Pressestatement von Karl-Otto Zentel, Generalsekretär CARE Deutschland

„Drei Jahre Krieg im Sudan bedeuten drei Jahre Flucht, Hunger und Angst. Millionen Menschen kämpfen dort um das schiere Überleben. Der Sudan ist heute die zahlenmäßig größte und zugleich eine der politisch meist ignorierten humanitären Krisen der Welt. Was wir heute sehen, ist keine schleichende Krise mehr, es ist ein Kollaps. Menschen fliehen vor Bomben und Hunger gleichzeitig. Frauen und Mädchen kommen nach wochenlangen Märschen erschöpft, traumatisiert und schwer mangelernährt in Nachbarländern an. Viele von ihnen berichten von sexuellen Übergriffen und geschlechtsspezifischer Gewalt. Millionen Menschen haben alles verloren: ihre Häuser, ihre Existenz, ihre Familien. Viele verlieren nun auch ihre Hoffnung.

Mütter berichten, dass sie ihre Kinder barfuß durch Bombenhagel getragen haben. Jungen und Mädchen erzählen, wie sie ihre Eltern im Chaos verloren haben, aber einfach weiterlaufen mussten, weil alles andere den Tod bedeutet hätte. Unsere Mitarbeitenden sehen Babys, die so schwer mangelernährt sind, dass sie ihren Kopf nicht mehr selbst halten können. Wer es über die Grenze schafft, hat alles hinter sich gelassen und ist vollständig auf Hilfe angewiesen. Doch selbst diese Hilfe ist extrem knapp bemessen.

Besonders dramatisch ist die Lage für Frauen und Mädchen. Geschwächt, hungrig und oft schwer traumatisiert erreichen sie die Grenzregionen – viele von ihnen nach Monaten der Flucht unter ständiger Angst vor sexualisierter Gewalt. Gesundheitsstationen an der Grenze, wie sie auch von CARE betrieben werden, sind für viele der erste sichere Ort nach Monaten. Doch genau diese lebensrettende Hilfe steht auf dem Spiel. Mittel werden gekürzt und Projekte laufen aus, obwohl der Bedarf jeden Tag weiterwächst.

Drei Jahre nach Beginn dieses Krieges dürfen wir uns nicht an dieses Leid gewöhnen. Dass diese Katastrophe viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, ist politisches Versagen. Humanitäre Hilfe im Sudan ist keine Frage von Großzügigkeit, sondern von Verantwortung. Deutschland kann und muss mehr tun: durch verlässliche, ausreichende Finanzierung humanitärer Hilfe, durch politischen Druck für den Schutz der Zivilbevölkerung und durch eine klare Priorisierung auf internationaler Ebene.

Drei Jahre nach Beginn dieses Krieges dürfen wir uns nicht länger mit dem Status Quo zufriedengeben. Wer jetzt nicht handelt, nimmt das Leiden der Zivilbevölkerung und vermeidbare Todesfälle bewusst in Kauf.“