Seit 2023 tobt im Sudan ein blutiger Bürgerkrieg. Millionen Menschen wurden vertrieben. Die Lage in dem Land und den Nachbarstaaten ist dramatisch.

Hunderte Kilometer mitten durch ein weitgehend karges Wüstengebiet. Bewaffnete Gruppen, die auf dem Weg lauern. Kaum Wasser oder Lebensmittel. Für viele Vertriebene des Bürgerkriegs im Sudan sieht so die Flucht aus der Konfliktregion Darfur aus. Und sind sie einmal in einem Flüchtlingscamp angekommen, finden sie zwar wenigstens für einen Moment Ruhe, doch auch dort fehlt es mittlerweile oft am Nötigsten.

Die Deutschlandchefin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Katharina Thote, war vor Ort und sagt, sie habe in mehr als 20 Jahren Tätigkeit im Flüchtlingsschutz kaum etwas Vergleichbares erlebt. Im Gespräch mit t-online erklärt sie, was Überfälle, Unsicherheit und die Finanzierungskrise für die Hilfe bedeuten und warum ausgerechnet eines der ärmsten Länder der Welt mit überraschenden Lösungen reagiert. Zudem hat sie eine unbequeme Antwort auf die Frage parat, was das alles mit Europa zu tun hat.

t-online: Frau Thote, im November waren Sie im Tschad an der Grenze zum Sudan, über die viele Flüchtlinge des sudanesischen Bürgerkriegs in das Nachbarland kommen. Wie dramatisch ist die Situation vor Ort?

Katharina Thote: Insgesamt hat der Tschad nunmehr 1,5 Millionen Flüchtlinge aus dem Sudan aufgenommen. Allein 900.000 von ihnen sind seit Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2023 geflohen. Und täglich kommen mehr Flüchtlinge in den Tschad. Wir waren dort am Grenzübergang von Adré, der der sudanesischen Stadt El Fascher am nächsten ist. In meinen mehr als 20 Jahren beim UNHCR habe ich eine solch harte Situation noch nicht erlebt.

Nicht direkt, aber aus der Umgebung. Die meisten dieser Flüchtlinge haben uns erzählt, dass sie nach wie vor Familie in El Fascher haben, aber der Kontakt abgebrochen sei. Aus anderen Flüchtlingscamps im Norden des Sudan habe ich ebenfalls Berichte von UNHCR-Mitarbeitern gehört: Dort erzählen sie von getöteten Familienmitgliedern, aber auch davon, dass Menschen verschleppt wurden, vor allem Männer und männliche Jugendliche. Die meisten Flüchtlinge sind deshalb auch Frauen und Kinder, ob im Tschad oder in sudanesischen Flüchtlingscamps.