{"id":10148,"date":"2026-04-26T02:26:57","date_gmt":"2026-04-26T02:26:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10148\/"},"modified":"2026-04-26T02:26:57","modified_gmt":"2026-04-26T02:26:57","slug":"fc-bayern-warum-das-sponsoring-durch-ruanda-umstritten-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10148\/","title":{"rendered":"FC Bayern: Warum das Sponsoring durch Ruanda umstritten ist"},"content":{"rendered":"<p>Was ist in Ostkongo passiert?<\/p>\n<p>Im Osten der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/demokratische-republik-kongo\/t-18054927\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Demokratischen Republik Kongo<\/a> , in der Region Nord-Kivu, die an <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/uganda\/t-18456904\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Uganda<\/a> und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ruanda\/t-17548117\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ruanda<\/a> grenzt, schwelt seit mehr als zehn Jahren ein blutiger Konflikt. Die Rebellengruppe M23 k\u00e4mpft gegen die Zentralregierung. Vor wenigen Tagen ist M23 mit der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/afrika-kongo-goma-miliz-rebellen-v2\/a-71421134\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Einnahme der Provinzhauptstadt Goma<\/a> ein gro\u00dfer milit\u00e4rischer Erfolg gelungen, der die humanit\u00e4re Krise in der Region noch versch\u00e4rft hat. Unter den Todesopfern der K\u00e4mpfe um Goma waren auch mehrere <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/blauhelme-im-ostkongo-ungeliebt-aber-noch-gebraucht\/a-71466319\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">UN-Friedenssoldaten<\/a>.<\/p>\n<p><a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/kongo-krise-warum-ruanda-die-m23-rebellen-unterst\u00fctzt\/a-68345986\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Offenbar wird M23 von Ruanda unterst\u00fctzt<\/a>, was die ruandische Regierung aber bestreitet. Die Vereinten Nationen (UN) haben das Land dennoch wiederholt aufgefordert, seine Truppen aus der Demokratischen Republik Kongo abzuziehen und die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Gruppe einzustellen.<\/p>\n<p>Was hat das mit dem FC Bayern zu tun?<\/p>\n<p>Der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/fc-bayern-m\u00fcnchen\/t-17308245\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">FC Bayern M\u00fcnchen<\/a> ist beteiligt, weil\u00a0er 2023 einen Sponsorenvertrag mit dem Sportministerium Ruandas abschloss und seitdem f\u00fcr &#8222;Visit Rwanda&#8220;, die Tourismusmarke des afrikanischen Landes Werbung macht. Nach dem englischen Verein FC Arsenal und dem franz\u00f6sischen Top-Klub Paris Saint-Germain sind die M\u00fcnchener der dritte Fu\u00dfballklub, der eine solche Partnerschaft eingegangen ist.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"66691708\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/66691708_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Spieler von Paris St. Germain beim Training mit Schriftzug &quot;Visit Rwanda&quot; auf der Kleidung\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Neben dem FC Bayern werben auch Paris St. Germain (Foto) und der FC Arsenal mit dem Slogan &#8222;Visit Rwanda&#8220;Bild: FRANCK FIFE\/AFP\/Getty Images<\/p>\n<p>Nun hat die Au\u00dfenministerin der Demokratischen Republik Kongo, Therese Kayikwamba Wagner, die Bayern in einem Brief, der an alle drei Vereine ging, aufgefordert, den Vertrag zu beenden.<\/p>\n<p>&#8222;Unz\u00e4hlige Menschen haben ihr Leben verloren, es kommt zu Vergewaltigungen, Mord und Diebstahl. Ihr Sponsor ist f\u00fcr dieses Elend direkt verantwortlich. Wenn nicht f\u00fcr euer eigenes Gewissen, dann sollten die Vereine es f\u00fcr die Opfer der ruandischen Aggression tun&#8220;, schrieb sie.<\/p>\n<p>Wie hat der FC Bayern reagiert?