{"id":10050,"date":"2026-04-25T21:32:18","date_gmt":"2026-04-25T21:32:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10050\/"},"modified":"2026-04-25T21:32:18","modified_gmt":"2026-04-25T21:32:18","slug":"240411-blog-voelkermord-ruanda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10050\/","title":{"rendered":"240411 Blog V\u00f6lkermord Ruanda"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" alt=\"M\u00fcller,  Oliver\" class=\"lazyload\" data-cn-number=\"2260511\" src=\"https:\/\/cdn3.carinet.de\/documents\/thumbs\/433899975_20220308164656_100x100_Crop_0_0.jpg\"\/>                <\/p>\n<p style=\"\">\n                         Ein Beitrag von  Oliver M\u00fcller  <br \/>Leiter Caritas international<br \/>11. April 2024 \/ Lesedauer: 0 Minuten\n                    <\/p>\n<p class=\"teaser-text teaser-text--no-margin-top teaser-text--margin-bottom\">\n    30 Jahre nach dem V\u00f6lkermord in Ruanda erinnert sich Dr. Oliver M\u00fcller, heute Leiter von Caritas international, an seinen pr\u00e4gendsten Auslandseinsatz. Im Sommer 1994, nur wenige Monate nach Beginn des V\u00f6lkermords in Ruanda, reiste er in den Ost-Kongo, wo Millionen Fl\u00fcchtlinge aus Ruanda unter grausamen Bedingungen lebten \u2013 und starben.\n<\/p>\n<p>Im Sommer 1994 arbeitete ich erst seit zwei Jahren f\u00fcr Caritas international, damals in der \u00d6ffentlichkeitsarbeit. Es war eine meiner ersten gro\u00dfen Auftr\u00e4ge, \u00fcber den V\u00f6lkermord in Ruanda und seine Folgen zu berichten. Es war eine beispiellose Trag\u00f6die. Die Weltgemeinschaft hatte v\u00f6llig versagt. Trotz einer vorhandenen Schutztruppe vor Ort zeigte die internationale Gemeinschaft \u00fcber die Jahre viel zu wenig Pr\u00e4senz und war unf\u00e4hig, rechtzeitig einzugreifen, als der Genozid ausbrach. Dieses Versagen hat weltweit f\u00fcr Aufsehen gesorgt. Die Massenflucht der Hutu in den Ostkongo im Anschluss war eine weitere ersch\u00fctternde Entwicklung. Die Region war nicht darauf vorbereitet, eine solch gro\u00dfe Anzahl von Menschen aufzunehmen.<\/p>\n<p class=\"icaption_nonfloating\" style=\"width:300px; background: none;\"><img decoding=\"async\" class=\"no-border\" style=\"float:clear;\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/hintergrund.png\" alt=\"Infografik Ruanda\"\/><\/p>\n<p id=\"ember46\" reader-content-blocks__paragraph=\"\">Im Juli 1994 bin ich mit einem Hilfsg\u00fcterflieger \u00fcber Nairobi direkt nach Goma, die Hauptstadt des Ost-Kongo, geflogen. Wir starteten in Frankfurt, mit einer Frachtmaschine voller Lebensmittel.<\/p>\n<p class=\"icaption_nonfloating\" style=\"width:300px;\"><img decoding=\"async\" class=\"no-border\" style=\"float:clear;\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/frav006317.jpg\" alt=\"Bild Kongo 3\"\/>Fotograf: Oliver M\u00fcller, 1994<\/p>\n<p>Ich hatte keine Ahnung, was ich vor Ort vorfinden w\u00fcrde \u2013 au\u00dfer, dass es wirklich schlimm werden w\u00fcrde. Vor Ort herrschte extremer Hunger, und dann brach die Cholera aus. Cholera ist relativ leicht zu bek\u00e4mpfen \u2013 wenn sie rechtzeitig erkannt wird. In Goma breitete sie sich wie eine Seuche aus. Es gab keine medizinische Hilfe, kaum Infusionen, kein Wasser. Den Menschen fehlte es an allem.<\/p>\n<p id=\"ember50\" reader-content-blocks__paragraph=\"\">In Goma angekommen, war ich schockiert und emp\u00f6rt \u00fcber die unzureichende Hilfe vor Ort. 1,2 Millionen Menschen schliefen unter freiem Himmel. Kaum Lebensmittel, verunreinigtes Trinkwasser, \u00fcberall Schmerz und Tod. Das internationale Versagen, die vielen Todesf\u00e4lle zu verhindern, besch\u00e4ftigt mich bis heute.