Bei den schweren Unruhen nach der Verkündung des Wahlergebnisses in Mosambik steigen die Opferzahlen weiter an. Nach Angaben der zivilgesellschaftlichen Organisation Plataforma Decide wurden 121 Menschen binnen 47 Stunden bei Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften getötet. Stunden zuvor hatte die Organisation noch von 56 Toten und 380 Verletzten gesprochen. Mosambiks Innenminister hatte am Abend zuvor 21 Tote genannt.
Die Unruhen begannen, nachdem der Verfassungsrat die Wahl von Daniel Chapo, dem Kandidaten der regierenden Partei Frelimo, mit 65 Prozent der Stimmen zum neuen Präsidenten bestätigt hatte. Oppositionsführer Venâncio Mondlane, der demnach auf nur 24 Prozent der Stimmen kam, wies das Ergebnis als manipuliert zurück. Er kündigte in einer Rede auf Facebook an, sich am 15. Januar zum Präsidenten zu erklären. Mondlane, der sich nach der Wahl im Oktober ins Ausland absetzte, appellierte an seine Anhänger, friedlich zu protestieren.
Doch in der Hauptstadt Maputo und anderen Städten wurden Geschäfte geplündert und Fahrzeuge und Gebäude in Brand gesetzt, darunter Polizeistationen und Parteizentralen der Frelimo. In Maputo errichteten Demonstranten Straßensperren, zerstörten Strommasten und raubten Banken aus. Viele Menschen blieben am Weihnachtstag zu Hause, da sie Übergriffe befürchteten. Die Regierung setzte neben der Polizei auch Spezialkräfte des Militärs und des Grenzschutzes ein.
Sturm auf Gefängnisse
Aus einem Gefängnis entkamen 86 Häftlinge, nachdem es von Demonstranten gestürmt worden war. An diesem Mittwoch kam es zu einem weiteren Gefängnisausbruch, bei dem Hunderte Häftlinge befreit worden sein sollen. Dabei wurden nach offiziellen Angaben 33 Menschen getötet
und 15 verletzt. Polizeichef Bernardino Rafael sprach von 1.534 Häftlingen, die bei dem Vorfall in der
Hauptstadt Maputo entkommen seien; davon seien zunächst 150
gefasst worden. Er machte Proteste vor dem Gefängnis für
den Aufstand verantwortlich. Dagegen sagte Justizministerin
Helena Kida, die Unruhen hätten im
Gefängnis begonnen und nichts mit den Demonstrationen zu tun.
In Mosambik leben rund 35 Millionen Menschen, von denen viele unter Armut und Misswirtschaft sowie den Auswirkungen des Klimawandels leiden. Die Partei Frelimo regiert seit 1975. Seit 1994 finden regelmäßige Wahlen in Mosambik statt.
© Lea Dohle
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Das Land leidet derzeit auch unter den Folgen des Zyklons Chido, bei dem eine Woche vor Weihnachten mindestens 120 Menschen ums Leben kamen. Mehr als 150.000 Häuser wurden von dem verheerenden Sturm beschädigt oder zerstört, außerdem Dutzende Krankenhäuser, Schulen und weitere Infrastruktur.