<\/p>\n<p>Der Bundesligist hat bisher weder auf eine Anfrage der DW geantwortet noch sich \u00f6ffentlich zu dem Thema ge\u00e4u\u00dfert. Kurz nach der Unterzeichnung des Vertrages im Jahr 2023 verteidigte Jan-Christian Dreesen, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, den Vertrag jedoch.<\/p>\n<p>&#8222;Ja, wir nehmen Geld aus Ruanda, aber wir tun auch etwas daf\u00fcr, indem wir offen dar\u00fcber reden, Trainer dorthin schicken, eine gemeinsame Jugendakademie aufbauen und so weiter&#8220;, sagte er der DW. &#8222;Wir wollen Teil der Entwicklung Ruandas sein und uns auch f\u00fcr Afrika als einen Kontinent der M\u00f6glichkeiten einsetzen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Es ist ein Konflikt mit internationalen Reaktionen in den letzten Tagen&#8220;, sagte Dreesen in einem Interview mit der DW am Mittwoch. &#8222;Ich habe pers\u00f6nlich zwei Mitarbeiter nach Ruanda geschickt, um sich ein eigenes Bild von der Situation zu machen.&#8220; Man sei zudem im Austausch mit dem Ausw\u00e4rtigen Amt und den Beh\u00f6rden. Man werde die Berichte von vor Ort abwarten und dann &#8222;die weiteren Schritte besprechen&#8220;.<\/p>\n<p>Gab es fr\u00fcher bereits Kritik an Sponsoren-Partnerschaften des FC Bayern?<\/p>\n<p>Ja, denn der Vertrag mit Ruanda wurde weniger als zwei Monate nach dem <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/bayern-muenchen-beendet-zusammenarbeit-mit-qatar-airways\/a-66052312\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ende eines \u00e4hnlichen Abkommens mit dem W\u00fcstenemirat Katar<\/a> unterzeichnet, das sich ebenfalls als h\u00f6chst umstritten erwies und einen <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/sponsoring-von-qatar-airways-beim-fc-bayern-der-zerrissene-klub\/a-59899631\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">tiefen Riss zwischen dem Verein und seinen Fans<\/a> verursachte. Die Haltung der katarischen Regierung gegen\u00fcber Andersdenkenden und in <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/menschenrechte\/t-17398927\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Menschenrechtsfragen<\/a> geriet w\u00e4hrend der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/fu\u00dfball-weltmeisterschaft-der-m\u00e4nner\/t-43526812\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fu\u00dfballweltmeisterschaft 2022<\/a> ins Rampenlicht.<\/p>\n<p>Die aktive Fangemeinde des FC Bayern war der Meinung, dass die Politik des Landes nicht mit den erkl\u00e4rten Werten des Vereins \u00fcbereinstimmt. Bei der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/jahreshauptversammlung-des-fc-bayern-eklat-wegen-katar\/a-59942927\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jahreshauptversammlung des Vereins im November 2021<\/a> gab es lautstarke Proteste, denen sich der Vereinsvorstand schlie\u00dflich entzog, indem er die Veranstaltung abbrach, ohne das Katar-Thema mit den Vereinsmitgliedern zu diskutieren.<\/p>\n<p>Wie profitieren der FC Bayern und Ruanda von ihrer Partnerschaft?<\/p>\n<p>Im Falle des Klubs scheint die Antwort zun\u00e4chst Geld zu sein. Der F\u00fcnfjahres-Vertrag soll den Bayern \u00fcber f\u00fcnf Millionen Euro pro Jahr (5,15 Millionen Dollar) einbringen. Au\u00dferdem will der Verein sein Profil in der Region sch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>&#8222;Afrika ist ein Kontinent der M\u00f6glichkeiten. F\u00fcr den FC Bayern ist dies der n\u00e4chste wichtige Schritt in der Internationalisierung&#8220;, sagte Dreesen bei der Unterzeichnung des Vertrages. Letztlich ginge es auch hier darum, die kommerziellen Einnahmen zu steigern.<\/p>\n<p>F\u00fcr Ruanda ist das erkl\u00e4rte Ziel, &#8222;die Entwicklung des Jugendfu\u00dfballs f\u00fcr Jungen und M\u00e4dchen in Ruanda zu unterst\u00fctzen&#8220;, und zwar durch die von Bayern M\u00fcnchen im Land eingerichtete Akademie, so die damalige Sportministerin Aurore Mimosa Munyangaju.