Es war im Februar 2018, als Rani Khedira eine schwerwiegende sportliche Entscheidung traf. Damals spielte der defensive Mittelfeld-Akteur beim FC Augsburg und der tunesische Fußball-Nationaltrainer Nabil Maaloul hätte ihn gerne mit zur Weltmeisterschaft nach Russland genommen. Doch der Deutsch-Tunesier, sein Vater stammt aus dem afrikanischen Staat, sagte ab. Jetzt, acht Jahre später, Khedira spielt inzwischen bei Union Berlin, entschied sich der 32-jährige gebürtige Stuttgarter für einen Verbandswechsel.
Rani Khedira spielte von 2017 bis 2021 für den FC Augsburg in der Bundesliga
Spektakulär macht der tunesische Fußballverband den Wechsel öffentlich. Auf Instagram zeigte man Khedira als Gladiator mit einem Adler auf der Schulter und schrieb: „Der tunesische Fußballverband freut sich, der Sportöffentlichkeit und den Medienvertretern mitteilen zu dürfen, dass das FIFA-Fußballgericht heute offiziell den Wechsel der sportlichen Zugehörigkeit des Spielers Rani Khedira genehmigt hat.“
Der Adler ist das Symbol auf dem Logo des tunesischen Fußballverbandes und bezieht sich auf die historische Metropole Karthago, die auf dem Gebiet des heutigen Tunis lag. Die „Adler von Karthago“ (Les Aigles de Carthage) ist auch der Spitzname der tunesischen Fußballnationalmannschaft. Khedira, der von 2017 bis 2021 für den FCA spielte, ist ab sofort spielberechtigt.

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Rani Khedira im Trikot des FC Augsburg
Foto: Tom Weller, dpa
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Rani Khedira im Trikot des FC Augsburg
Foto: Tom Weller, dpa
Schon im März könnte Khedira in den Testspielen gegen Haiti und WM-Co-Gastgeber Kanada auf dem Feld stehen.
Manuel Baum förderte Tunesiens Rani Khedira beim FCA
Khedira spielte für Deutschland von der U15 bis zur U19, zu einer Nominierung für die A-Nationalmannschaft kam es aber nie. Anders sein Bruder Sami. Der wurde 2014 mit Deutschland in Brasilien Weltmeister. Jetzt dürfte sich der WM-Traum auch für Rani Khedira erfüllen. Tunesien trifft bei dem Turnier in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) in der Gruppe F auf Japan und die Niederlande, der dritte Gegner wird noch in den Play-offs ermittelt.
„Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ich spreche nur Deutsch“, hatte FCA-Profi Khedira 2018 seine Absage begründet. Khedira, von RB Leipzig zum FCA gewechselt, entwickelte sich unter dem jetzigen FCA-Trainer Manuel Baum zum Stammspieler im defensiven Augsburger Mittelfeld. Sein Spiel auf dem Platz sei aber sehr auf Kommunikation aufgebaut, sagte er damals. „Zwei Monate Vorbereitung und vielleicht zwei Spiele bis zur WM reichen nicht, um einen richtigen Bezug zu den Teamkollegen aufzubauen“, meinte der Mittelfeldspieler.
Elias Saad und Ismael Gharbi spielen auch für Tunesien
Jetzt hat er seine Meinung geändert. Vielleicht auch, weil im tunesischen Team jetzt noch mehr FC Augsburg vertreten ist und Deutsch gesprochen wird. Auf und neben dem Spielfeld. Im Kader stehen mit Elias Saad und Ismaël Gharbi zwei aktuelle FCA-Profis. Der 25-jährige Flügelstürmer Saad war vor der Saison vom FC St. Pauli zum FC Augsburg gewechselt und wurde im Januar 2026 bis zum Saisonende an Hannover 96 ausgeliehen, um mehr Spielpraxis zu sammeln. Den 21-jährigen Flügelspieler Gharbi hatte der FCA im Sommer vom portugiesischen Erstligisten SC Braga ausgeliehen. Beide sorgten im Oktober 2025 für Aufsehen, als sie beim 6:0-Sieg in der WM-Qualifikation gegen São Tomé und Príncipe drei Treffer beisteuerten. Saad traf doppelt, Gharbi erzielte einen Treffer.

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Michael Hefele im Trikot von Huddersfield Town
Foto: Angelika Warmuth,dpa
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Michael Hefele im Trikot von Huddersfield Town
Foto: Angelika Warmuth,dpa
Aber auch im Trainerstab gibt es Verbindungen mit dem FC Augsburg. Co-Trainer ist dort nämlich seit Januar Michael Hefele. Der 35-Jährige aus Pfaffenhofen an der Ilm spielte bei den B- und A-Junioren des FC Augsburg, ehe ihn sein Weg als Fußball-Profi über Dynamo Dresden nach England zu Huddersfield und dann zu Nottingham Forest führte.
Sein damaliger Cheftrainer: Sabri Lamouchi. Der ehemalige französische Nationalspieler holte Hefele dann als Co-Trainer nach Saudi-Arabien, und als Lamouchi im Januar das Traineramt bei Tunesien übernahm, war seine erste Amtshandlung die Verpflichtung Hefeles als Co-Trainer. Lamouchi will Ansprachen und Trainingseinheiten demnach künftig auf Englisch führen. Und notfalls kann Michael Hefele ja übersetzen.