Zahnärztin Silke Alt (r.) mit Kolleginnen in Sambia: Die 58-Jährige konnte viele Eindrücke sammeln. – Fotos: Silke Alt

FULDA/SAMBIA
Fernab der Heimat Gutes tun

10.11.25 – Wo medizinische Versorgung keine Selbstverständlichkeit ist, zählt jede helfende Hand: Die Fuldaer Zahnärztin Silke Alt engagierte sich zwei Wochen lang ehrenamtlich in Sambia. Im Rahmen der Initiative „Zahnärzte ohne Grenzen“ unterstützte sie die Einheimischen vor Ort. Der Einsatz hat sie nachhaltig bewegt: „Es war eine sehr erdende Erfahrung. Mich hat am meisten beeindruckt, dass die Menschen wirklich arm – und trotzdem glücklich sind.“

Vor der Zahnklinik.

Die 58-Jährige war mehr als 24 Jahre lang in einer Gemeinschaftspraxis mit Dr. H. Brandl in der Rabanusstraße in Fulda tätig. „Die Kinderzahnheilkunde war schon immer mein Steckenpferd. Irgendwann hatte ich aber das Bedürfnis, über meine tägliche Arbeit hinaus einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. So bin ich im Internet auf die Organisation ‚Zahnärzte ohne Grenzen‘ gestoßen“, erinnert sie sich. Nach erfolgreicher Bewerbung, der Ausstellung des Ausweises und reichlich organisatorischer Planung reiste sie Ende Oktober mit einer weiteren Zahnärztin und zwei zahnmedizinischen Fachangestellten ins südliche Afrika.

Einblick in die Kultur

Zahnputzübungen in der Schule.

Ihr erster Patient.

Prävention ist wichtig.

Austausch mit den Einheimischen vor Ort.

Kirchenbesuch am Sonntag.

Auf dem Markt.

Nach einer abenteuerlichen vierstündigen Fahrt kamen sie von der Hauptstadt Lusaka in Kabwe an. Die Stadt mit rund 290.000 Einwohnern ist für ihren Bergbau bekannt – mit spürbaren Folgen für die Umwelt. Besonders die hohe Schwermetallbelastung stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Das Team aus Deutschland kam im Armenviertel unter. Das DWLF (Dentists without Limits Federation) stellte die Unterkunft. „Wir wurden liebevoll empfangen, das hat uns im Herzen berührt.“ Neben der Arbeit erhielten sie einen Einblick in die Kultur, sei es durch einen Kirchenbesuch oder beim Schlendern über den Markt.

Große Dankbarkeit spürbar

Die Wartezeit wird gut genutzt.

Einblick in eine zahnmedizinische Behandlung.

Morgens 8 Uhr beim Öffnen des Gates.

Die Nachricht über die Ankunft der Zahnärzte verbreitete sich schnell. In den darauffolgenden Tagen versammelten sich rund um die Zahnklinik Menschen aller Altersklassen. Vorrangig stand die zahnmedizinische Behandlung von Schülern der Schule „Twikatane“ im Fokus, aber auch Erwachsene wurden untersucht. Die Einheimischen nahmen lange Wartezeiten von teilweise über neun Stunden auf sich. „Sie sind unfassbar geduldig“, berichtet Alt rückblickend. „Der Behandlungsbedarf dort ist riesig, wir konnten uns aus diesem Grund nur auf die akuten Fälle konzentrieren. Wir hätten Tag und Nacht arbeiten können, trotzdem wäre der Andrang nicht zu bewältigen gewesen. Dennoch haben wir alles gegeben und so viele Patienten wie möglich versorgt – so wundert es nicht, dass wir abends komplett erschöpft ins Bett gefallen sind.“

Zahngesundheit im Fokus an einer Schule im Ort.

Prävention wichtig: Zahngesundheit von klein auf

Silke Alt: „Ich drucke Fotos für die Kinder als Geschenk aus.“

Die Bilanz: 283 Patienten in zwei Wochen – „das ist eine ordentliche Leistung“. Hauptsächlich entfernten sie Zähne. Da viele Patienten bereits Entzündungen aufwiesen, mussten Antibiotika verabreicht werden. „Die Behandlungskosten sind in dem Land ziemlich teuer. Umso dankbarer sind sie für diese Chance.“ Nicht nur medizinische Eingriffe standen im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Ebenso spielte Prävention eine wichtige Rolle. An der Schule „Twikatane“, finanziert vom Kölner Joachim Deinert, leisteten sie Aufklärungsarbeit bei den Kleinsten. „Wir haben mit Zahnbürsten Putzübungen gemacht und Tipps zur Zahngesundheit gegeben. Eine Dolmetscherin stand uns zur Seite und übersetzte für uns ins Bemba.“

„Das wohlwollende Miteinander in der Hektik des Alltags nicht verlieren“

Zwei glückliche Kinderzahnärztinnen.

Mittagessen an der Schule.

Ergonomische Behandlungsposition.

Tausch: Alt gegen Neu.

„Wir verteilen Kleidung, die wir in Deutschland gesammelt haben.“

Die Köchin bereitet Nshima für die Schulkinder vor.

Der Zahnärztin bleibt nach ihrem Aufenthalt vor allem das Zwischenmenschliche positiv in Erinnerung. „Alle haben ein Lächeln im Gesicht und begegnen uns mit großer Dankbarkeit“, erklärt Alt. „Sie sitzen in Gruppen zusammen und kommunizieren miteinander – ganz ohne Handy. Die Kinder basteln sich aus Müll Spielsachen und sind ausgeglichen, frei von jeglicher Erwartungshaltung.“ Die Beobachtungen haben ihr deutlich gezeigt: „In Deutschland können wir heute alles kaufen und verlieren die Wertschätzung gegenüber den einfachen Dingen. Auch dieses wertvolle Miteinander verliert sich hier in unserer Hektik des Alltags. Wir sollten die Dankbarkeit für unseren Wohlstand nicht verlieren und vielleicht wieder einmal mehr mit einem Lächeln durch die Stadt laufen.“

Für die Menschen in Kabwe war der Einsatz von großer Bedeutung. Silke Alt und ihre Kolleginnen haben trotz der kurzen Aufenthaltsdauer gemeinsam etwas bewegt. Ihr Fazit: „Wir konnten die Situation zumindest für Einzelne ein Stück weit verbessern. Das ist für uns das schönste Gefühl.“

(Maria Franco) +++