{"id":10223,"date":"2026-04-26T06:23:10","date_gmt":"2026-04-26T06:23:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10223\/"},"modified":"2026-04-26T06:23:10","modified_gmt":"2026-04-26T06:23:10","slug":"zweitgroesster-diamant-in-botswana-gefunden-diamanten-sind-doch-nicht-fuer-ewig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/10223\/","title":{"rendered":"Zweitgr\u00f6\u00dfter Diamant in Botswana gefunden: Diamanten sind doch nicht f\u00fcr ewig"},"content":{"rendered":"<p>Er solle die Augen schlie\u00dfen und die H\u00e4nde \u00f6ffnen, sagte eine Mitarbeiterin zu Botswanas Pr\u00e4sident Mokgweetsi Masisi. Dann lie\u00df sie den zweitgr\u00f6\u00dften Diamanten, der weltweit je gefunden wurde, in seine H\u00e4nde fallen. 2492 Karat hat der Edelstein, knapp 500 Gramm, die Gr\u00f6\u00dfe einer Avocado. So mancher im Raum d\u00fcrfte die Sorge gehabt haben, der Klunker \u2013 laut \u201eFinancial Times\u201c 40 Millionen Dollar wert \u2013 k\u00f6nnte Masisi herunterfallen. Der Politiker aber griff beherzt zu und sagte nur: \u201eGott ist gut zu uns.\u201c<\/p>\n<p>Nur einmal in der Geschichte wurde ein noch gr\u00f6\u00dferer Diamant ausgegraben. Das war vor 119 Jahren in Botswanas Nachbarland <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/S%C3%BCdafrika\" title=\"S\u00fcdafrika\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">S\u00fcdafrika<\/a>. Er hatte 3106 Karat und wurde in neun separate Steine verarbeitet. Einige davon endeten in den britischen Kronjuwelen \u2013 ein Umstand der zuletzt bei der Kr\u00f6nung von Charles III. im vergangenen Jahr Schlagzeilen machte. Aktivisten forderten eine R\u00fcckgabe der Steine und l\u00f6sten neue Diskussionen \u00fcber das koloniale Erbe Gro\u00dfbritanniens aus.<\/p>\n<p>Botswana ist eine wohlhabende und stabile Demokratie <\/p>\n<p>Den Diamanten in Botswana erwarten andere Debatten. Den \u00fcber Technologie etwa, denn der Fund gelang der kanadischen Firma Lucara mit Hilfe von R\u00f6ntgentechnik. Sie kommt seit 2017 zum Einsatz und erm\u00f6glicht neben der Ortung eine pr\u00e4zisere F\u00f6rderung. Das Risiko einer Besch\u00e4digung des Edelsteins sinkt und die Hoffnung auf bis dato unentdeckte Vorkommen steigt. Aber es wird wohl auch darum gehen, wie die Bev\u00f6lkerung noch st\u00e4rker von derartigen Entdeckungen profitieren kann. Botswana wird oft als Paradebeispiel f\u00fcr den verantwortungsvollen Umgang mit Diamantenressourcen gelobt. Die Regierungseinnahmen flossen fr\u00fch nachhaltig in Bildung, Gesundheitswesen und Infrastruktur.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Rohstoffreichtum in L\u00e4ndern wie Nigeria oder Kongo das Schlagwort des \u201eRessourcenfluches\u201c pr\u00e4gte, ging Botswana entschieden gegen Korruption vor, schuf vergleichsweise liberale Wirtschaftsstrukturen. Die Nation im S\u00fcden Afrika geh\u00f6rt als zweitgr\u00f6\u00dfter Produzent nach Russland inzwischen l\u00e4ngst zur Kategorie der L\u00e4nder mit \u201eoberem mittleren Einkommen\u201c. Das Land ist eine stabile Demokratie.