Kurzfassung des Artikels:
Der 19-jährige Joost Sievers aus Tasdorf bildet seit 27. Januar hochklassige Sportpferde auf einem Gestüt in Südafrika aus.

Der U25-Landesmeister im Springreiten trainiert dort täglich bis zu zwölf Pferde für den Turniersport.

Sievers schätzt die offene Lebenseinstellung der Menschen vor Ort und die gesammelten persönlichen Erfahrungen.

Sein Aufenthalt in Südafrika endet am 27. April, wenn er zu seinem 20. Geburtstag nach Tasdorf zurückkehrt.

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Wenn andere noch schlafen, sitzt Joost Sievers bereits im Sattel – das an sich tut er täglich mit Leidenschaft, aber dazu kommt noch, dass der 19-Jährige nicht irgendwelche Pferde reitet und auch nicht irgendwo: Der Tasdorfer lebt und arbeitet seit dem 27. Januar in Südafrika und bildet Pferde für den Spitzensport aus.

Pferde kommen nach Kapstadt zur Ausbildung

Auf dem Gestüt „334 Sporthorse Stud“ in Nottingham Road in der Provinz KwaZulu-Natal, an der Ostküste Südafrikas, eingebettet in einem Tal und umgeben von Bergen, widmet sich der amtierende U25-Landesmeister im Springreiten ganz seiner Leidenschaft: Bis zu zwölf Pferde reitet der Tasdorfer täglich, hochklassige Sportpferde, überwiegend der Holsteiner Rasse. Gemeinsam im Team bildet er sie für den Turniersport aus, Beginn ist morgens um 6.30 Uhr. „Die Pfleger fangen schon um 5.30 Uhr an“, berichtete Joost Sievers. Viele Pferde seien aus Europa eingeflogen und werden nach ihrer Ausbildung auch wieder nach Europa gebracht.

Arbeiten für den Weltcup-Sieger Govett Triggol

Doch wie kam es dazu, dass Joost Sievers zurzeit am anderen Ende der Welt Teil eines internationalen Teams ist, das für den Weltcup-Sieger Govett Triggol auf dessen Gestüt arbeitet? „Nach meinem Abitur an der Gemeinschaftsschule Brachenfeld in Neumünster überlegte ich zunächst, in den USA mit Pferden zu arbeiten“, berichtet Joost Sievers. Doch weil er noch keine 21 Jahre alt ist und daher nach US-amerikanischem Gesetz noch nicht alle Rechte besitzt, wollte er umdenken. Eine Reise nach Kapstadt im vergangenen Jahr mit Pferdefreunden wurde schließlich zum Wendepunkt. Über Kontakte ergab sich die Möglichkeit, auf dem Gestüt zu arbeiten – eine Chance, die er ergriff.

Berauschende Natur: Joost Sievers steht vor einem Wasserfall in Südafrika.
Foto: privat

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Auf der „334 Stud Farm“ – übrigens benannt nach dem Erfolgspferd „Wolke 334“ des Gestütgründers – stehen derzeit rund 60 Pferde, eine Erweiterung auf 80 Tiere ist geplant. Neben der sportlichen Entwicklung nimmt Joost Sievers auch viele persönliche Eindrücke mit, er berichtete begeistert von der anderen Lebenseinstellung, die auf der anderen Halbkugel herrsche: „Die Menschen hier sind sehr offen, sie lächeln viel. Es wirkt oft entspannter als in Deutschland.“ Auch das Miteinander im Team habe ihn geprägt. „Ich habe hier Freunde fürs Leben gefunden.“

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In Südafrika beginnt nun der Winter, wie der sich anfühlt, beschrieb Joost Sievers so: „Heute Morgen hatten wir Regen und Wind, wir liefen mit Jacken herum – bei 21 Grad.“ Neben der reiterlichen Erfahrung habe ihn auch die Verantwortung für die wertvollen Pferde wachsen lassen, Sievers: „Ich bin selbstständiger geworden. Mein Chef vertraut mir zu 100 Prozent. Das alles sind Erfahrungen, die bleiben werden.“

Reiten auf dem Hof seines Onkels Harm Sievers

Der Reitsport hat ihn seit frühester Kindheit begleitet, erzählte er: „Ich saß als Baby schon auf dem Pferd.“ Gelernt hat er unter anderem auf dem Hof seines Onkels Harm Sievers, der Holsteiner züchtet. Joosts Vater Marco Sievers ist übrigens der Bürgermeister in Tasdorf. Sievers junior sieht seine berufliche Zukunft aber nicht zwingend im Sattel, wie er erläutert: „Als Berufsreiter geht man ein hohes Risiko ein, eine Verletzung bei Tier oder Mensch darf dann nicht vorkommen. Man braucht auch eine eigene Anlage.“ Wenn er wieder in Deutschland ist, könne er sich ein Studium, etwa im Bauingenieurwesen oder in der Immobilienwirtschaft, gut vorstellen.

Am 27. April endet sein Aufenthalt in Südafrika. Dann kehrt Joost Sievers nach Tasdorf zurück – an seinem 20. Geburtstag. Im Gepäck: lebendige Eindrücke, die ihn geprägt haben.