{"id":10203,"date":"2026-04-26T05:29:26","date_gmt":"2026-04-26T05:29:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10203\/"},"modified":"2026-04-26T05:29:26","modified_gmt":"2026-04-26T05:29:26","slug":"die-umstrittene-sportinvestmentstrategie-in-ruanda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10203\/","title":{"rendered":"Die umstrittene Sportinvestmentstrategie in Ruanda"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Merhawi Kudus f\u00e4hrt in Schr\u00e4glage durch eine Kurve.\" alt=\"Merhawi Kudus f\u00e4hrt in Schr\u00e4glage durch eine Kurve.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/merhawi-kudus-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Afrikanische Fahrer mischen den Radsport immer mehr auf. 2025 findet die Rad-WM in Ruanda statt. (IMAGO\/Sirotti)<\/p>\n<p>Radsport in Ruanda ist etwas Besonderes. Trommelgruppen bauen sich bei Start und Ziel der Etappen der Tour du Rwanda auf. Fu\u00dfballfans streuen Vuvuzela-Kl\u00e4nge ein. Trotz aller Leidenschaft stehen die Menschen aber auch brav in einer wie mit einem Lineal gezeichneten Linie einen Meter vor dem Asphalt. <\/p>\n<p>Gleichzeitig ist Radfahren in Ruanda allgegenw\u00e4rtig. Fahrradtaxis transportieren auf gepolsterten Sitzen Passagiere durch die Stadt. Komplette M\u00f6belst\u00fccke, riesige S\u00e4cke mit Brennholz oder meterlange Rohre werden ebenfalls mit diesen einfachen R\u00e4dern ohne Gangschaltung fortbewegt. Manche Fahrradtaxifahrer sind so fit, dass sie den Sprung vom Transportkleinstunternehmer zum Leistungssportler schaffen. <\/p>\n<p>So auch Eric Nduwayo, zweimaliger Teilnehmer der Tour du Rwanda: \u201eIch sah damals ein paar von den Nationalfahrern an uns vorbeifahren. Und dann folgte ich ihnen einfach. Und ein paar von den Jungs fragten mich, wie ich mich so f\u00fchle und ob ich nicht bei ihnen mitmachen m\u00f6ge. Und ich sagte: Ok!&#8220;<\/p>\n<p>                Talentschmiede Taxifahrer im Fahrrad-Paradies Ruanda<\/p>\n<p>Eric Nduwayo hat seine Stra\u00dfenkarriere mittlerweile beendet. Die alte Scoutingpraxis hat sich aber verfeinert. Zur Talentsichtung werden regelm\u00e4\u00dfig Rennen zwischen Fahrradtaxifahrern ausgerichtet.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Radfahrer bei der Tour du Rwanda.\" alt=\"Radfahrer bei der Tour du Rwanda.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/rad-wm-ruanda-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Immer mehr Taxifahrer schaffen in Ruanda den Sprung in den Radsport. (Tom Mustroph)<\/p>\n<p>Internationale Radprofis sind von diesem Fahrrad-Paradies besonders angetan. Itamar Einhorn, Radprofi aus Israel und erster Tr\u00e4ger des gelben Trikots der diesj\u00e4hrigen Tour du Rwanda schw\u00e4rmt vom ostafrikanischen Land: \u201eEs sind sehr warmherzige und entgegenkommende Menschen hier, ein sch\u00f6nes Land, die Stra\u00dfen sind einfach pr\u00e4chtig, haben bessere Qualit\u00e4t als in manchen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p>                Ein Radsport-Trainingszentrum als Lernprojekt<\/p>\n<p>Der Auftritt seines Teams aus Israel hatte noch eine ganz besondere politische Bedeutung. In Ruanda wurden 1994 w\u00e4hrend des Genozids mehr als eine Million Menschen umgebracht. Der Staat Israel wiederum entstand als Folge des Holocausts. Das verbindet, von Kontinent zu Kontinent.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr uns bringt der Aufenthalt hier die gesamte Geschichte des j\u00fcdischen Volkes noch einmal hoch&#8220;, erz\u00e4hlt Tsadok Yecheskeli, Betreuer bei Israel Premier Tech. <\/p>\n<p>&#8222;Hier ganz in der N\u00e4he ist eine Kirche, in der fast Tausend Menschen umgebracht wurden. Jetzt bringt das f\u00fcr mich aber auch die Erinnerungen vom 7. Oktober wieder hoch. Ich war \u00f6fter hier in den letzten Jahren und wir sprachen dann \u00fcber den Holocaust. Jetzt reden wir \u00fcber den 7. Oktober.