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Uns auf Google folgenEric Manizabayo aus Ruanda fährt beim Prolog der Tour du Rwanda im Februar 2025 vorbei an ZuschauermassenEric Manizabayo aus Ruanda beim Prolog der Tour du Rwanda im Februar 2025. © IMAGO/Pál Göllner

Als erster afrikanischer Staat richtet Ruanda eine Rad-WM aus. In politischer Hinsicht gilt die Vergabe in den Staat als höchst brisant / Von Stephan Klemm

Die Radstrecken im Hochland von Kigali sind besonders anspruchsvoll, das Profirennen der Männer am 28. September etwa kommt auf eine Länge von 267,5 Kilometern und bringt es auf sagenhafte 5475 Höhenmeter – das ist ein Rekord in der 98-jährigen Geschichte von Radsport-Weltmeisterschaften. Ihre 92. Auflage hat der Weltverband (UCI) Ende September 2023 erstmals nach Afrika vergeben, den Zuschlag erhielt Ruanda, der Binnenstaat in Ostafrika, das Land der 1000 Hügel. Einige der großen Stars der Szene werden dabei sein, Tadej Pogacar und Remco Evenepoel etwa bei den Männern und Tour-Siegerin Pauline Ferrand-Prévôt bei den Frauen. An diesem Sonntag beginnen die ruandischen Radsport-Spiele mit den Zeitfahren der Männer und Frauen. Sie enden eine Woche später mit dem sehr fordernden Wettkampf der Männer.

Doch der Sport ist nur die glänzend ausgeleuchtete Seite dieser Veranstaltung. Eine andere drängt gleichwohl zunehmend vom Schatten ins Licht. Es geht dabei um Ruanda als Ausrichter, ein Land, dessen politische Verhältnisse als problematisch gelten.

Im Februar hatte das EU-Parlament in einem Entschließungsantrag die Forderung gestellt, Ruanda die WM zu entziehen, wenn das Land „seinen Kurs nicht ändert“. Konkret geht es um den Vorwurf, dass Ruandas Armee im Bürgerkrieg, der im Nachbarstaat Demokratische Republik Kongo tobt, die Rebellengruppe M23 militärisch unterstützt. Die ruandische Regierung wiederum weist jegliche Kritik an der Unterstützung der M23-Rebellen zurück. Man verteidige lediglich seine Grenzen und Grenzgebiete sowie die Tutsi-Minderheit im Nachbarland. Wegen der unbestreitbar kritischen Lage in dieser Region rät das Auswärtige Amt von nicht notwendigen Reisen dorthin ab.

Charmeoffensive auch im großen Fußball

Kritiker werfen dem Ausrichterland und dessen umstrittenen Präsidenten Paul Kagame vor, die WM diene als Sportwashing. Als ein Mittel, um das Image des Landes zu verbessern. Dafür spricht auch die ruandische Strategie, in der Welt des Sports eine besondere Rolle übernehmen zu wollen.

Die Fußballgrößen FC Arsenal und Paris St. Germain werben auf ihren Trikotärmeln für die Tourismusinitiative „Visit Rwanda“. Auch der FC Bayern ist Teil dieser Charmeoffensive, doch der deutsche Rekordmeister fuhr sein Engagement nach heftiger Kritik aus dem Kreis seiner politisch aktiven Fans zurück. Auf den Werbebanden der Münchner Arena taucht der Slogan nicht mehr auf, es besteht nur noch ein Fördervertrag im Jugendfußball.

Auf anderem Gebiet will Ruanda aber auch noch auf sich aufmerksam machen: Das kleine Land mit 14 Millionen Einwohner:innen würde gerne ein Formel-1-Rennen ausrichten.

Der Name des Staates Ruanda ist vor allem wegen eines furchtbaren Ereignisses in Erinnerung. Vor 31 Jahren tobte dort ein grausamer Völkermord. Radikale Milizen der Volksgruppe der Huti töteten damals in gerade einmal 100 Tagen bis zu 800.000 Angehörige der Tutsi-Minderheit. Das war ein Fanal. Kagame wiederum regiert seit mittlerweile 25 Jahren in Ruanda, er hatte als Milizenführer mit für das Ende des Genozids gesorgt.

Seine Anhänger verkünden, er habe das Land mittlerweile wieder vereint und wirtschaftlich stabilisiert. Diverse Menschenrechtsorganisationen sehen die Lage allerdings deutlich kritischer. Ihnen zufolge werde die Opposition eingeschüchtert und die Pressefreiheit eingeschränkt.

Diese Gesamtsituation flankierte die Rad-WM vom Zeitpunkt ihrer Vergabe an. UCI-Präsident David Lappartient reagierte trotzig auf den Entschließungsantrag der EU, zumal die 17. Auflage der Ruanda-Rundfahrt reibungslos verlief. Es gebe „keinen Plan B“, sagte Lappartient, die WM werde in Ruanda stattfinden.

In Ruanda selbst ist die Euphorie vor der Ankunft der Radstars sehr groß. Das Land besitzt eine große Radsporttradition. Die Tour du Rwanda wird seit 2001 jährlich ausgetragen, das Zuschaueraufkommen bei dieser Rundfahrt ist außergewöhnlich groß. Die Infrastruktur wird als sehr gut beschrieben.

Die UCI verspricht sich von der WM in Ruanda in erster Linie eine besondere Förderung des afrikanischen Radsports. Sie unterhält seit 2002 an ihrem schweizerischen Stammsitz in Aigle ein Trainingszentrum, das den Titel „Centre Mondial du Cyclisme“ trägt. Dort gibt es eine Akademie, die junge Radsportler aufnimmt, die nicht aus den Radsport-Kernkontinenten Europa, Nordamerika oder Australien stammen und die ein olympisches Stipendium in den Disziplinen Bahn- und Straßenradsport, Mountainbike oder BMX erhalten haben.

Ein Absolvent dieser Akademie ist der Eritreer Biniam Girmay, der im Sommer 2024 drei Etappen der Tour de France und das Grüne Trikot gewann. Seine Erfolge holten Afrika erst so richtig auf die Landkarte des Radsports. Girmay sagte nach einigem Zögern wegen der Schwere des Kurses seine Teilnahme an dem Profirennen am 28. September zu. Für ihn steht fest: „Die WM in Ruanda ist definitiv ein Meilenstein für den afrikanischen Radsport.“ Das Event möchte er deshalb live erleben, im Peloton.