Vollkommen anschaulich wird’s da, wo Flaschen von Fritz-Kola und anderen Cola-Sorten neben Kola-Nüssen liegen, Cremes, Shampoos und Gesichtsmasken neben den nussähnlichen Früchten des Shea-Baums präsentiert werden. Denn spätestens an diesen Objekten der Ausstellung „Planet Africa“ wird deutlich, wie eng verwoben die Kontinente sind. Wo sich die Kulturen befruchtet haben – aber auch wo Abhängigkeiten bis hin zur Ausbeutung existieren.
Zugegeben: Das ist eine Reduzierung auf einen winzigen Teil dieser vielfältigen, in sechs Kapitel geordneten Ausstellung, die viele Jahrtausende zurückreicht. Doch zeigt es, wie man im Kleinen das große Ganze anschaulich machen kann. Die Ausstellung, aus einem DFG‐Forschungsprojekt am Deutschen Archäologischen Institut (DAI) und länderübergreifend mit Partnern in ganz Afrika und Deutschland entstanden, tourt seit vergangenem Jahr als Wanderausstellung. Nach der Eröffnung in Berlin ist sie derzeit in München zu sehen, Chemnitz als weitere Station ist geplant. Parallel dazu ist sie in Afrika zu sehen, in Marokko, Kenia, Ghana, Eswatini und Mosambik.
Dass dies möglich ist, verdankt sie dem Konzept, dass die Ausstellung im Wesentlichen auf einen USB-Stick passt. Das ist so technisch zeitgemäß wie notwendig. In Ländern mit mangelnder Infrastruktur scheitern Projekte oft an der Logistik. Aber auch darüber hinaus stellen sich Museen weltweit ja immer öfter die Frage, wie man Ausstellungen möglichst ressourcenschonend und weniger klimaschädlich organisieren kann. Dass aufwendige Transportkosten zudem die Finanzierung belasten – Gelder, die man lieber für die Inhalte ausgeben würde und nicht nur in den Transport, sondern zu einem nicht geringen Teil in Versicherungen stecken muss –, ist ebenso relevant.
Archäologische Staatssammlung
:Aus der Erde ans Licht
Die neue Dauerausstellung der Archäologischen Staatssammlung erzählt auf zwei Etagen bayerische Vor- und Frühgeschichte – modern, frisch und herrlich abwechslungsreich inszeniert.
Bei der Ausstellung „Planet Africa“ wurden die Inhalte visualisiert und werden größtenteils vor Ort nach technischen Möglichkeiten umgesetzt. Da gibt es zwar auch klassische Aufsteller, aber es werden Lichtsäulen bespielt, es gibt Hör- und interaktive Stationen. Wo die Präsentation Station macht, wird sie durch Objekte aus der eigenen Sammlung komplettiert. Das garantiert Variationen, macht sie auf einer weiteren Ebene anschaulich und ermöglicht den einzelnen Orten, Teile der Ausstellung individuell zu gestalten. Zudem wird so gesichert, dass jedes Museum die Provenienzen der Stücke garantieren kann. Diese Art der Präsentation markiert nichts weniger als das Ende der traditionellen Wanderausstellung, davon ist Jörg Linstädter als einer der Verantwortlichen überzeugt.
Machen die eingangs erwähnten Produkte nicht nur den natürlichen Reichtum einzelner Länder deutlich und vermitteln auch einen Eindruck von Abhängigkeiten von Rohstoffen und den damit einhergehenden Handelsrouten, werden auch die Entwicklung des Menschen und seine diversen Lebensformen als Nomade und sesshaftes Wesen, die Aneignung von Wissen, das Entstehen von Gemeinschaften, die Entwicklung von Technik und vieles mehr gezeigt, erläutert, illustriert. In München sind zudem noch ganz andere Objekte zu sehen. Schließlich befindet man sich in der Archäologischen Staatssammlung. Also gibt es auch steinzeitliche Werkzeuge und Waffen wie Faustkeile und Flachbeile, Reibplatten und Stößl zu sehen.
Über Hörstationen kann man sich auch durch die Ausstellung „Planet Africa“ führen lassen. Archäologische Staatssammlung, Stefanie Friedrich
Man muss viel lesen oder hören, und ja, die Ausstellung ist stark didaktisch angelegt. Aber es gibt auch sinnliche Momente. Etwa die zeitgenössischen Entwürfe afrikanischer Straßenkünstlerinnen und -künstler, deren Illustrationen sich wie Leitfäden durch die einzelnen Kapitel ziehen und diese visuell zusammenhalten.
Mit der Schau schöpft die generalsanierte und erst im vergangenen Jahr wiedereröffnete Archäologische Staatssammlung in München erstmals auch alle technischen Möglichkeiten aus, die der neue, 600 Quadratmeter große, unterirdische Sonderausstellungsraum zu bieten hat. Und man kann gespannt sein, wie das Museum diesen Raum in Abgrenzung zur Dauerausstellung im Erdgeschoss bei der bereits angekündigten nächsten Ausstellung (Gladiatoren – Helden des Kolosseums, von 21. November an) bespielen wird.
Planet Africa – Eine archäologische Zeitreise, Archäologische Staatssammlung, Lerchenfeldstraße 2, bis 28. September 2025; Vortrag: „Das Geheimnis der Nok-Kultur in Nigeria — Frühe Kunst in Afrika“ von Gabriele Frank, Donnerstag, 18. September, 18 Uhr