&#8220; <\/p>\n<p>Yecheskelis Rennstall betreibt seit letztem Jahr ganz in der N\u00e4he der Genozid-Gedenkst\u00e4tte ein Radsport-Trainingszentrum vor allem f\u00fcr Frauen und M\u00e4dchen in der Region. Es ist ein Lernprojekt f\u00fcr beide Seiten.<\/p>\n<p>\u201eWas wir hier mitnehmen von den Menschen aus Ruanda, ist, dass man Krieg \u00fcberwinden, sich wieder vereinen und Frieden finden kann. Ich glaube, dass wir einen Weg finden m\u00fcssen, mit den Pal\u00e4stinensern zu leben, und die Pal\u00e4stinenser m\u00fcssen einen Weg finden, mit uns zu leben.\u201c<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Radfahrer und Zuschauer bei der Tour du Rwanda.\" alt=\"Radfahrer und Zuschauer bei der Tour du Rwanda.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/radsport-ruanda-rad-wm-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Der Radsport erfreut sich in Ruanda gro\u00dfer Beliebtheit. (Tom Mustroph)<\/p>\n<p>                Ruanda mit erschreckender Menschenrechtsbilanz<\/p>\n<p>Der Frieden in Ruanda erinnert zuweilen aber an die Stille von Friedh\u00f6fen. Denn die Regierung gibt vor, in welchen Formulierungen \u00fcber den Genozid zu berichten ist. Wer sich als ausl\u00e4ndischer Journalist anmeldet, muss das sogar unterschreiben.<\/p>\n<p>Oppositionelle werden verfolgt, teils durch Todeskommandos im Ausland umgebracht. Die Menschenrechtsbilanz ist erschreckend, die Kritik von Organisationen wie Human Rights Watch harsch.<\/p>\n<p>Das macht die internationalen Sportveranstaltungen im Lande und die Investitionen in den westlichen Profisport wie etwa als Sponsor bei Bayern M\u00fcnchen fragw\u00fcrdig. 7 Millionen Euro zahlt das Land allein an Lizenzgeb\u00fchren f\u00fcr die UCI, um die WM 2025 im Lande zu haben. Der Sponsorendeal mit dem FC Bayern M\u00fcnchen ist laut Sch\u00e4tzungen in den Medien f\u00fcnf Millionen Euro pro Jahr schwer, der mit dem FC Arsenal 10 Millionen und der mit Paris St. Germain 8 bis 10 Millionen.<\/p>\n<p>                Sportswashing in Ruanda: &#8222;Wollen mit Frankreich und Deutschland das gleiche Wachstum erleben&#8220;<\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rde, die die Kampagne verantwortet, verteidigt das als sinnvolles Investment:<\/p>\n<p>\u201cSeit dem Beginn der Partnerschaft mit Arsenal ist die Anzahl der Besucher aus Gro\u00dfbritannien um 30% angestiegen. Das gleiche Wachstum wollen nun mit Frankreich und Deutschland erleben.\u201c<\/p>\n<p>Kritik, dass daf\u00fcr Entwicklungshilfegelder zweckentfremdet werden und das Image des Landes reingewaschen werden soll, weist das Rwanda Development Board zur\u00fcck:<\/p>\n<p>\u201cWir investieren, um dann mehr einzunehmen. Allein 2023 haben wir um die 550 Millionen Dollar durch Tourismus eingenommen. Es war ein Rekordjahr. Und es macht Sinn, einen Teil davon in Partnerschaften zu stecken, die unseren Umsatz erh\u00f6hen.\u201d<\/p>\n<p>                Balanceakt f\u00fcr Sportler*innen<\/p>\n<p>F\u00fcr Sportler, die an solchen Events teilnehmen, bleibt die Abw\u00e4gung schwierig. Vincent Dorn, Radprofi bei Team Bike Aid und Teilnehmer der Tour du Rwanda:<\/p>\n<p>\u201eAuf der einen Seite ist es wichtig, dass es auch solche Events gibt, dass es irgendwie Verst\u00e4ndigung gibt zwischen den Nationen. Und ja, daf\u00fcr muss man sich aber auch wirklich genau anschauen, wie der Zustand in den L\u00e4ndern ist und darf nicht nur hinkommen und sagen: Ach, es ist alles sch\u00f6n und wunderbar, wir kriegen hier die tollen Hotels. Und tats\u00e4chlich werden wir aber eigentlich benutzt, um f\u00fcr irgendwelche Menschenrechtsverletzer geradezustehen oder ihre Menschenrechtsverletzungen sauber zu waschen.\u201c<\/p>\n<p>Aufkl\u00e4rung \u00fcber diese Problemlage ist das Mindeste, was Sportler und Medien machen k\u00f6nnen und machen m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Afrikanische Fahrer mischen den Radsport immer mehr auf. 2025 findet die Rad-WM in Ruanda statt. 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