Wim Dohrenbusch ist gerade in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Nicht, um Urlaub vom teils schmuddeligen Unterbacher April-Wetter zu machen, sondern, um sich vor Ort um die Belange von Apamoyo zu kümmern. Dohrenbusch ist Vorsitzender, Gründungsmitglied und Initiator des Vereins, der in Nairobi die Berufsausbildung junger Kenianer unterstützt. „Ich bin mindestens zweimal in Jahr in Afrika, um mich mit unseren Kooperationspartnern vor Ort auszutauschen, Pläne zu besprechen und mögliche neue Stipendiaten kennenzulernen“, erläutert Dohrenbusch. „Unser Ziel ist es, jungen Menschen eine qualifizierte Berufsausbildung zu finanzieren. Wenn jemand einen berufsbildenden Abschuss mit Brief, Siegel, Urkunde und Zertifikat vorweisen kann, erhöht das die Vermittlungschancen auf dem Arbeitsmarkt ungemein.“
Das ist in Kenia also nicht anders als in Deutschland. Aber die Wege eben diese Urkunden und Zertifikate zu erhalten, sind im Vergleich zu hiesigen Bedingungen auf den Kopf gestellt. Schulen jeglicher Art können nur besucht werden, wenn das entsprechende Schulgeld bezahlt wird. Jugendliche können keinen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb abschließen, sondern müssen sich an einem Berufs-College oder Ausbildungszentrum einschreiben. Statt eine Ausbildungsvergütung zu erhalten, fallen hohe Gebühren an. „Ein komplettes Ausbildungsjahr an einer berufsbildenden Schule kostet zwischen 600 und 1000 Euro“, erklärt Dohrenbusch. „Für deutsche Verhältnisse ist das nicht viel, in Kenia ist das ein Vermögen.“
Genau daran aber fehlt es bei vielen Kenianern, die in den Slums wohnen. Diese Erfahrung machte Dohrenbusch in den insgesamt zehn Jahren, die er als Afrika-Korrespondent mehrerer Tageszeitungen und des WDR-Hörfunks in Nairobi lebte. Die harte soziale Grenze hatte er dort jeden Tag vor Augen. „Auf der einen Seite einer Hauptverkehrsstraße lebten wir, auf der anderen Seite begann der Kibagare-Slum“, erinnert sich Dohrenbusch. „Tagtäglich habe ich dort Jugendliche rumlungern sehen, die nichts zu tun hatten. Und dann gab es immer wieder Berichte von Einbrüchen in unserer direkten Nachbarschaft.“
Als er sein Arbeitsleben beendet hatte und im beschaulichen Unterbach zur Ruhe kam, wollte der Journalist etwas an der Situation in Kenia ändern. So scharte er aus seinem Freundes- und Verwandtenkreis Menschen mit Afrika-Bezug um sich und gründete vor zehn Jahren Apamoyo. Das ist ein Kofferwort aus den swahilischen Begriffen für es gibt (apa), gemeinsam (pamoja) und Herz/Leidenschaft (moyo) und bedeutet so viel wie „gemeinsam mit Herz”.
Der Verein erhielt im März 2016 die Gemeinnützigkeitsanerkennung und darf Spendenquittungen ausstellen. „In den zehn Jahren haben wir 109 Stipendiaten, zu denen ich alle einen persönlichen Kontakt habe, gefördert und nicht nur bis zum Berufsabschluss begleitet, sondern darüber hinaus“, so Dohrenbusch. „90 Prozent unserer Absolventen haben eine feste Arbeitsstelle, die meisten in ihren erlernten Berufen – ein außergewöhnlich guter Wert. Wir haben auch ein Existenzgründerprogramm auf Darlehensbasis aufgelegt.“ Davon profitierte zum Beispiel Gabriel Kamau. Er hat mit Apamoyo-Unterstützung seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker abgeschlossen und eine eigene Werkstatt eröffnet. „Gabriel ist so gut, dass inzwischen einige Botschaften ihren Fuhrpark bei ihm warten lassen“, so Dohrenbusch.
Oder Felistas Wanjiku Njuguna: Sie musste zunächst ihre Ausbildung zur Hauswirtschafterin am „Kibondeni College of Catering and Institutional Management“ abbrechen, weil ihre Eltern die Ausbildungsgebühren nicht mehr aufbringen konnten. 2016 traf sie Dohrenbusch, erhielt ein Apamoyo-Stipendium, schaffte ihren Abschluss und studierte anschließend Tourismus-Management. Heute ist sie Leiterin der Ausbildungsküche an ihren ehemaligen Ausbildungs-College.
Das sind Erfolgsgeschichten, die neue Motivation geben, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzumarschieren, obwohl es auch zahlreiche Nackenschläge gibt. So steht die Finanzierung der Auszubildenden alljährlich auf tönernen Füßen. „Wir arbeiten rein spendenbasiert. Da ist es oft bis Jahresende nicht klar, ob wir unsere Unterstützung für das kommende Jahr in vollem Umfang aufrechterhalten können“, berichtet Dohrenbusch. „Vor zwei Jahren ist unser Budget geplatzt, weil sich der Wechselkurs zwischen Euro und Kenia-Schilling verschlechtert hatte. Plötzlich gab es für einen Euro nur noch 130 Kenia-Schillinge anstatt wie bis damals 175.“ Bei einem Jahresetat von rund 20.000 Euro ein herber Verlust. Das wurde aber überwunden. Dank der Spenden werden auch in diesem Jahr 28 Stipendiaten unterstützt, um ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen.
Zur Feier des zehnjährigen Bestehens von Apamoyo sind einige Veranstaltungen geplant. Am 30. April führt die Carl-Sonnenschein-Grundschule einen Spendenlauf durch. Ein Drittel des Erlöses geht an Apamoyo. Am 18. Mai gibt es in der Zicke ein Charity-Dinner. Der 29. August ist für das Sommerfest reserviert. Und erstmals führt Wim Dohrenbusch während einer Sponsorenreise (17. bis 31. Oktober) nach Kenia die Geldgeber dann zu den Menschen, die Apamoyo unterstützt.