<\/p>\n<p>Im Jahr 2052 werden die Vorkommen ersch\u00f6pft sein <\/p>\n<p>Doch im Oktober wird gew\u00e4hlt, und Masisi verspricht, das Binnenland zur einkommensstarken Industrienation zu machen. Ein sehr ehrgeiziges Unterfangen: Mit 2,4 Millionen Einwohnern ist der Markt klein und der Konsum entsprechend begrenzt. Hinzu kommen hohe Arbeitslosigkeit, Fachkr\u00e4ftemangel \u2013 und die Tatsache, dass Diamanten eben doch nicht f\u00fcr die Ewigkeit sind. Zumindest nicht der lange Zeit hohe Marktpreis, der seit Beginn des Ukraine-Krieges massiv gelitten hat.<\/p>\n<p>In Botswana haben die Edelsteine ein Haltbarkeitsdatum: Im Jahr 2052 werden die Vorkommen weitgehend ersch\u00f6pft sein. Masisi quetscht heraus, was geht. Er hat k\u00fcrzlich De Beers, dem gr\u00f6\u00dften Diamantenproduzenten der Welt, bessere Konditionen f\u00fcr das Joint Venture \u201eDebswana\u201c abgerungen. Der Pr\u00e4sident nennt das \u201eRiesen sch\u00fctteln\u201c. K\u00fcnftig erh\u00e4lt Botswana 30 Prozent der gef\u00f6rderten Rohware statt bisher 25 Prozent. Der Anteil wird noch steigen. Mit neuen Gesetzen soll die Wertsch\u00f6pfungskette in Botswana verl\u00e4ngert werden.<\/p>\n<p>((Einbett-Code))   <\/p>\n<p>Lucara geh\u00f6rt das Karowe-Bergwerk, in dem nun der riesige Diamant gefunden wurde, allerdings vollst\u00e4ndig. Die Bev\u00f6lkerung wird also voraussichtlich nur \u00fcber Steuereinnahmen profitieren. Die Regierung will Bergbauunternehmen dazu verpflichten, einen Anteil von 24 Prozent an lokale Firmen zu verkaufen, wenn die Regierung ihre Option, Anteilseigner zu werden, nicht aus\u00fcbt.<\/p>\n<p> Das Land soll zum Singapur Afrikas werden <\/p>\n<p>Aus der Endlichkeit des kostbaren Rohstoffs macht Masisi keinen Hehl. Er hat das Regierungsprogramm \u201eBeyond Diamonds\u201c (Jenseits der Diamanten) ins Leben gerufen, er will das verarbeitende Gewerbe und die Landwirtschaft ankurbeln und daf\u00fcr auch den Naturschutz einschr\u00e4nken. Gem\u00fcseimporte sind teils absurd hoch besteuert, um die eigene Produktion anzukurbeln. Man merkt, dass Masisi eine Freundschaft mit Simbabwes Autokraten Emmerson Mnangagwa pflegt und auch die Beziehungen mit China intensiviert. Botswana ist nicht mehr ganz so unverr\u00fcckbar auf der Seite des Westens zu verorten wie fr\u00fcher.<\/p>\n<p> Masisi will sein Land zum technologisch f\u00fchrenden \u201eSingapur Afrikas\u201c machen. Daf\u00fcr hat er entsprechende F\u00f6rderprogramme gestartet. Doch am Rande einer Investorenkonferenz im vergangenen Jahr erz\u00e4hlte ein Berater aus Estland, dass er bereits dreimal Spezialisten f\u00fcr die Digitalisierung von Verwaltungen aus dem baltischen Staat in den S\u00fcden Afrika geholt habe \u2013 schlie\u00dflich gilt Estland in diesem Bereich als weltweiter Vorreiter. \u201ePassiert ist nichts\u201c, sagte er, \u201ees mangelt an der Umsetzung im Alltag.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Er solle die Augen schlie\u00dfen und die H\u00e4nde \u00f6ffnen, sagte eine Mitarbeiterin zu Botswanas Pr\u00e4sident Mokgweetsi Masisi. 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