Manchmal ist es wie verhext. Die Milchtüte fällt aus dem Kühlschrank, Kaffeebohnen sind leer und wer ist eigentlich dieser hässliche Typ, der da so saudumm zum Fenster reinschaut? Einmal Brille gerichtet und schon ist klar: Das ist ein Spiegel. Es gibt Tage, da läuft es nicht. Wie verhext eben. Dabei ist in der aufgeklärten Gesellschaft ja klar, dass das eigene Glück geschmiedet werden muss, so lang der frühe Vogel noch flüssig ist. Oder so. Eigenverantwortung halt.
Glaube und auch Aberglaube können helfen und trösten, wenn das mit der Eigenverantwortung mal nicht so geklappt hat oder man dem Glück ein wenig auf die Sprünge helfen will. Es soll Großmütter geben, die für das Erlangen des Klassenziels ihres Enkels Kerzen in der Kirche anzünden und Messen lesen lassen. Schadet gewiss nicht.
Anders hat es sich in der WM-Qualifikation verhalten, als die Demokratische Republik Kongo auf Nigeria getroffen ist. Letztlich setzten sich die Kongolesen im Elfmeterschießen durch. Sie dürfen noch auf die Teilnahme an der Weltmeisterschaft hoffen, Nigeria nicht. Selbstverständlich waren und sind die Nigerianer darüber sehr traurig. Letztlich zeigte Fortunas Münzwurf eben das kongolesische Wappen. Nichts anderes als Glück ist ja ein Elfmeterschießen. Könnte man meinen. Nicht so aber Nigerias Nationaltrainer Eric Chelle. Er unterstellte den Gegnern, dem Glück den Weg gewiesen zu haben: „Beim gesamten Elfmeterschießen hat ein Kongolese Voodoo praktiziert. Jedes Mal. Deshalb war ich ein wenig nervös wegen ihm.“
Besagter Kongolese habe eine Flüssigkeit aus einer Flasche versprüht. Gleich drei Nigerianer scheiterten vom Punkt. Komplett verweihwassert, die armen Spieler. Kann man natürlich für Unfug halten. Wie auch das Beten für den Klassenerhalt der Lieblingsmannschaft. Freilich schadet es genauso wenig, wie das Entflammen von Kerzen, um das Vorrücken nicht zu gefährden. Welche höhere Macht auch immer den Weltenlauf beeinflusst: Es ist nicht anzunehmen, dass es mit dem Weltfrieden nichts wird, weil zu viele Kapazitäten in Elfmeterschießen gesteckt werden. Oder in Kerzen. Oma wäre untröstlich.
Am besten vertraut man beim Anlauf zum Elfmeter einfach auf sich selbst. Dann braucht es keine Gebete oder Voodoo. Anschließend wirft man eine Prise Salz über die linke Schulter, klopft dreimal auf Holz, wirft mit dem Hufeisen nach dem Schornsteinfeger und betet ein Vater Unser. Sicher ist sicher.