Eine Reihe interessierter Zuhörerinnen und Zuhörer ist zum Vortrag von Franz Maise und Dagmar Keck über die Reise nach Hale in Tansania und den Besuch bei den Menschen von Nafgem in den Pfarrsaal nach Görwihl gekommen. Nafgem, gegründet im Jahr 1998, steht für Network Against Female Genital Mutilation (Netzwerk gegen weibliche Genitalverstümmelung). Nafgem engagiert sich gegen die weibliche Beschneidung und Kinderehen sowie für Bildung und Frauenrechte.

Angelika und Klaus Dahlin aus Niederwihl, die sich über Jahre hinweg in Tansania gegen die Praxis der Genitalverstümmelung engagiert haben, lernten Pfarrer Thomas, der heute in der Partnergemeinde von St. Wendelinus Hotzenwald lebt und arbeitet, damals als Zuständigen für Gesundheitsfragen kennen. Die Besucher, die jedes Jahr vom Hotzenwald nach Hale reisen, machen immer auch für einige Tage Station in den Einrichtungen von Nafgem.

Weibliche Beschneidung trotz Verbots

Eines der Schutzhäuser von Nafgem befindet sich in Moshi in direkter Nachbarschaft zum Kilimandscharo. Die Schutzhäuser sind mit Mauern und Stacheldraht geschützt, denn obwohl Genitalverstümmelungen auch in Tansania verboten sind, haben sie bei den Massai eine lange Tradition. In den Köpfen der Menschen dort spuke immer noch die Ansicht herum, dass den Mädchen mit der Beschneidung etwas Gutes angetan wird, erklärte Klaus Dahlin, der ebenfalls zum Vortrag gekommen war. Durch dieses Ritual sollen die Mädchen zu reifen Frauen werden, vor Krankheiten geschützt sein und leichter schwanger werden, obwohl tatsächlich genau das Gegenteil der Fall ist, erklärte der Gynäkologe.

Eine Abkehr von diesem Irrglauben gelinge nur über Bildung, warf Franz Maise ein. Deshalb sei es so wichtig, den Mädchen, die in den Schutzhäusern unterkommen, eine solche Bildung zukommen zu lassen. Wenn sie in ihre Dörfer zurückkehrten, hätten sie einen ganz anderen Status erlangt und seien nicht mehr gefährdet. In ihrer Zeit bei Nafgem gehen sie in die Schule und schließen eine Ausbildung ab. Nicht selten nehmen sie ein Studium auf, werden beispielsweise Krankenschwestern oder Tierarzthelferinnen.

Andere Perspektiven für Beschneiderinnen

In den Massaidörfern ist das Beschneidungsritual ein richtiges Volksfest, die Beschneiderinnen genießen hohes Ansehen. Für sie hat diese Tätigkeit auch einen wirtschaftlichen Faktor. Deshalb versucht Nafgem auch, sie an andere Tätigkeiten heranzuführen – etwa das Fertigen von bunten Perlenschnüren und Armbändern, von Seifen oder Kleidungsstücken, deren Verkaufserlös ihre Existenz sichert.

Merken die jungen Mädchen des Dorfes, dass Vorbereitungen für ein Beschneidungsfest getroffen werden, dann machen sie sich bei Nacht davon. Werden sie dann von der Polizei aufgegriffen, bringt diese sie in ein Schutzhaus, und der Staat erteilt Nafgem den offiziellen Auftrag, sich um die Mädchen zu kümmern.

Leider gebe es auch eine relativ große Zahl von Kindern mit Behinderungen in den Massaigebieten, berichtete Franz Maise. Gerade weil durch die Beschneidung die Geburt oft sehr stark beeinträchtigt sei, trete bei den Babys bei der Geburt nicht selten ein Sauerstoffmangel auf. Auch hier engagieren sich Menschen, etwa der weibliche Ableger der Rotarier im Markgräflerland, der jedes Jahr Geld spendet, um für diese Kinder mit Behinderungen ein Haus zu bauen.

Deutschlandweit engagiert sich das Netzwerk Rafael, die deutsche Partnerorganisation von Nafgem, für die Mädchen in den Schutzhäusern, beispielsweise durch die Werbung für Patenschaften. Franz Maise warb abschließend für das Weiterbestehen der Verbindung der Hotzenwälder zu Nafgem und zu Hale, auch in der neuen Pfarrei.