<\/p>\n<p>&#8222;Die Ruander haben das Potenzial, sich im Fu\u00dfball hervorzutun, und diese Partnerschaft bietet eine gro\u00dfartige Plattform f\u00fcr Ruanda, um Spitzenleistungen im Sport anzustreben&#8220;, sagte sie.<\/p>\n<p>Viele internationale Beobachter sehen das jedoch anders. Ruanda und sein Staatschef Paul Kagame werden zunehmend des <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/sportswashing\/t-65847725\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sportswahings<\/a> beschuldigt &#8211; sie nutzen den Sport, um in der \u00d6ffentlichkeit ein positives Bild zu vermitteln, das nicht der Realit\u00e4t entspricht.<\/p>\n<p>&#8222;Diese Sponsorings haben dazu beigetragen, Ruanda in den Augen der Welt sauber zu machen. Ruanda, das ein sehr armes Land ist, hat beschlossen, sein Geld zur Unterst\u00fctzung dieser Vereine auszugeben. Es hat Vertr\u00e4ge mit der Radsportweltmeisterschaft abgeschlossen und hofft, dass die Formel 1 in Ruanda stattfindet. Das schafft das Image eines modernen, fortschrittlichen, sauberen und sicheren afrikanischen Landes&#8220;, so die Autorin und Journalistin Michela Wrong gegen\u00fcber der DW.<\/p>\n<p>&#8222;Aber gleichzeitig interveniert es sehr stark im Nachbarland (DR) Kongo und stiftet Chaos in diesem Land und ist f\u00fcr Tausende von Toten verantwortlich.&#8220;<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnte als n\u00e4chstes passieren?<\/p>\n<p>Die Situation im Konfliktgebiet ist unbest\u00e4ndig. Laut den Agenturen Reuters und AP soll M23 nach der Einnahme Gomas, die hunderte Todesopfer forderte, einen Waffenstillstand angek\u00fcndigt haben. Frankreich hat Ruanda zum &#8222;sofortigen&#8220; Abzug aus dem Land aufgefordert, der britische Au\u00dfenminister David Lammy sagte, die M23 h\u00e4tte Goma nicht ohne materielle Unterst\u00fctzung durch ruandische Verteidigungskr\u00e4fte einnehmen k\u00f6nnen, und Deutschland geh\u00f6rt zu den Gro\u00dfm\u00e4chten, die \u00fcberlegen, ob sie weiterhin Hilfe nach Ruanda schicken sollen.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"71500922\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/71500922_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Gro\u00dfes Transparent vor der Fankurve des FC Bayern mit Karikaturen des damaligen Vorstandvorsitzenden Oliver Kahn und Bayern-Pr\u00e4sident Herbert Hainer mit dem Schriftzug &quot;F\u00fcr Geld waschen wir alles rein&quot;\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Wird es von Fanseite gegen das Ruanda-Sponsoring \u00e4hnliche Protestaktionen geben wie gegen die Partnerschaft mit Katar?Bild: picture alliance\/Pressebildagentur ULMER<\/p>\n<p>Welche Auswirkungen es beim FC Bayern geben wird, muss sich zeigen. In Anbetracht der politisch engagierten Fans in Deutschland werden die Bayern wahrscheinlich intern viel st\u00e4rker unter Druck geraten als PSG oder Arsenal, und wie im Falle Katars muss der Verein entscheiden, ob der PR-Schaden die Einnahmen wert ist.<\/p>\n<p>&#8222;Ich glaube nicht, dass sie Geld aus Ruanda annehmen m\u00fcssen, sie k\u00f6nnen andere Sponsoren finden&#8220;, sagt Michaela Wrong. &#8222;Ich w\u00fcrde sie ermutigen, dies zu tun.&#8220;<\/p>\n<p>Die Bayern sind am Freitagabend in der Fu\u00dfball-Bundesliga Gastgeber von Werder Bremen. Auch im Stadion k\u00f6nnten dann &#8211;\u00a0wie schon beim Katar-Sponsoring &#8211;\u00a0Transparente zu sehen sein oder andere Aktionen erfolgen, mit denen die Fanszene ihren Protesten Geh\u00f6r verschafft.<\/p>\n<p>Der Text wurde aus dem englischen Original <a rel=\"noopener follow nofollow\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/en\/bayern-munich-and-rwanda-why-is-the-sponsorship-deal-so-controversial\/a-71494522\" title=\"Externer Link \u2014 &quot;Bayern Munich and Rwanda: Why is sponsorship controversial?&quot;\">&#8222;Bayern Munich and Rwanda: Why is sponsorship controversial?&#8220;<\/a> adaptiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was ist in Ostkongo passiert? 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