das allerdings sehr schnell ändern.