„Lasst bloß nichts draußen liegen! Keine Brille. Keinen Schmuck. Keine Kamera. Sonst könnt ihr es auch gleich wegschmeißen.“ Francois Visser meint es ernst: Der sonst so schabernackige Driver-Guide hat schon manches Mal Gäste-Tränen trocknen müssen, weil die flinken Inventar-Meerkatzen blitzschnell zuschlagen bei sorglosen Touristen. Direkt vor den Balkonen der Namushasha River Lodge nämlich toben sie durchs Geäst der Bäume und flitzen gern auch mit Affenzahn über die Dächer der Bungalows. Eine durchaus putzige Show, wenn man denn die Türen fest schließt und die Warnung beherzigt.
Die Lodge, in der auf Schildern auch immer wieder vor Krokodilen und Flusspferden gewarnt wird, liegt direkt am Kwando River im äußersten Nordosten Namibias. Dort, im schmalen und lang gestreckten Caprivi-Zipfel, stehen im Bwabwata-Nationalpark fast 5000 Quadratkilometer Natur unter strengem Schutz. Im Norden begrenzt von Angola, im Süden von Botswana, im Westen vom Okavango-Fluss und im Osten vom Kwando, ist das Gebiet folglich ein Paradies für Tiere und für Menschen, die sie gern in Freiheit beobachten. Durch offene Grenzen und ohne Zäune wechseln sie ungehindert zwischen den Ländern hin und her – mitunter sogar in riesigen Herden.
Im Kwando sind sie der Boss. Und so friedlich, als könnten sie kein Wässerchen trüben.
Foto: Ekkehart Eichler
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Mit Pirsch-Profi zum Safari-Glück
Einen Vorgeschmack davon bekommt jeder bereits auf dem 200 Kilometer langen Trans-Caprivi-Highway von Divundu nach Namushasha. Immer wieder kreuzen Giraffen, Gnus, Impalas und Zebras den Weg. Mal von links aus Angola. Mal von rechts aus Botswana. Am Straßenrand moddern sich Warzenschweine zu bis über die Ohren, im Buschwerk fressen Elefanten sich satt an saftigen Blättern. Ein Auftakt nach Maß, der perfekt einstimmt auf die Abenteuer der Pirsch im Bwabwata selbst.
Wer sich dabei einem Profi anvertraut, ist definitiv auf der Safari-Sonnenseite. Zum einen, weil Pisten und Wege für Allrad-Laien durchaus anspruchsvoll und labyrinthisch sind. Zum zweiten, weil man sich so ganz und gar auf Umgebung und Tiere konzentrieren kann. Vor allem aber, weil es ohne Spürsinn, Instinkt, Geduld und Erfahrung des Experten viele Glücksmomente gar nicht gäbe. Ohne Francois´ Adleraugen etwa hätten wir die schnarchenden Löwen im Gras nie und nimmer entdeckt, die nur für Sekunden mal die Köpfe hoben zum Schütteln der Mähnen beim Gähnen. Wir hätten die Geier verpasst, die sich einen Büffelkadaver unter die scharfen Schnäbel gerissen hatten. Wir hätten den Pavian nicht knipsen können, der wie ein König auf seiner Astgabel thronte und sozusagen Hof hielt. Dank Francois´ Bauchgefühl donnerte die Büffelherde frontal vor uns über den Weg. Dank seiner Spürnase zog die Elefantenherde mit sage und schreibe 300 Tieren direkt vor uns vorbei durchs Marschland – und so weiter, und so fort.
Wer mit dem Boot auf dem Kwando unterwegs ist, der trifft auf jeden Fall Flusspferde.
Foto: Ekkehart Eichler
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Mit Lodge-Boot ins Hippo-Reich
Tags darauf: Wechsel von Gefährt und Perspektive. Mit dem Lodge-Boot geht es auf dem Kwando gemächlich gen Norden, und auch das Programm im Flusskino nimmt dramaturgisch ganz behutsam Fahrt auf. Mit blühenden Seerosen und gefiederten Schönheiten: ein schnäbelndes Bienenfresser-Pärchen, ein badender Waffenkiebitz, ein fliegender Sattelstorch, ein fischender Goliathreiher. Ein Fischadler späht nach Beute vom Wipfel eines Totholzbaumes, eine Rote Moorantilope steht ausgiebig Modell, und auch ein Prachtbüffelbulle hat die Ruhe weg – alles ganz friedlich, alles ganz entspannt.