<\/p>\n<p class=\"icaption_nonfloating\" style=\"width:300px;\"><img decoding=\"async\" class=\"no-border\" style=\"float:clear;\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/frav006303.jpg\" alt=\"Bild Kongo 2\"\/>Fotograf: Oliver M\u00fcller, 1994<\/p>\n<p id=\"ember52\" reader-content-blocks__paragraph=\"\">Auch wir versuchten, mit einfachen Mitteln zu helfen. Aber vor Ort war alles unkoordiniert. R\u00fcckblickend erkenne ich, welche Entwicklungen in den vergangenen 30 Jahren stattgefunden haben. Zum Beispiel gab es damals keine Cluster-Meetings, bei denen sich die Verantwortlichen f\u00fcr Wasserversorgung oder f\u00fcr Lebensmittelversorgung trafen. Auch das Prinzip der Lokalisierung, das wir bei Caritas international schon damals lebten, ist heute viel wichtiger geworden. Lokale Organisationen sind oft als erste vor Ort, sie helfen am nachhaltigsten und effektivsten. Lokalisierung steht im Gengensatz zu dem blinden Aktionismus zahlreicher Hilfsorganisationen, den ich 1994 in Goma erlebte.<\/p>\n<p id=\"ember53\" reader-content-blocks__paragraph=\"\">So f\u00fcllten sich die Stra\u00dfenr\u00e4nder mit Leichen, Tote \u00fcberall. Nach wenigen Tagen hing ein Geruch \u00fcber ganz Goma, den ich bis heute in der Nase habe, wenn ich mich intensiv daran erinnere. Als junger Referent stellte ich mir die Frage: Was ist der Wert eines Lebens? Ich erinnere mich an eine schreckliche Szene: Ein an Cholera Verstorbener lag mitten auf der Stra\u00dfe. Die Autos fuhren unbeirrt um ihn herum, einige fuhren sogar \u00fcber die Leiche. Dieser Moment zeigte mir, dass das einzelne Leben in dieser Situation praktisch keinen Wert mehr hatte. Wir m\u00fcssen alles tun, um so eine Situation zu vermeiden!<\/p>\n<p id=\"ember53\" reader-content-blocks__paragraph=\"\">\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"mobileKommentar\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/vorlage_rund_4.png\" alt=\"Oliver M\u00fcller Blog\"\/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"quoteKommentar\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/quotes_v2.png\" alt=\"Kommentar Icon\"\/><\/p>\n<p>Das ist es, was mich bis heute antreibt. Daf\u00fcr zu sorgen, dass jeder Mensch die gleiche W\u00fcrde und die gleichen Rechte hat, auch in einer extrem zugespitzten Notsituation.\n<\/p>\n<p>Oliver M\u00fcller, Leiter von Caritas international<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/vorlage_rund_4.png\" alt=\"Oliver M\u00fcller Blog\"\/><\/p>\n<p class=\"nbsp\">\u00a0<\/p>\n<p id=\"ember55\" reader-content-blocks__paragraph=\"\">Seitdem war ich in unz\u00e4hligen Kriegs- und Krisengebieten, aber die Reise in den Ost-Kongo 1994 ist f\u00fcr mich bis heute die ersch\u00fctterndste. Weil das Massensterben vermeidbar gewesen w\u00e4re. Ich stand da inmitten des Chaos, als Vertreter einer Organisation, die ihr M\u00f6glichstes getan hat, aber gleichzeitig anerkennen musste: Es war nicht genug. Die Katastrophe in Goma war f\u00fcr mich pers\u00f6nlich nicht unbedingt ein Wendepunkt, aber ein Ausgangspunkt f\u00fcr alles, was danach kam.<\/p>\n<p class=\"icaption_nonfloating\" style=\"width:300px;\"><img decoding=\"async\" class=\"no-border\" style=\"float:clear;\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/frav008831.jpg\" alt=\"Bild Kongo 4\"\/>Fotograf: Oliver M\u00fcller, 1994<\/p>\n<p id=\"ember57\" reader-content-blocks__paragraph=\"\">Ich bin 1996 nochmal nach Goma zur\u00fcckgekehrt. Damals habe ich die Massenr\u00fcckkehr der Fl\u00fcchtlinge nach Ruanda dokumentiert. Es gab eine Stelle, an der im Juli 1994 ein riesiges Massengrab ausgehoben worden war. Als ich zwei Jahre sp\u00e4ter an dieser Stelle vorbeikam, standen dort hohe Bananenplantagen. Wenn ich heute Bananenpflanzen sehe, denke ich daran. Das werde ich nie vergessen.<\/p>\n<p id=\"ember57\" reader-content-blocks__paragraph=\"\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Beitrag von Oliver M\u00fcller Leiter Caritas international11. 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