Das letzte Testspiel der Nationalmannschaft vor der WM-Kadernominierung – es sollte eine Initialzündung werden. Am Montagabend stand ein 2:1-Sieg gegen Ghana zu Buche, der kaum als Start einer Euphorie herhalten kann. Die Geschichte des Abends lieferte Deniz Undav, der zu Beginn auf der Bank schmorte und den späten Siegtreffer beisteuerte.

Julian Nagelsmann hatte die Startaufstellung im Vergleich zum 4:3-Sieg in der Schweiz auf vier Positionen verändert: VfB-Keeper Alexander Nübel bekam wie angekündigt eine Chance vor seinem Heimpublikum. Neben dem Stammkeeper Oliver Baumann saßen auch Leroy Sane sowie David Raum und Leon Goretzka auf der Bank. Für sie spielten Nathaniel Brown, Nick Woltemade und Pascal Groß. Für den Stuttgarter Undav, der in der Schweiz 90 Minuten zusehen mussten, war erneut kein Platz. Warum, deutete Nagelsmann in der ARD an: „Wir haben einfach Rollen definiert – und an die muss ich mich auch halten.“

Das Stuttgarter Publium forderte Deniz Undav mit Sprechchören

Druck entfachte die deutsche Auswahl zu Beginn auch ohne den Angreifer. Die Afrikaner, die am Freitag schon mit 1:5 gegen Österreich unter die Räder gekommen waren, kamen in der Startphase so gut wie gar nicht aus ihrer Hälfte. Schon nach vier Minuten hatte der ehemalige VfB-Profi Nick Woltemade eine riesige Chance auf die Führung. Sein Flachschuss aus wenigen Metern ging aber am Pfosten vorbei. An diesen klatschte ein Freistoß von Florian Wirtz klatschte (6.). Zwingender wurde es erstmal nicht.

Ghana, das meist mit neun Feldspielern im eigenen Strafraum verteidigte, kam immer besser ins Spiel. Nach einer halben Stunde reichte es deshalb offenbar einigen Fans in der Stuttgarter Arena. Mit Sprechchören forderten sie ihren Knipser Undav. Der grinste sich auf der Bank einen und reckte einen Daumen nach oben. Das wirkte auf die elf, die auf dem Rasen standen, offenbar: Woltemade und Jonathan Tah hatten eine Doppelchance (31.), dann zappelte der Ball im Netz der Gäste – der Treffer von Wirtz galt wegen einer Abseitsposition des Passgebers Woltemade aber nicht (33.). Erneut ertönte der Ruf nach Undav, der sich diesmal immerhin schon aufwärmen durfte. Kurz vor der Pause gab es doch noch etwas zu jubeln: Kai Havertz verwandelte einen Handelfmeter zur 1:0-Führung (45.+3).

Lennart Karl kam mit Undav – und machte viel Betrieb

Nach der Halbzeit war es endlich soweit: Nagelsmann wechselte fünf Mann, unter anderem kamen Undav für Gnabry und Lennart Karl für Havertz. Betrieb machte aber erst mal Karl und nicht Undav: Eine Flanke des Bayern-Spielers köpfte Woltemade an die Latte (53.), dann war der 18-Jährige bei einem Solo erst vom fünften Ghanaer per Foul zu stoppen (56.). Und erneut kam Ghana wieder besser in die Partie – mit dem Unterschied, dass die Afrikaner diesmal ihre Chance nutzten. Vier Minuten nach seiner Einwechslung traf Abdul Fatawu zum 1:1 (70.). Union-Profi Derrick Köhn hatte den eben erst eingewechselten Josha Vagnoman alt aussehen lassen und die Vorlage gegeben. Die DFB-Elf warf nochmals alles nach vorne – Lennart Karl hatte die große Chance zum Sieg, schoss aber vorbei (86.). Dann schlug Undav zu – und Stuttgart feierte (88.).