Urplötzlich aber ändert sich alles: „Festhalten!“, brüllt der Steuermann und gibt Vollgas. Das Boot schießt nach vorn, und das keine Sekunde zu spät. Nur ein paar Armlängen vom Steuerbord-Rumpf entfernt, platschen die zentnerschweren Körper mehrerer Flusspferde ins Wasser. Offenbar beim Grasen gestört von den Eindringlingen im Revier machen hier sechs ausgewachsene Kolosse nebst einigen Kindern unmissverständlich klar, wer hier das Sagen hat. Erst 50 Meter weiter stoppt das Boot und legt sich hinter ein schützendes Seerosenfeld. Mit bestem Blick auf die braunen Brummer, die jetzt so friedfertig im Wasser abhängen als könnten sie kein Wässerchen trüben.
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Besuch bei dem Flusspferden am Kwando River
Ob es gefährlich war, wollen wir wissen. „Schwer zu sagen“, antwortet Francois: „Sie wirken harmlos und behäbig, aber sie sind leicht erregbar. Wenn ihnen zum Beispiel wie eben ein Boot zu nahe kommt, reagieren sie oft ziemlich aggressiv. Und ihre Zähne sind nun mal tödliche Waffen.“ Während langsam der Schreck aus den Knochen verfliegt und der Faszination des Beobachters weicht, erzählt der Guide leise noch einiges mehr über Afrikas gefährlichstes Säugetier, dem jedes Jahr angeblich 100 Menschen zum Opfer fallen. Ihre elfenbeinernen Eckzahn-Hauer sind mit glashartem Schmelz überzogen und können bis zu 60 Zentimeter lang werden. Ihre Kiefer haben die Kraft eines Vorschlaghammers; mit einem einzigen Biss erzeugen sie einen Druck von mehreren Tonnen. Gefährlich sind die vermeintlich so plumpen Veganer aber auch durch ihr Tempo – man mag es kaum glauben, aber Hippos können bis zu vierzig Stundenkilometern schnell rennen.
Aber diesen Monster-Klappen kommt man besser nicht zu nahe.
Foto: Ekkehart Eichler
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Flusspferde: Die Mega-Show der Monster-Klappen
Plötzlich unterbricht er: „Passt auf! Macht die Kameras klar. Gleich geht die Show los.“ Keine Ahnung, woher er das weiß, keine drei Sekunden später öffnet sich tatsächlich das erste Scheunentor. Weit und immer weiter. Bis es schließlich im rechten Winkel verharrt. Und langsam wieder zuklappt. Wenig später geht ein zweites Riesenmaul auf. Ebenso weit. Ebenso beeindruckend. Mit der ganzen Pracht der 44 scharfen Eck-, Schneide- und Backenzähne. Noch toller treibt es der dritte Kraftprotz: Er reißt sein Maul nicht nur irre weit auf, er schraubt sich gleichzeitig so weit aus dem Wasser, dass seine gewaltige Baggerschaufel fast horizontal gen Himmel steht – was für ein Anblick!
Eine halbe Stunde lang geht das so weiter. Reihum. Maul auf. Maul zu. Augen auf. Augen zu. Ohrenwackeln. Abtauchen. Auftauchen. Ohrenwackeln. Augen auf. Augen zu. Maul auf. Maul zu. Ob Gähnreflex oder Kraftmeierei, ob Wettbewerb oder einfach nur große Klappe – völlig egal. Dieses Schauspiel wird keiner je wieder vergessen. Mit den Hippos auf dem Kwando im Caprivi in Namibia.
Mehr Informationen:
Trip-Tipps für Namibiagrößer alsGrößer als Zeichen
Anreise: Discover Airlines und Lufthansa fliegen 6x pro Woche direkt von Frankfurt nach Windhoek; Tickets ab 645 Euro, Flugzeit 10,15 Stunden, Ankunft 9:15 Uhr morgens.
Einreise: Deutsche Touristen benötigen seit 1. April 2025 ein kostenpflichtiges Visum, das vorab online (e-Visa) oder bei Ankunft (“Visa on Arrival“) beantragt werden kann. Der Reisepass muss noch mindestens 6 Monate gültig sein. Erforderlich außerdem: Rückflugtickets und Nachweise über Unterkunft und finanzielle Mittel
Übernachtung: Divava Okavango Resort und Spa am Westrand des Bwabwata-NP, 2P im Chalet/HP ab 312 Euro; Gondwana Namushasha River Lodge am Ostrand des NP, 2P im Standardzimmer/F ab 268 Euro; Beide Lodges bieten auch Pirschfahrten im NP sowie Bootstouren auf Okavango/Kwando an
Pauschal: Gebeco hat Namibia mit insgesamt 19 Erlebnisreisen, Studienreisen und Privatreisen zwischen 9 und 20 Tagen Reisedauer im Programm. Die im Artikel beschriebenen Pirschfahrten im Caprivi und Bwabwata-Nationalpark sind u.a. enthalten in der 13tägigen Privatreise „Namibia – Naturparadies Caprivi“ ab 5.945 Euro
Weitere Infos unter Namibia Tourism.